Apple TV: »Last Seen«

»Last Seen« (Serie, 2026). © Apple TV

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Ein ehemaliger Polizist sucht in Australien nach seiner vor Jahren verschwundenen Tochter

Ob es die jüngere gesamtdeutsche Geschichte ist – vom Dritten Reich (»München – Im Angesicht des Krieges«) über die Nachkriegszeit (»Deutschstunde«) bis hin zum Mauerfall (»Bornholmer Straße«) – oder das parallel stattfindende Treiben des britischen Königshauses in »The Crown«, mit dem er es zu internationalem Ruhm und einer Emmy-Nominierung brachte – Christian Schwochow hat sich als Geschichtenerzähler immer wieder historischer Stoffe angenommen. Seine neue Serie »Last Seen« ist deswegen auf den ersten Blick ein eher ungewöhnliches Projekt für den deutschen Regisseur.

Der Sechsteiler ist die erste komplett in Australien entstandene Produktion von Apple TV und auf den ersten Blick eine klassische Thrillergeschichte, wie man sie aus britischen Gefilden kennt. Im Zentrum steht der Einzelgänger und Ex-Cop Ian (Patrick Brammall), der mit der Trennung von seiner Frau ebenso ringt wie mit seinem frisch in den Griff bekommenen Alkoholproblem, beides ausgelöst durch das Verschwinden seiner kleinen Tochter Maggie vor elf Jahren. Inzwischen arbeitet er in der Notrufzentrale, und als er dort vom Fund einer Kinderleiche hört, ist er besessen von dem Gedanken, es könne sich um Maggie handeln. Doch während er sich immer mehr in die Ermittlung einzumischen versucht, erreicht ihn ein Notruf, der ihn glauben lässt, seine Tochter lebt doch noch.

Die Beschreibung des Plots von »Last Seen« unterscheidet sich kaum von den Stoffen, auf denen sonst der Name Harlan Coben prangt. Doch hier diente als Vorlage der Roman »Der Cop« von Ryan David Jahn, und was Schwochow und sein Autor Kris Mrksa daraus machen, ist deutlich interessanter als die meisten Serien dieser Art. Was einerseits an der Story liegt, die geschickt und ohne Hänger die Balance zwischen Spannung und Dramatik hält, und andererseits am glaubwürdig aufspielenden Ensemble, zu dem Maxine Peake und Brendan Cowell gehören, über deren Rollen nicht zu viel verraten werden sollte.

Das größte Pfund, mit dem die Serie wuchern kann, ist das Setting im südaustralischen Bundesstaat Victoria. »Mir ging es nicht darum, nur die rote Erde und andere typische Landschaften zu zeigen, die bei Australien jeder im Kopf hat«, sagte Schwochow im Interview gegenüber epd Film, »sondern ich wollte das Land wirklich so gut wie möglich kennenlernen und mich mit den Themen der Geschichte auseinandersetzen. Mit der australischen Männlichkeit genauso wie damit, dass es hier um Geheimnisse geht und Dinge, die im Verborgenen bleiben. Davon kann man besonders gut erzählen in einer Landschaft, wo alles so eine unglaubliche Weite hat und die Distanzen so groß sind.« Nicht zuletzt die Wahl Bonnie Elliotts als Kamerafrau erweist sich als Glücksgriff: Fast noch mehr als die Darsteller*innen und ihre Dialoge sind es ihre Bilder, die in Schwochows stimmiger Inszenierung für Wahrhaftigkeit sorgen, die »Last Seen« vom glatten, generischen Look vieler anderer Streamingproduktionen abheben.

OV-Trailer

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