Netflix: »Nyad«

© Netflix

2023
Original-Titel: 
Nyad
Filmstart in Deutschland: 
19.10.2023
Heimkinostart: 
03.11.2023
L: 
121 Min
FSK: 
Ohne Angabe
Fluch der Karibik

Es sehe aus wie ein »solitary sport«, aber tatsächlich brauche man ein Team, beschreibt Diana Nyad (Annette Bening) das Marathon-Schwimmen. Der Satz ließe sich auch als Anweisung für ein Drehbuch verstehen über Nyads Projekt, die 177 Kilometer zwischen Kuba und Key West zu durchschwimmen. Statt den monotonen Sport ins Bild zu rücken, läge es nahe, sich aufs bunte Team zu konzentrieren, das ein solches Rekordunternehmen begleitet. Doch das Regieduo Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin widersteht der Versuchung. Sie haben sich in ihren Dokumentarfilmen »Free Solo« (über den Freeclimber Alex Honnold) und »The Rescue« (über die Rettung der in Thailand in einer Höhle verschollenen jugendlichen Fußballer) bereits damit beschäftigt, was Menschen unter außergewöhnlichen Bedingungen leisten können, ihr Interesse gilt klar der einsamen Schwimmerin im Zentrum. Sei es die Ärztin, die sich wegen der giftigen Quallen Sorgen macht, der junge Mann, der das Signalsystem zur Haiabschreckung beaufsichtigt, oder die Frau am Ruder, die dafür sorgt, dass das Boot trotz langsamer Geschwindigkeit neben der Schwimmerin auf Kurs bleibt – sie alle haben im Film wenig mehr als Statistenrollen.

Richtig zur Geltung kommen nur drei Figuren: der nautische Spezialist John Bartlett (Rhys Ifans), die beste Freundin Bonnie (Jodie Foster) und eben Nyad selbst, von Annette Bening in oscarwürdiger Uneitelkeit verkörpert. Darin liegt ein besonderer Reiz dieses Films: Er lässt spüren, wie viel Aushalten von Langeweile bei gleichzeitigem Sorgenstress ein solcher Schwimm-Marathon bedeutet. Und er porträtiert, wie wichtig für dieses Aushaltenkönnen eine bestimmte Art von sozialer Vernetzung ist. Man braucht Verbündete wie John Bartlett, der nach außen mürrisch und wortkarg auf Nyads Ansinnen reagiert, aber sich bald völlig mit dem Projekt identifiziert. Und man braucht Freundinnen wie Bonnie, die auch dann noch solidarisch sind, wenn das Vorhaben für andere an Starrund Wahnsinn zu grenzen beginnt. Und die aber in der Lage sind, abzupfeifen, wenn es ins Selbstschädigende geht.

Den faktischen Ablauf von Nyads Rekordschwimmunternehmung kann jeder auf Wikipedia nachlesen. »Nyad«, der Film, schildert nicht nur diesen, sondern macht vor allem die atmosphärischen Details drum herum sinnlich erfahrbar. Nyads Umgang mit dem eigenen, alternden Körper, der in langen Trainingsstunden konditioniert wird, ihr aufgeschwemmtes Gesicht, wenn sie nach Kilometern im Meerwasser den Kopf hebt, die logistischen Komplikationen der Schutzanzüge und des Trinkens und Essens während der 50+ Stunden, die sie unterwegs ist. Dann aber auch der Zauber der Karibik bei Nacht, wenn ein rot leuchtendes Seil ihr den Weg weist. Vor allem aber vermittelt »Nyad« im herausragenden Spiel zwischen Bening und Foster das Gefühl einer wunderbaren Freundschaft, die über alle Sentimentalitäten erhaben ist.

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