Kritik zu Queer Exile Berlin

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2023
Original-Titel: 
Queer Exile Berlin
Filmstart in Deutschland: 
18.04.2024
L: 
105 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Jochen Hick porträtiert in seinem neuen Dokumentarfilm einmal mehr Berlin, diesmal nimmt er die seit der Jahrtausendwende neu Hinzugekommenen in den Blick

Bewertung: 4
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Berlin ist seit Jahrzehnten Sehnsuchtsort für immer neue Generationen, vor allem auch queere Menschen. Der schwule Filmemacher Jochen Hick, geboren 1960 in Darmstadt, ist selbst in den 1980ern dem Ruf der Mauerstadt gefolgt und hat unter anderem zwei Dokumentarfilme über die geteilte Stadt gedreht, »Out in Ost-Berlin« 2013 und »Mein wunderbares West-Berlin« 2017. Nun wirft er einen Blick auf die Gegenwart und damit auf Menschen, die seit den Nullerjahren hier Exil gefunden haben. Und die Berlin verändert haben und prägen. Wie Jean-Ulrick, der, in Haiti geboren und in New York aufgewachsen, Anfang 2000 hierherzog und als Künstler sein mehrfaches Anderssein in der deutschen Gesellschaft verarbeitet. Wenn er erzählt, wie er als Schwarzer mit selbst gemachter bayerischer Lederhose im Albinolook durch die Straßen lief und wie die Passanten auf seine Performance reagierten, wird deutlich, wie unverblümt und gewöhnlich Rassismus noch vor wenigen Jahren war. Der nonbinäre Haidar musste wegen seiner Sexualität aus Syrien fliehen und lebt seine Gendernonkonformität heute als Bauchtänzer und Performer aus. Mischa aus Russland ist armenischer Abstammung. Er berichtet, wie er lange mit seinem Körper und den Schönheitsidealen der Szene haderte. In einer großangelegten Performance hatte er ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann Sex und stieß dabei an psychische Grenzen.

Hick gelingt es immer wieder, wohlwollend Nähe und Vertrauen herzustellen, und gibt seinen Protagonist*innen Raum, sich zu öffnen. Dabei verbindet er deren Geschichten mit Ereignissen und Einschnitten im Berlin der letzten Jahre, von CSD-Demos gegen die homophobe Politik der polnischen Regierung bis zum Corona-Lockdown, der wenig vernetzte ­Neuankömmlinge oft besonders hart traf. So entstand ein vielfältiges, anregendes und immer wieder berührendes Gegenwartsporträt einer Stadt, die ihren permanenten Wandel auch dem Zuzug neuer Menschen und ihren Impulsen verdankt.

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