12/2015

In diesem Heft

Tipp

Dicht erzählt und hochspannend: Die DVD-Premiere »Felony« mit Joel Edgerton erzählt von einem Unfall und den Folgen
Schon seit vier Jahren läuft die TV-Serie »Undervover« des bulgarischen Staatsfernsehens äußerst erfolgreich. Vier Staffeln wurden bereits ausgestrahlt, und auch international ist die Serie ein Hit – sie verkaufte sich in 120 Länder
Megan ist 28 Jahre alt, hat längst ihren Uni-Abschluss in der Tasche, aber noch immer keine Ahnung, was sie wirklich mit ihrem Leben anfangen soll – und auch keinerlei Motivation, dies zu ändern
DVD-Premiere: Der Kinofilm zur britischen Agentenserie
Jacques Audiard beginnt seine Geschichte über eine tamilische Zufallsfamilie mit falschen Pässen, die in einen trostlosen Vorort von Paris zieht, als Flüchtlingsdrama, erzählt sie als Liebesgeschichte weiter und lässt sie in einen Thriller münden. Über weite Strecken meisterhaft geschrieben und inszeniert, vielschichtig und poetisch
10. Dezember 2015, Berlin – »Symposium zum 11. Plenum des ZK der SED und zu den verbotenen DEFA-Filmen von 1956/66«: Nach dieser einschneidenden politischen Zäsur der DDR-Geschichte wurden neben zahlreichen kritischen Büchern, Theater- und Musikstücken auch zwölf DEFA-Filme verboten oder in der Produktion gestoppt.
10. Dezember 2015 – 1. Mai 2016, Berlin – Die Sonderausstellung »Best Actress – Oscars®. Rollen. Bilder« des Museums für Film und Fernsehen ist eine Hommage an die bisher 73 Preisträgerinnen als beste weibliche Hauptdarstellerin der Academy Awards.
10. Dezember 2015, Köln – »Von Cagliari bis ins finstere Tal. Der neue deutsche Genrefilm – Wunschdenken oder Realität?« Nationale und internationale Filmemacher und andere Fachleute diskutieren die Verortung des deutschen Genrefilms in seinem Produktions- und Rezeptionsumfeld sowie seine Perspektiven auch auf internationaler Ebene
9.–15. Dezember 2015, Berlin – Im Zuge des 15. Jubiläums der französischen Filmwoche zeigt das Institut français eine Vielfalt an Lang-, Kurz- und Animationsfilmen aus dem frankophonen Raum. Zusätzlich bietet sich den Besuchern auch die Möglichkeit, in der Filmlounge des Institut français an Debatten und Diskussionen teilzunehmen
4. Dezember 2015 – 4. Dezember 2016, Potsdam – Unter dem Titel »Alles nur Kulisse?! Filmräume aus der Traumfabrik Babelsberg« widmet sich die Ausstellung dem filmischen Schauplatz. Die Exponate reichen von Skizzen bis zu drehfähigen Sets und beleuchten Entstehungsprozess, Bedeutung und Wirkung des Szenenbildes im Film.
2.-6. Dezember 2015, Stuttgart – Die Filmschau und der angegliederte 12. Wettbewerb um den Jugendfilmpreis präsentieren ein buntes Programm mit nahezu 150 aktuellen Filmproduktionen aus Baden-Württemberg. Zum Auftakt findet am 2. Dezember ein Podiums zur Landesfilmpolitik statt.
1.–2. Dezember und 8.–9. Dezember, Essen – An vier Tagen wird ein jeweils zweistündiges Filmprogramm der besten Abenteuer- und Outdoorfilme präsentiert. Das Programm bietet eine Mischung aus adrenalingeladenen Kurzfilmen, emotionalen Sportlerporträts und Dokumentationen über die Wege an die wildesten Enden der Welt
1.–2. Dezember und 8.–9. Dezember, Essen – An vier Tagen wird ein jeweils zweistündiges Filmprogramm der besten Abenteuer- und Outdoorfilme präsentiert. Das Programm bietet eine Mischung aus adrenalingeladenen Kurzfilmen, emotionalen Sportlerporträts und Dokumentationen über die Wege an die wildesten Enden der Welt
27. November – 6. Dezember, Berlin – Das Weltkinofestival, das eher unbekannte, aber herausragende Filme aus allen Teilen des Globus zeigt, feiert sein zehnjähriges Jubiläum mit internationalen Gästen wie Geraldine Chaplin, Apichatpong Weerasethakul und Cannes-Gewinner Vincent Lindon; sein Film »La loi du marché – Der Wert des Menschen« von Stéphane Brizé eröffnet das Festival
am Di., den 15.12. in Frankfurt am Main – epd Film-Autor Ulrich Sonnenschein spricht mit Regisseur Aron Lehmann und Producer Daniel Sonnabend über »Highway to Hellas«

Thema

Wie jetzt, keine Geschenke? – Unsere weihnachtlichen Tipps 2015 (DVDs, Bücher, Spiele und andere Dinge, die Spaß machen). Inklusive Verlosung!
Gut und Böse, Schuld und Erlösung, Mythos und Hippie-Religion: In der »Star Wars«-Saga ging es immer schon ums Ganze. Zum Start des neuen Films – eine Reise zum spirituellen Kern des Blockbusterkinos
Kunst und Trash, das Triviale und das Erhabene versöhnen sich, wenn Deutschlands Hardcore-Cineasten sich treffen. Einzige Bedingung: Es muss Zelluloid sein
Ihr Image sagt: kühl und entrückt. Cate Blanchett, jetzt wieder unter der Regie von Todd Haynes in »Carol«, kann aber auch richtig vom Leder ziehen. Man muss ihr nur durch ihre Filme folgen. Ein Porträt
Ein Hollywoodstar war er nie. Vielleicht weil er so ­umwerfend uneitel ist. Jetzt ist Alan Arkins Karriere noch einmal in Schwung gekommen
»Star Wars« mal ganz anders erzählt: In der Fanfilm-Szene werden beliebte Figuren und Motive interpretiert, umgedeutet und bearbeitet. Ein schönes Beispiel für partizipatorische Kultur im Internet

Meldung

Man muss eine Leidenschaft für die Menschen empfinden, mit denen man arbeitet
Julia von Heinz, 39, Drehbuchautorin und Regisseurin, früher Mitarbeiterin von Rosa von Praunheim an der HFF, gab 2007 ihr Langfilmdebüt mit »Was am Ende zählt«. Jetzt startet ihre Bestsellerverfilmung »Ich bin dann mal weg«
"Mich interessieren die Fragen, nicht die Antworten"
So viel furchtlose Unternehmungslust besaß kein anderer weiblicher Hollywoodstar ihrer Generation. Maureen O'Hara, 17.8.1920 – 24.10.2015
Das in Lissabon beheimatete Festival Doclisboa hat ein Gespür für die Grenzfälle und Außenposten des Dokumentarischen
Das Trauma des Krieges – Das Filmfestival Cottbus, in diesem Jahr zum 25. Mal, ist ein Schaufenster für die Filmländer Mittel- und Osteuropas
Die nordischen Filmtage Lübeck boten in diesem Jahr einen niveauvollen Wettbewerb – dominiert von den nachdenklichen Dänen und kreativen Isländern
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat den Etat der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Monika Grütters, um 15 Millionen für die kulturelle Filmförderung erhöht

Filmkritik

Aus dem Coming of Age einer 13-Jährigen im Bunde ihrer erwachsenen Halbschwestern destilliert Koreeda das betörend schwerelose Porträt einer Küstenstadt im Lauf der Jahreszeiten, das zugleich eine zärtliche Hommage an den großen Ozu ist
Zwei seit Jahrzehnten verfeindete Brüder, beide Schafzüchter in Island, müssen sich wieder annähern, als eine Krankheit ihre geliebten Tiere dahinrafft. Leises, ungewöhnliches Drama, das weniger von Lakonie als von Natürlichkeit geprägt ist
Hunde und Kinder gehen immer, sagt ein offenes Geheimnis über die Erfolgsrezepte des Kinos. Kaan Müjdeci öffnet mit seinem Film über einen Kampfhund und sein elfjähriges Herrchen den Blick für die Mühen des Erwachsenwerdens in einer Männerwelt
Ein an beginnender Demenz leidender Auschwitz-Überlebender zieht los, um den Mörder seiner Familie zu finden: Der kolportagehafte Plot wird veredelt durch die inszenatorische Finesse von Arthouse-Veteran Egoyan – und durch den großartigen Auftritt von Altstar Christopher Plummer
In Patricio Guzmáns Essayfilm ist alles miteinander verbunden, die Kolonisierung Chiles im 19. Jahrhundert und die Morde der Pinochet-Diktatur, die majestätische Schönheit des Ozeans und die subversive Kraft von Gedichten. Atemberaubende Bilder erinnern an die Toten und feiern zugleich ein anderes Leben, das zerstört wurde und doch als Utopie immer noch präsent ist
Was passiert mit der Legende, wenn sie altert? Und was, wenn sie sich in Demenz auflöst? Diese Fragen stellt sich Bill Condon in seinem sympathisch verstörenden Film
Das Leben einer schüchternen 18-jährigen Studentin in New York gerät durch die Bekanntschaft mit einer 30-jährigen energischen Lebenskünstlerin mächtig in Bewegung. Im Stil einer Screwball-Comedy inszeniert, krankt der Film an einer etwas artifiziellen Atmosphäre, besticht aber durch exzellente Dialoge
Wie schon den vielen Kollegen vor ihr gelingt es auch Sophie Barthes nicht bis ins Letzte, der legendären Romanvorlage von Flaubert gerecht zu werden. Immerhin wartet ihre Kinoadaption mit schönen Bildern und einer überzeugenden Hauptdarstellerin auf
Die japanische Regisseurin Naomi Kawase hat ein einmaliges Gespür dafür, mit der Kamera die immaterielle Beschaffenheit des Kinos einzufangen. Hier dominieren jedoch die melodramatischen Konventionen eines gefälligen Gefühlskinos
Inspiriert von der Lebensgeschichte von Endel Nelis (1925–1993), der in einer estnischen Kleinstadt eine Fechtschule gründete – die bis heute existiert –, erzählt der Film eine Lehrer-Schüler-Geschichte, einerseits vorhersehbar, andererseits mit angenehmem Understatement
Mal wieder ein Western im Kino. Natalie Portman spielt in dem geradlinigen Film »Jane Got a Gun« eine Frau in New Mexico, die sich den Schatten ihrer Vergangenheit stellen muss. Und Ewan McGregor überzeugt als Bösewicht
Bradley Cooper muss als Gourmetkoch lernen, dass Sterne nicht alles sind. Gut gespielt und solide inszeniert, verliert der Film sich in uninteressanten Nebenhandlungen. Seiner Ambition eines realen Porträts der Sternegastronomie wird er nicht gerecht
Nomen est omen: Seinem deutschen Titel entsprechend ist dieser starbesetzte Mystery-Thriller allzu vorhersehbar
Gemälde werden lebendig, nie gekannte Fabelwesen tauchen aus den Tiefen des Wassers auf, und ein kleines Mädchen bewegt sich in der Zwischenwelt der Menschen und des Meeres. Grandios und fantastisch
Die zweite Verfilmung eines Krimis von Gillian Flynn nach »Gone Girl« zeigt leider wenig Gespür für den vertrackten Stil der Bestsellerautorin und lässt auch seinen tollen Cast (Charlize Theron, Nicholas Hoult, Christina Hendricks) wie im Leeren agieren
Schroff & kantig: Alain Gsponers Kinoversion über das berühmteste Mädchen der Schweiz ist alles andere als romantisierendes Familienkino vor alpiner Traumkulisse. Familiäre Konflikte und Heimweh werden hier knallhart behandelt, wie auch ein kantiger Bruno Ganz seinen Teil dazu beiträgt. Für Kinder ab 6 Jahren
In der Tiefe des gerenderten 3D-Raums verlieren die beliebten Peanuts-Charaktere deutlich an Charme. Inhaltlich bleibt der Film hingegen dem Geist und den lebensphilosophischen Qualitäten der Vorlage treu
Mark Osborne ist eine authentische Verfilmung eines der beliebtesten Bücher der Weltliteratur gelungen. Menschen, die den kleinen Prinzen bisher nicht kannten, erschließt sich hier der ganze Kosmos eines großen Philosophen
Jacques Audiard beginnt seine Geschichte über eine tamilische Zufallsfamilie mit falschen Pässen, die in einen trostlosen Vorort von Paris zieht, als Flüchtlingsdrama, erzählt sie als Liebesgeschichte weiter und lässt sie in einen Thriller münden. Über weite Strecken meisterhaft geschrieben und inszeniert, vielschichtig und poetisch, entgleist das Werk leider am Ende ins Kolportagehafte
Per Rückblende wird vom zerbrochenen Glück der Liebe von Carol (Cate Blanchett) und Therese (Rooney Mara) erzählt. Mit »Carol« nimmt sich Todd Haynes abermals das Melodrama der 50er Jahre zum Vorbild, um es mit einem aktuellen Sexualitätsdiskurs zu versehen
Ein Film von erlesener Schönheit, der mit seiner Geschichte um ein Paar, das an der Mittelmeerküste dekorativ vor sich hin kriselt, in selbstgefälliger Hochglanz-Banalität versinkt
Gott existiert, und zwar in Brüssel. Als schlecht gelaunter Prolet spielt er den Menschen übel mit – bis seine 10-jährige Tochter ausbüchst und sechs neue Apostel rekrutiert. Liebevoll inszeniertes Gedankenspiel von Jaco Van Dormael (»Toto der Held«)
Sékou Neblett erfindet in seiner deutschen HipHop-Doku eine vergessene Legende um in der Suche die Geschichte des deutschen HipHop zu offenbaren
Peter Brückner war das prominenteste Opfer der hysterischen Berufsverbotspraxis der siebziger Jahre. Sein Sohn Simon sucht nach den Spuren des Vaters, politisch wie privat
Drei langjährige Freunde und ihre Partnerinnen müssen auf einem Segeltörn nach Korsika feststellen, dass Wasser keine Balken hat und Beziehungen nicht in Routine erstarren dürfen. Olivier Baroux (»Fasten auf Italienisch«) und seine Darsteller schalten in stürmischer See auf Autopilot
In dieser bittersüßen Weihnachtskomödie über ein Familientreffen unter dem Christbaum schwankt die Tonart zwischen Sarkasmus und Sentimentalität, doch Stars bürgen dafür, dass man sich nicht langweilt
Vier Jugendliche müssen über die Weihnachtstage in einer psychiatrischen Klinik bleiben: Theresa von Eltz' Kinodebüt »4 Könige« ist zwar nicht frei von Psychiatrieklischees, besticht aber durch seine sensible Darstellung
Im Nachfolger des schwedischen Kassenerfolgs »Wie im Himmel« bietet sich der zum Alkoholiker gewordene Pfarrer Stig in einer stürmischen Nacht als Lenas einziger Geburtshelfer an. Kurz darauf beauftragt er diese mit der musikalischen Aufführung zur Wiedereröffnung der restaurierten Dorfkirche, was sich als Glück, aber auch als Herausforderung erweisen soll
Die Freundschaft zwischen einem jungen Dinosaurier und einem Menschenkind gefällt zwar durch die Umkehrung, dass die Dinos den Menschen überlegen sind, ist aber ansonsten ein traditioneller Animationsfilm
Culture-Clash-Komödie mit Christoph Maria Herbst, der als deutscher Banker auf eine griechische Insel reist, um die angeblichen Sicherheiten eines Kredits zu prüfen. Die Inselbewohner (u.a. Adam Bousdoukos, »Soul Kitchen«) üben sich daraufhin in Erfindungsreichtum
Ein gut situiertes Ehepaar, ein wunderbares neues Zuhause – und ein merkwürdiger Bekannter, der nach und nach unangenehm wird: Joel Edgertons Regiedebüt beginnt als Ansammlung von Klischees, entwickelt sich bald zu einem cleveren psychologischen Thriller voller fieser Überraschungen
Das Finale des Sci-Fi-Epos bestätigt eindrucksvoll die Originalität der Inszenierung und punktet mit markanten Darstellern und vielschichtiger Thematik – verliert aber durch einen überhasteten und deshalb psychologisch unglaubwürdigen Showdown
Sam Mendes gelingt mit seinem zweiten Bond eine unterhaltsame Neuauflage, die zwischen Nostalgie und Modernisierung oszilliert

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