07/2015

In diesem Heft

Tipp

Die dienstälteste und härteste Straßengang der Welt, die Peaky Blinders: Zwischen den rauchenden Schloten der Textilfabriken und den dunklen Gassen der verruchten Viertel der Industriestadt Birmingham herrscht zu Beginn des 20.Jahrhunderts die brutale Bande von Tommy Shelby
am Di., den 7.7., ab 20.15 Uhr, 3sat - Anlässlich des 40. Geburtstags der Schauspielerin Nina Hoss zeigt 3sat zwei Filme des Berliner-Schule-Regisseurs Christian Petzold. Zur Primetime läuft das preisgekrönte DDR-Drama »Barbara«, in dem Hoss eine fluchtbereite Ärztin spielt, die versetzt wird und in ihrer neuen Heimat nach und nach die Kontrolle über ihr Leben verliert. Danach folgt die melancholische Dreiecksgeschichte »Jerichow«
Sherlock im T-Shirt? Nicht mal bei 40 Grad. Mäntel sind keine Frage der Jahreszeit, sondern des Stils
Der Franzose David Oelhoffen verwandelt Albert Camus' schroffe Erzählung »Der Gast« in einen klassischen Western. Viggo Mortensen spielt einen Lehrer im bereits von Aufständen gezeichneten Algerien, der einen mutmaßlichen Mörder bis zur nächsten Polizeistation bringen soll und dabei zwischen alle Fronten gerät

Thema

Die Geschichte von Heinrich VIII., Thomas Cromwell und der Reformation in England war schon immer ein Thriller. Jetzt kommt sie mit der Literaturverfilmung »Wolf Hall« neu und frisch daher – nach Hilary Mantels preisgekrönten Romanen
Vor fünf Jahren wurde er vor Gericht gezerrt. Seitdem darf der iranische Autorenfilmer Jafar Panahi, der mit »Der Kreis« international bekannt wurde, eigentlich nicht arbeiten. Da muss man einfallsreich sein. Zum Beispiel indem man sich als Taxifahrer in Teheran ausgibt und die Stadt durchquert. Ein Werkporträt
Seit mehr als zwanzig Jahren wird sie uns versprochen: die »virtuelle Realität«, die perfekte digitale Spielwelt, der Film, in dem wir selbst zum Handlungsträger werden. Und jetzt scheint es auch was zu werden: mit den neuen Datenbrillen fühlt man sich ein bisschen wie in Star Treks Holodeck
Alle wollen ihn haben, englische, französische, amerikanische Regisseure. Muss an der Mischung aus physischer Wucht und psychischer Zartheit liegen, die Matthias Schoenaerts so gekonnt präsentiert
Unsere "Steile These" des Monats Juli
Nach mehr als hundert Jahren Kino kann man sich schon mal zurücklehnen und umschauen. Dokumentationen über die Filmgeschichte in all ihren Facetten liegen derzeit im Trend
Was ist dran am ­Vorurteil von der »world capitol of feel-bad cinema«? ­Alexandra Seitz präsentiert einen Streifzug durch den neuen österreichischen Film

Meldung

Justus von Dohnányi, 54, ist als Schauspieler national (»Männerherzen«, »Der Wagner-Clan«) wie international (»Monuments Men«, »Die Frau in Gold«) gefragt. Jetzt startet seine zweite Regiearbeit »Desaster«
Von Stöckelschuhen und den »Dad bods« bis zum Thema Sex, Netflix und dem »Digital single market« – Die Trends der 68. Filmfestspiele von Cannes
Entdeckungen und Enttäuschungen hielten sich die Waage, bis die Preisverleihung für das nötige Überraschungsmoment sorgte und unter der Dominanz der privaten Dramen politische Akzente setzte

Filmkritik

In Uruguay war Alvaro Brechners vom eigenen Familienschicksal inspirierter zweiter Spielfilm so erfolgreich, dass er 2015 (erfolglos) für den Auslandsoscar nominiert wurde. In Deutschland dürfte das Zielpublikum der liebenswerten Arthouse-Komödie mit moralischem Twist so um die 50 plus liegen - also im besten Mittsommerkinoalter
Noch deutlicher als bei Teil 1 zeigt sich in »Ted 2«, dass Seth MacFarlanes Prämisse vom ungehobelt-prolligen Teddy mit der Vorliebe für Sex und Marihuana nicht für mehr reicht als eine Handvoll gelungener Gags. Der Rest sind bloß lieblose, unoriginelle und wenig clevere Plattheiten, über die auch prominente Gaststars und massenweise Popkultur-Anspielungen nicht hinwegtäuschen können
Die Produzentin steigt aus - und dem Filmteam bricht der Film weg. Der Regisseur (Samuel Finzi) aber will weiterzumachen. Trotz einiger schöner absurder Gags und Turbulenzen dreht sich der Film von Frank Miler etwas im Kreis
Behutsamer, aber leider etwas zu offener Versuch, den Fall Mollath, der 7 Jahre unrechtmäßig in der Psychiatrie eingesperrt wurde, noch einmal aufzurollen. Das Dokument eines Justizskandals, das schließlich weder Täter benennen, noch das Opfer rehabilitieren kann
Shion Sono hat Santa Inoues Manga nicht nur in ein in allen Neonfarben glitzerndes HipHop-Musical verwandelt. Dieses wilde Spektakel über den Kampf einiger Straßen-Gangs gegen einen machtgierigen Yakuza ist filmischer Exzess pur. In dieser künstlichen Welt voller Schrecken und Schönheit herrscht ein grandioser, berauschender Überfluss. Mehr ist manchmal eben wirklich mehr
Nach dem vielversprechenden Anfang, in dem die evolutionäre Entwicklung der Minions-Kultur einfallsreich aufgeschlüsselt wird, mischen sich die kleinen gelben Männchen wieder unter die Menschen, und fortan unterscheidet sich Minions kaum noch von einer normalen Folge von »Ich – Einfach unverbesserlich«. Visuell und musikalisch hingegen ist der Spaßfaktor ungebrochen
Dietrich Brüggemanns bitterböse Nazi-Satire hat ihre Momente, zeichnet aber ihre Figuren nicht wirklich sorgfältig
Die amerikanische Highschool-Komödie und ihr Erfindungsreichtum, was griffige Abkürzungen für soziologisch hochkomplexe Phänomene angeht: Diesmal geht es um das Konzept der »designierten hässlichen Freundin«
Ein Lehrer will ein musikalisches Wunderkind managen und dadurch seine eigene abgebrochene Rockkarriere neu starten: trotz guter Besetzung fehlt es der Romanverfilmung letztlich an Glaubwürdigkeit und besonders an Charme
Ein Liebesviereck im viktorianischen Zeitalter. Nach dem Roman von Thomas Hardy. Mit einem großartigen Ensemble, Carey Mulligan, Michael Sheen, Mathias Schoenaerts, Tom Sturridge entkommt Tomas Vinterberg mitunter den Fängen des Kostümfilms
Maria (Kim Basinger) ist erfolgreiche Geschäftsfrau im Hamburger Hafen. Was ihr zum Glück fehlt, ist ein Baby. Sie ist bereit, zu drastischen Mitteln zu greifen. Ein Psychothriller, der wegen Basingers Auftritt packt
Mit Witz und unverhohlener Regimekritik serviert der iranische Regisseur Jafar Panahi sein Roadmovie, in dem er selbst als Taxifahrer wechselnde Fahrgäste durch Teheran kutschiert. Die dokumentarische Form füllt er auch mit Inszenierungen und zeichnet so aus der Enge eines Autos heraus ein vielschichtiges, höchst unterhaltsames Gesellschaftspanorama
Dokumentarisches Porträt einer anorexiekranken jungen Frau, das fast exemplarisch erschütternde Einblicke in ein tragisch verkorkstes Familiengefüge gewährt
Es wird nur geredet, und trotzdem geht es hoch her: Ein so informativer wie ergreifender Dokumentarfilm über den Einsatz von Psychopharmaka bei psychisch Erkrankten
Auch der vierte Film von Anders Thomas Jensen ist eine Expedition in ein dänisches Kuriositätenkabinett des skurrilen Verhaltens: In einem alten, verfallenen Lungensanatorium, das mit großer Liebe zum Patina-Detail ausgestattet ist, frönen Menschen und Tiere einem dubiosem Miteinander. Mit einem fast nicht erkennbaren Mads Mikkelsen
Bollywood auf Berlin-Kreuzbergs Dächern und ein Elefant anstelle einer Hochzeitskutsche. Die Regisseurin Neelesha Barthel spielt ein Multi-Kulti-Szenario starker deutsch-indischer Frauen durch und verfängt sich in viel zu viel gutem Willen
Statt um ihre Kinder zu buhlen setzen Florence und Vincent alles daran, um sie zu vergraulen: In seinem Spielfilmdebüt zettelt Martin Bourboulon einen auf erfrischende Weise politisch unkorrekten Sorgerechtskrieg an, in dem Vater und Mutter sich drei Wochen lang als völlig untaugliche, hartherzige Eltern präsentieren: »Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt«
Thomas Cailley erzählt in seinem bemerkenswerten Spielfilmdebüt eigentlich eine klassische Boy-Meets-Girl-Geschichte. Aber in den Zeiten des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergangs, den Frankreich gerade erlebt, ist auch die Liebe nicht mehr das, was sie einmal war. Und so überraschen Cailley und seine großartige Hauptdarstellerin Adèle Haenel einen ständig von neuem
»Der Bau«, eine bis dato noch nie verfilmte Erzählung von Franz Kafka, dient Regisseur Jochen Alexander Freydank als Steinbruch für eine allegorische Endzeiterzählung
Eine Gruppe von Teenagern in einem Vorort von Detroit wird von einem Fluch heimgesucht. Origineller Indie-Horrorfilm, der sich an Klassikern der Gattung orientiert, ihnen aber durch seine minimalistische und verhaltene Erzählweise eine neue Dimension hinzufügt
Grausames Kinderspiel, Doppelgänger-Motiv, eine Monster-Mutter, ein zeitgemäßes Geisterhaus und torture porn. Das Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala beschwören in »Ich seh, Ich seh« den gesamten Katalog des Horrorkinos. Und sie zitieren Ulrich Seidl, Michael Haneke, Jessica Hausner. Nach einem spannenden, der Ästhetik des Schön-Schrecklichen verhafteten Beginns endet der Film in einer ziemlich österreichischen Anatomie der Grausamkeit, die den Figuren und dem Zuschauer keinen Ausweg lässt
Mit seiner entspannten Komödie über hausgemachte Nöte New Yorker Intellektueller gelingt Noah Baumbach eine Mischung zwischen Stilübung und psychologischem Drama ohne Dramatik
Adaline (Blake Lively), die seit einem Unfall 1935 nicht mehr gealtert ist, lässt sich auf eine neue Liebe ein und begegnet dabei einer alten. »Für immer Adaline« ist eine märchenhafte Ausstattungsromanze zwischen Karma und Kunstgewerbe und ohne tiefere Bedeutung
Das Regiedebüt des Schauspielers Andrea Di Stefano erzählt von Pablo Escobar in Form eines Thrillers um einen naiven jungen Surfer, der in die Familie des brutalen Drogenbarons „gerät“. Trotz einiger Schwächen eine vor allem dank Benicio del Toro faszinierende Reflexion über Naivität und das Böse – und überaus spannend, insbesondere in der zweiten Hälfte
Kinoableger der erfolgreichen HBO-Serie über einen Hollywoodjungstar und seine Entourage, drei Jugendfreunde, die sich in seinem Ruhm sonnen und diesen für ihr eigenes berufliches Fortkommen, vor allem aber dazu benutzen, Frauen herumzukriegen. Aufgehängt an der Frage, ob Vinces neuer Film, eine 100-Millionen-Dollar-Produktion, bei der er auch für die Regie verantwortlich zeichnet, ein gigantischer Flop zu werden droht, fügt »Entourage« der Fernsehserie kaum etwas Neues hinzu, sondern bläht Bewährtes nur auf
Frédéric Cheng eröffnet vergnügliche und unterhaltsame Innenansichten des legendären Pariser Modehauses. Liebevoll und ohne Scheu vor Oberflächenreizen erzählt er von der nervenaufreibenden Entstehung der ersten Kollektion des neuen Chefdesigners Raf Simons
Ein Lehrer soll einen mutmaßlichen Mörder bis zur nächsten Polizeistation bringen und dort der Justiz übergeben. David Oelhoffen verwandelt Albert Camus' schroffe Erzählung "Der Gast" in einen klassischen Western. Vor grandiosen Landschaftspanoramen entwickelt sich eine komplexe Geschichte von Schuld und Sühne, Einsamkeit und Freundschaft, die sich den großen politischen und philosophischen Fragen des 20. und 21. Jahrhunderts stellt
Amy
Ein Film über die Ausnahmesängerin Amy Winehouse: Acht Jahre stand sie im Zentrum des Musikgeschäfts, verkaufte über 25 Millionen Schallplatten. Asif Kapadia sucht in seinem großartigen Dokumentarfilm nach dem Moment, an der sich alles gegen Amy wendete und sie dem Druck nicht mehr standhielt
Einmal mehr machen Dinos in einem Freizeitpark Jagd auf Menschen: Ein haarsträubendes Drehbuch, mäßige Effekte und eine uninspirierte Inszenierung machen »Jurassic World« zum bisherigen Tiefpunkt der Dino-Serie

Film

Amy