Kritik zu Assassin's Creed

© 20th Century Fox

Justin Kurzel adaptiert nach Shakespeares »Macbeth« nun ein populäres Computerspiel für die Leinwand – mit durchaus ähnlichen Ambitionen und wieder mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in Hauptrollen

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Verfilmungen von Computerspielen haben keinen guten Ruf, und dafür gibt es Gründe: Erfolgreich waren sie trotz beliebter Vorlagen selten, sonderlich gelungen eigentlich nie. Erst im vergangenen Sommer lieferte Duncan Jones dafür einen Beweis, der als fähiger Regisseur nicht verhindern konnte, dass »Warcraft« (zumindest außerhalb Chinas, wo der Film zum Kassenschlager wurde) bei Kritik und Publikum durchfiel. Keine allzu guten Vo­raussetzungen also für »Assassin's Creed«, die nächste Game-Adaption. Wieder so ein Titel, den selbst jene schon einmal gehört haben dürften, die das Spiel über die Tempelritter und die sie bekämpfenden Assassine nie selbst gespielt haben. Zu den Unbeleckten gehörte auch Michael Fassbender, der sich trotzdem vom Hersteller Ubisoft frühzeitig mit der Idee eines Kinoablegers anfixen ließ und die Verfilmung nun nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Produzent mitverantwortet. Regisseur Justin Kurzel und Kollegin Marion Cotillard holte er nach dem gemeinsamen »Macbeth« gleich mit an Bord.

Auf der Leinwand ist er nun, angelehnt an die Mythologie des Spiels, als zum Tode verurteilter Callum Lynch zu sehen, der sich nach seiner vermeintlichen Hinrichtung lebendig und in den Händen einer Forschungseinrichtung des Templerordens wiederfindet. Dort soll er im Rahmen des »Animus Projekts« mittels einer Hightechmaschine seine genetischen Erinnerungen wachrufen. Was bedeutet, dass er immer wieder vorübergehend Situationen nacherlebt, in denen sich zu Zeiten der spanischen Inquisition einst sein Vorfahr Aguilar de Nerha befand. Denn der bekämpfte damals gemeinsam mit anderen Assassinen die Templer – und dürfte als Einziger wissen, wo sich der Legenden umrankte Apfel aus dem Garten Eden befindet. Und genau auf den haben es die mysteriöse Dr. Rikkin (Cotillard) und ihr Vater (Jeremy Irons) natürlich abgesehen.

So viel Plot aus einem nicht gerade plotreichen Spiel zu entwickeln, ist ohne Frage eine beachtliche Leistung der drei beteiligten Drehbuchautoren. Auch ist es nicht ohne Reiz, wie Kurzel auch hier die Themen Trauma, Erinnerung und Gewalt auslotet, die schon seine Shakespeare-Adaption prägten, während er gleichzeitig feste Bestandteile der Vorlage (wie etwa den »Todessprung«) nicht außer Acht lässt.

Allzu weit führt das allerdings leider nicht. Versiert inszenierte, aber stets zu dunkel gefilmte und bisweilen ermüdend lange Actionsequenzen im 15. Jahrhundert wechseln sich in »Assassin's Creed« mit schwachbrüstigen Dialogen in der Gegenwart ab. Fassbender gibt sich als wortkarger Einzelgänger keine Blöße, doch so verschwenderisch hochkarätige Nebendarsteller wie Charlotte Rampling, Brendan Gleeson, Ariane Labed oder Michael K. Williams haben praktisch nichts zu tun oder warten zumindest auf den erkennbar angedachten nächsten Teil. Das ist in der Summe zwar weit entfernt von einem Debakel à la »Warcraft«. Aber unnötig langweilig ist leider auch diese Spiele-Adaption.

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