Kritik zu Blacktape

© Camino

2015
Original-Titel: 
Blacktape
Filmstart in Deutschland: 
03.12.2015
P: 
L: 
88 Min
FSK: 
6

Sékou Neblett erfindet in seiner deutschen Hip-Hop-Doku eine vergessene Legende, um in der Suche die Geschichte des deutschen Hip-Hop zu offenbaren

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Tigon war da. Oder nicht? Wer ist dieser Tigon überhaupt, und wo ist er geblieben? Was anmutet wie ein Mockumentary, entpuppt sich als kluger Weg zur Aufarbeitung einer in sich völlig zerstrittenen Szene des deutschen Hip-Hop. Egal wie sich die Vorbereitungen zu diesem Film entwickelt haben mögen, es ist und bleibt schwierig, die verschiedenen Protagonisten der Szene zu einem gemeinsamen Filmprojekt vor die Kamera zu holen. Neblett benutzt dazu einen Trick und dokumentiert am Schluss auch sein eigenes Scheitern.

Sékou Neblett, einst als amerikanischer Rapper Mitbegründer der deutschen Formation Freundeskreis, macht aus einer reinen Aufarbeitung dessen, was die deutsche Hip-Hop-Szene einst bestimmte, einen »Fake-Found-Footage-Szenekrimi«, in dem sich reale Protagonisten wie sein alter Freund Max Herre, der etwas schwierige Marcus Staiger (Begründer des »Royal Bunker«-Labels), der Journalist Falk Schacht, Thomas D, Afrob, Azad, Eko Fresh und viele andere sinnfällig selbst spielen. Ausgangspunkt ist ein mysteriöses Blacktape, eine Tonbandkassette ohne Aufschrift, auf der sich ein Rap befindet. Als Urheber wird schnell ein gewisser Tigon ausgemacht, auf dessen Spuren sich der Film dann bewegt. Und dabei wie nebenbei die Geschichte des deutschen Hip-Hop erzählt.

»Blacktape« ist eine ironisch gebrochene Hommage an eine Szene, die man in Deutschland eher zu den Randphänomenen zählt. Heute, wo deutsche Rapper wie Sido mit Mustern des amerikanischen Gangster-Rap Millionen verdienen, sieht man die Anfänge in den 2000er Jahren kaum noch. Insofern ist Sékou Nebletts Film sowohl von hohem Informationswert als auch ein gelungener Unterhaltungsfilm, der auf verschmitzte Weise auch verwirrt. Denn immer wieder tauchen in dieser fiktiven Suche wahre Fundstücke auf, mit denen man dann umgehen muss. Doch gerade dadurch, dass Wahrheit im Absurden versteckt wird, wird die Bedeutung des Hip-Hop für die deutsche Popkultur besonders deutlich.

Meinung zum Thema

Kommentare

Fand den Film ziemlich blöd. War ein wenig informativ und es gab gute Musik aber diese Nr auf "wir machen ne reale Reportage" und dann machen die da sone Kaspergeschichte war schon hart nervig!

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns