Kritik zu Unter Freunden

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Korsika ist ein beliebtes Reiseziel französischer Komödien in diesem Jahr. Nach Der Vater meiner besten Freundin schickt nun Olivier Baroux ein prominentes Ensemble auf einen Segeltörn zur Mittelmeerinsel. Sie hätten besser die Fähre genommen

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Als Steven Spielberg »Der weiße Hai« drehte, entwickelten sich die Dreharbeiten nicht nur zu einer strapaziösen Feuerprobe für den jungen Regisseur. Sie stellten auch seine visuelle Vorstellungskraft vor enorme Herausforderungen. »Es schränkt einen sehr ein, auf einem Boot zu drehen«, klagte er damals. »Auf dem Meer hat man wenig Möglichkeiten, die Bildkomposition zu variieren. Mir gingen schon nach ein paar Tagen die Ideen aus.« Bevor er die Seenotkomödie »Unter Freunden« in Angriff nahm, hat sich Olivier Baroux »Der weiße Hai« zweifellos als Inspirationsquelle und Warnung angesehen. Er zitiert ihn in ominösen Unterwasseraufnahmen und lässt einmal die vermeintliche Rückenflosse eines Hais auf seine Helden zusteuern. Heute kann er natürlich auf technische Möglichkeiten zurückgreifen, die Spielberg vor 40 Jahren nicht zu Gebote standen. Aber trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass auch Baroux die Ideen schnell ausgingen.

»Unter Freunden« ist ein merkwürdiger Hybrid. Einerseits knüpft er an die französische Tradition tückisch-nostalgischer Komödien wie »Ein Elefant irrt sich gewaltig« an, in denen sich die Gültigkeit langjähriger Männerfreundschaften bewähren darf. Die Musik erinnert stark an die vergnügten Partituren, die Vladimir Cosma einst für derlei Tragikomödien schrieb. Zum anderen bringt er beherzt die Dramaturgie von Katastrophenfilmen auf hoher See ins Spiel. Es wäre verheerend, sich auszumalen, was ein Blake Edwards aus dieser Kollision gemacht hätte; wenngleich der Film dessen Prinzip des »Schlimmer kann es nicht mehr kommen, tut es aber doch« akribisch folgt.

Richard, Gilles und Philippe kennen sich seit fast einem halben Jahrhundert. Wie in jedem Jahr verbringen sie gemeinsam mit ihren Frauen die Ferien; diesmal hat Gastgeber Richard eine Segeljacht für sie gechartert. Beim Antritt der Reise nach Korsika sind alle so angestrengt fröhlich, dass selbst der argloseste Zuschauer sich auf Zerwürfnisse einstellt. Bereits der erste Tag auf See verläuft als Kaskade der Peinlichkeiten. Die Risse in den Fassaden bürgerlicher Sattheit brechen umgehend auf. Zu den Krisen in der Lebensmitte gesellen sich bald nautische Fährnisse, als ein Sturm ausbricht und der korsische Skipper durch ein Missgeschick außer Gefecht gesetzt wird. Nun müssen die seeuntüchtigen Passagiere allein den Elementen die Stirn bieten.

Das Drehbuch stellt keine Fragen, auf die es nicht die Antwort kennt, jeder Wutausbruch ist nur das Vorspiel einer Versöhnung. Daniel Auteuil, Gérard Jugnot, François Berléand und ihre Partnerinnen spielen entsprechend routiniert und gestenreich. Jugnot hat zwei hübsche Dialogpointen, aber zu viele altbackene Gags gehen auf Kosten urwüchsiger Korsen und gefühlskalter Geschäftsfrauen. Diese Reise ist eigentlich schon am Ziel angekommen, bevor sie losgeht.

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