Kritik zu Greatest Showman

© 20th Century Fox

2017
Original-Titel: 
The Greatest Showman On Earth
Filmstart in Deutschland: 
04.01.2018
L: 
105 Min
FSK: 
6

Nach seinem Filmmusical »Die Schöne und das Biest« erweist Regisseur Bill Condon einem Pionier des Showbusiness und sehr amerikanischen Helden, P. T. Barnum, Hommage – zwischen Dichtung und Wahrheit und mit viel Popmusik

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Als Barnum versucht, Menschen mit körperlichen Abnormitäten wie einen Kleinwüchsigen und eine Frau mit Bart für sein Kuriositätenkabinett zu rekrutieren, fürchten diese, dass die Zuschauer doch nur über sie lachen würden. Barnum entgegnet: »Lachen werden sie sowieso – ist doch besser, Geld dafür zu bekommen.« Das Erkennen dieser klassischen Win-Win-Situation wird P. T. Barnum (1810–1891), dem Pionier des Schaustellergeschäfts, zwar vom Drehbuch in den Mund gelegt, könnte aber durchaus so geschehen sein. Und es ist ziemlich clever, wie in der Handlung die Selbstbehauptung von Menschen, die vor ihrem Coming-out in Barnums Manege als Ausgestoßene im Verborgenen dahinvegetierten, gesellschaftlich weitergedacht wird. Barnums Assistent Philipp etwa, aus bester New Yorker Gesellschaft stammend, traut sich schließlich, öffentlich seine Liebe zu einer schwarzen Trapezkünstlerin zu zeigen. Barnum, der keinen Unterschied zwischen den Rassen machte, wird zwar als ein etwas windiger Geschäftemacher, aber eben nebenbei auch als Vorreiter der Gleichberechtigung porträtiert. Und es ist historisch belegt, dass er vehement für die Abschaffung der Sklaverei eintrat.

Leider werden in diesem Musicalfilm viele interessante Aspekte seines langen Lebens in nur wenige Jahre Filmzeit (nimmt man das unveränderte Aussehen seiner kleinen Töchter als chronologische Messlatte) gepackt. Im Presseheft heißt es denn auch nur, dass der Film von Barnums Ambition und Fantasie inspiriert sei. Nach einem Kurzabriss seiner ärmlichen Kindheit und seiner Heirat mit einem Mädchen aus reichem Haus wird sein erster Coup, die Gründung des menschlichen Kuriositätenkabinetts, geschildert. Dank der »Freaks« feiert Barnums »Humbug«, so die verächtliche Bezeichnung eines Kritikers, die vom gewitzten Entertainer sofort als Werbeslogan verwendet wird, sensationellen Erfolg. In der Hoffnung, auch die Snobs für sich zu gewinnen, unternimmt er mit der europäischen Opernsängerin Jenny Lind eine umjubelte Tournee durch die USA. Doch nach einem Brand ist er bankrott, wird aber von seinen Künstlern zum Weitermachen überredet – und gründet einen Zeltzirkus. Auch dies ist historisch belegt, geschah aber erst Jahre später.

Was ist Dichtung, was Wahrheit? Konsequent wird Anrüchiges überzuckert; besonders die Familienszenen sind oft arg kitschig. Auch erschließt sich nie, warum Ereignisse aus dem 19. Jahrhundert mittels Popsongs der Gegenwart erzählt werden. Sogar Linds klassischer Gesang wird mit einer dicken Soße pathetischer Popmucke zugekleistert. Wer dagegen auf nostalgische Einblicke in Barnums legendäre Vorstellungen hofft, wird enttäuscht. Weder der schillernde Barnum und schon gar nicht seine Künstler, die meist als wilde Tanzgruppe auftreten, gewinnen spannende Konturen. Sie bleiben Staffage in einem bunten, lauten Showbiz-Märchen, das mit Musik und Schauwerten überwältigen will – und dabei gerade die von Barnum marktschreierisch beschworene Fantasie zumeist vermissen lässt.

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