Film des Monats April »Die andere Seite der Hoffnung«

© Pandora Film Verleih

2017
Original-Titel: 
Toivon tuolla puolen
Filmstart in Deutschland: 
30.03.2017
L: 
98 Min
FSK: 
6
Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Khaled kommt als »schwarzer Mann« im Hafen von Helsinki an, buchstäblich: In einem Frachtschiff hatte sich der junge Syrer unter einer Ladung Kohlen verborgen. Frisch geduscht begibt er sich zur Polizei und bittet um Asyl. Sein Fall scheint klar: Khaled hat im umkämpften Aleppo fast seine ganze Familie verloren, und auf der leidvollen Flucht über die Balkanroute wurde er auch noch von seiner Schwester getrennt. Aber Syrien ist als Bürgerkriegsland bei den Finnen nicht anerkannt – Khaled wird in die Illegalität gedrängt. Hilfe findet er ausgerechnet bei dem stoischen Herrn Wikström, der seine Frau verlassen und seinen Hemdenhandel aufgegeben hat, um mit einem Pokergewinn eine heruntergekommene Gaststätte auf Vordermann zu bringen. Obwohl Wikström seine eigenen Angestellten kaum bezahlen kann, gibt er Khaled einen Job und besorgt ihm einen falschen Pass.

Mit »Die andere Seite der Hoffnung« knüpft Aki Kaurismäki an seinen letzten Film »Le Havre« an, der ebenfalls um die Frage kreiste, wie die Menschen in Europa auf die Flüchtlinge aus den südlichen Krisengebieten reagieren. Neu ist, wie dezidiert Kaurismäki die Geschichte von Khaled ans aktuelle politische Geschehen anbindet – der Meister des Märchenhaften und Metaphorischen mischt hier Nachrichtenbilder vom zerstörten Aleppo in seine schön komponierten, farbsatten Tableaus und lässt seinen Protagonisten so ruhig und präzise aus seinem Leben erzählen, dass das Elend der Migration sehr real wird. Skurril und stilisiert erscheint dagegen das finnische Personal des Films, die Gesellschaft um den Kneipier Wikström. Aber auch diese Menschen haben ihre Sorgen und Nöte – sie leben in prekären Verhältnissen, und es fehlt ihnen an Erfahrung im Umgang mit anderen Kulturen. Indem Kaurismäki diese sehr unterschiedlichen Welten verbindet und überblendet, konterkariert er die Vorstellung vom Clash der Kulturen, von der Zuwanderung als Anschlag auf die westliche Lebensart. Und das »Märchenhafte«, die wundersame Selbstverständlichkeit, mit der dem Flüchtling hier geholfen wird, sagt: Humanität erweist sich in der Praxis.

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