Mubi: »Bouchra«

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Anthropomorphe Tierwesen verhandeln in der autobiografisch inspirierten Geschichte Identitätsfragen

Mit »Flow«, »Robot Dreams« und »Arco« sind in den letzten Jahren mehrere Filme erschienen, die gezeigt haben, wie abwechslungsreich und innovativ Animationsfilme abseits von Disney, Pixar und Co. sein können. Mit »Bouchra« von Orian Barki und Meriem Bennani kommt nun ein weiterer ungewöhnlicher Vertreter hinzu: Bouchra, eine in New York lebende Filmemacherin, arbeitet nach der Trennung von ihrer Langzeitfreundin an einem Film über die komplizierte Beziehung zu ihrer in Casablanca lebenden Mutter. Diese ist eigentlich sehr von Vertrauen und Zuneigung geprägt, doch die queer-lesbische Identität der Tochter stellt einen blinden Fleck dar. Das Besondere dabei: Bouchra und ihre Mutter sind Kojoten. Allgemein treten alle Figuren im Film als anthropomorphe Tierwesen auf. »Bouchra« ist deutlich von Bennanis eigener Biografie geprägt. So stammt die Regisseurin, die der Hauptfigur auch ihre Stimme leiht, nicht nur selbst aus Marokko, sondern bei den Telefonaten zwischen Bouchra und ihrer Mutter handelt es sich sogar um Originalaufnahmen von Gesprächen, die Bennani mit ihrer eigenen Mutter geführt hat. Daneben durchlebte sie – wie Bouchra im Film – eine Schreibblockade, nachdem sie und Barki beschlossen hatten, sich an einen Animationslangfilm heranzuwagen. Erste Erfahrungen in diesem Metier hatte Bennani bereits 2020 mit ihrer eigenwilligen Webserie »2 Lizards« gesammelt. All dies kulminiert in einem metafiktionalen Ansatz, bei dem New York, Casablanca, Storyboardzeichnungen, Film und Realität zunehmend ineinander übergehen. Besonders gegen Ende kann man schon einmal den Faden verlieren.

Dass hinter der Animationstechnik des Films nur ein kleines Team saß, das vor allem mit der frei verfügbaren Software Blender arbeitete, ist dem Film anzusehen. Doch gerade dieses Unperfekte verleiht ihm surrealen Charme. Auch durch stimmungsvolle Lichtsetzung schafft es »Bouchra« immer wieder, faszinierende Bilder wie aus einem Traum hervorzubringen – etwa vom pulsierenden Casablanca oder dem regnerischen New York. Barkis und Bennanis Schritt weg vom Realismus und von menschlichen Darsteller:innen eröffnet zudem einen besonderen Reflexionsraum. Mit seinen zweibeinigen Kojoten, Schafen und Kühen verhandelt »Bouchra« Fragen der Identität: distanziert, unaufgeregt und frei von Moralisierung und Didaktik. So paradox es angesichts anthropomorpher Tierwesen auch klingen mag, »Bouchra« ist ein zutiefst menschlicher Film.

Von der Presse wurde er häufig mit dem Œuvre Richard Linklaters verglichen, der mit »Waking Life« und »A Scanner Darkly« selbst zwei ungewöhnliche Animationsfilme gedreht hat. Der Vergleich passt insofern, als sowohl »Bouchra« wie auch Linklaters Filme von ungekünstelter Sprache und Direktheit leben und von Menschen erzählen, die ihren Platz in der Welt noch suchen. »Bouchra« tut dies besonders melancholisch und traumwandlerisch. In seiner Conclusio, die alle Widersprüche und Ungereimtheiten im heilenden Prozess der Kunst auflöst, fällt er aber ein wenig zu versöhnlich aus.

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