Kritik zu Im Rausch der Sterne

© Wild Bunch

2015
Original-Titel: 
Burnt
Filmstart in Deutschland: 
03.12.2015
R: 
S: 
Musik: 
V: 
L: 
100 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Im neuen Film von John Wells spielt Bradley Cooper einen Spitzenkoch zwischen Genie und Egomanie

Bewertung: 3
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 2)

Bradley Cooper ist in Hollywood der Mann für die manischen Typen. Von »Ohne Limit« über »Silver Linings« bis zu »American Sniper« verkörpert er regelmäßig Männer mit massiven psychischen Pathologien. Nun fügt er dieser Galerie der Besessenen eine weitere Figur hinzu. In »Im Rausch der Sterne« spielt er Adam Jones, einen einstigen Superstar der Gastrobranche, der nach diversen Exzessen das Handtuch warf und für zwei Jahre spurlos verschwand. Nun kehrt er zurück, um als Amerikaner in London neu durchzustarten. Sein erklärtes Ziel ist die höchste Wertung im renommiertesten Restaurantführer der Welt: drei Sterne im Guide Michelin. Da der unheimlich arrogante Jones jede Menge verbrannter Erde hinterlassen hatte, gestaltet sich die Suche nach einem Team sowie einem Restaurant, das ihn als Küchenchef nehmen würde, als schwierig. Aber hat er es einmal geschafft, macht er jedem Crewmitglied mächtig Druck. Die Binsenweisheit »Qualität kommt von quälen« nimmt er dabei wörtlich.

Man merkt »Im Rausch der Sterne« deutlich an, dass er ein »realistisches« Bild von der Arbeit in einer Spitzenküche zeichnen will. Der Jargon stimmt, die Strukturen und Abläufe wirken authentisch. Regisseur John Wells verzichtet weitgehend auf »Foodporn«-Einstellungen – es geht hier um einen Job, nicht um gaumenwässernden Kitsch. Dieses Bemühen um Authentizität wird leider durch Szenen unterminiert, die unwissenden Zuschauern bestimmte Dinge erklären sollen, darunter eine peinlich-absurde Erläuterung, woran man Michelin-Tester erkennt. Und so überzeugend Cooper in der Rolle auch ist: Die Darstellung seiner cholerischen Ausbrüche mutet geradezu verantwortungslos an. Gewalt in den Sterneküchen ist vor allem in Frankreich ein regelmäßiges Medienthema, aber an Coopers Figur werden die Demütigungen seiner Mitarbeiter als natürliche Eigenschaften eines Küchengenies romantisiert.

So ganz scheinen Wells und sein Drehbuchautor Steven Knight (»Peaky Blinders«, »Locke«) denn auch nicht darauf zu vertrauen, dass der Berufsalltag eines Cholerikers genug Filmstoff hergibt. Deshalb eröffnen sie in Jones' Privatleben gleich mehrere Fronten. Da gibt es Pariser Drogenhändler, denen er noch Geld schuldet, eine kindische Rivalität mit einem anderem Topkoch, eine reiche Exfreundin und den jungen Besitzer des Hotelrestaurants (Daniel Brühl), der in ihn verliebt ist; ein bisschen »Bella Martha« kommt in Gestalt einer alleinerziehenden Saucenköchin ins Spiel, in die Jones sich naturgemäß verliebt. Diese Nebenhandlungen wirken wie dramaturgische Zugeständnisse an ein Massenpublikum und werden entsprechend lustlos abgespult. Die Story verliert dadurch fatal an Fokus, über die wirklich spannenden Dinge erfahren wir dafür nichts. Etwa über die kreativen Abläufe (und Diebstähle) unter Köchen, ihre hermetische Lebenswelt, die enormen monetären Risiken und die Hassliebe zu Kritikern. Jon Favreaus »Kiss the Cook« war da sehr viel präziser. Aber auf den definitiven Spielfilm über die Welt der großen Köche müssen wir wohl immer noch warten.

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