Film des Monats November »Human Flow«

© NFP

2017
Original-Titel: 
Human Flow
Filmstart in Deutschland: 
16.11.2017
R: 
Musik: 
V: 
L: 
140 Min
FSK: 
Ohne Angabe
Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

65 Millionen Menschen sind heute weltweit auf der Flucht – die größte Migrationsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Ursachen sind vielfältig: Krieg und Terror, Armut und Umweltkatastrophen. Der Dokumentarfilm des Künstlers Ai Weiwei, der in China als Dissident verfolgt wurde und heute in Berlin lebt, entwirft das ganz große Bild: der »Human Flow« – das sind Flüchtende im griechischen Idomeni und in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, in Bangladesch, Afghanistan, der Subsahara, im Gazastreifen und an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Über ein Jahr hat Ai Weiwei mit mehreren Teams die Zustände in den Camps und auf den beschwerlichen, oft tödlichen Reisen gefilmt. Und er zeigt auch die fürchterliche Effektivität, mit der die EU an ihren Außengrenzen das »Flüchtlingsproblem« entsorgt. Während der Libanon mit seinen vier Millionen Einwohnern eine Million Flüchtende beherbergt, drängt das reiche Deutschland über das Türkei-Abkommen eine weit geringere Zahl in die Rechtlosigkeit.

Um eine dezidiert politische Analyse ist es dem Film allerdings nicht zu tun. Auf den unwürdigen Streit über die Details des Asylrechts, das eine der großen Errungenschaften der Nachkriegsordnung war und seit Jahrzehnten ausgehöhlt wird, lässt Ai Weiwei sich nicht ein – er beharrt darauf, dass den Flüchtenden ausnahmslos geholfen werden muss. Das ist eine radikale Setzung, die sich in der Form spiegelt – sie wirkt eher »poetisch« als klassisch dokumentarisch. Nur gelegentlich kommen Helfer und Experten von Menschenrechtsorganisationen zu Wort. Meist schmiegt sich der Strom der Bilder dem »Flow« der Menschen an : Fast monumentale Luftansichten von Flüchtlingscamps und verstreuten Migranten wechseln mit bewegend intimen Szenen, die zeigen, wie wichtig die kleinen Dinge im Alltag der Flüchtenden sind – und wie persönlich ihr Verlust ist. So gelingt dem Film das Kunststück, die ungeheure Dimension der globalen Wanderungsbewegungen vorzuführen, ohne den Einzelnen und seine Not an die Statistik zu verraten.

Start am 16.11. 

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