ZDF-Mediathek: »Wake Up«

»Wake Up« (Miniserie, 2026). © ZDF/Oliver Oppitz/Frank Dicks/Tatjana Vdovenko/Janine Sametzky

© ZDF/Oliver Oppitz/Frank Dicks/Tatjana Vdovenko/Janine Sametzky

Sci-Fi-Dramaserie, die beim Filmfest München als beste Serie ausgezeichnet wurde

Ein neckischer Schubs auf der Skipiste, mit schwerwiegenden Folgen. Emilias Schwester Clara (Alicia von Rittberg) stürzt von der schwarzen Piste in den Abgrund, liegt in der Folge dauerhaft im Koma. Mit ihr ist auch Emilia (Luna Jordan) aus der Bahn geworfen, sie quält sich mit Schuldgefühlen, hat ihre Lehre abgebrochen, den Kontakt zum Vater (Carlo Ljubek) gekappt, lebt provisorisch auf einem Hausboot und lässt sich in zügellose Tanz- und Drogenexzesse fallen. Um ihre prekäre Situation zu lindern, stellt sie sich für das medizinische Forschungsprojekt einer Firma zur Verfügung, die nach modernen Therapien gegen Angststörungen mittels Nanobots forscht.

Ausgehend von realen Einsatzmöglichkeiten solcher Nanobots in der Medizin, schwingt sich die Serie in die Sphären der Fantasie, verzahnt hochfliegende Science-Fiction mit einem vielschichtigen, intimen Familiendrama um die Bewältigung von Trauer und Schuld. Die nüchternen Konferenzräume und Labore der Nano-Firma kontrastieren mit den eisigen Schneelandschaften, in denen die Tragödie ihren Ausgang nahm, und dem provisorischen Chaos in dem Hausboot, in dem Emilia mit wuchernden und welkenden Pflanzen lebt. Bei den Experimenten kommt es zu unerklärlichen (und bisweilen auch recht beliebigen) Nebenwirkungen: Denn statt gezielt auf das Angstzentrum zu wirken, lösen die Nanobots massive Bewusstseinsverschiebungen aus. Während sich die Wissenschaftlerin Hevi (Aybi Era) überraschend im Körper der Probandin wiederfindet, reist Emilia wiederum in die Wahrnehmung ihrer Schwester, und zwar zum Zeitpunkt des Unfalls. Aus dieser verstörenden Erfahrung entsteht die Hoffnung auf Wiedergutmachung: Könnte Emilia ihren funktionierenden Körper der komatösen Schwester zur Verfügung stellen?

Die von Mia Maariel Meyer und Tim Trachte inszenierte Miniserie ist ein gewagtes, durchaus faszinierendes, aber auch hochgradig spekulatives und nicht immer ganz schlüssiges Gedankenspiel, in dem neurologische Fakten mit Science-Fiction verzahnt werden. Vor allem eines ist klar: Dem enormen Potenzial der Nanobots stehen riskante Unwägbarkeiten gegenüber. In der Rolle der Firmenchefin Josephine tritt Désirée Nosbusch als skrupellose Geschäftsfrau auf, die ethische Fragen mit einem Schulterzucken zur Seite fegt, während die Wissenschaftlerin Hevi an sie herangetragene Bedenken mit mad scientist-Attitüde und beruflichem Enthusiasmus übergeht. Als Bedenkenträger fungieren der junge Nanobot-Programmierer Robin (Simon Steinhorst) und die wissenschaftliche Assistentin Marit (Malaya Stern Takeda) sowie der von Robert Stadlober gespielte Lars, der als Sohn der Chefin und Ehemann der Wissenschaftlerin zwischen den Stühlen sitzt. Während sie alle eher blasse Stellvertreter für verschiedene gegenläufige Positionen sind, sticht Luna Jordan als Emilia mit ihrer verletzlich rohen Präsenz hervor. Schmerzlich führt die Serie damit auch den Verlust vor Augen, den ihr überraschender Tod im Frühjahr dieses Jahres bedeutet.

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