Kritik zu BlackBerry

© Paramount Pictures

Zwischen Farce und Biopic rekapitu­liert Matt Johnson als Regisseur und Hauptdarsteller die Start-up-Geschich­te des ersten »Smartphones«, mit dem man Nachrichten verschicken konnte

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

BlackBerry? Man erinnert sich kaum noch, aber das war um die Jahrtausendwende das allererste Telefon, mit dem man nicht nur telefonieren, sondern kostenlos auch pagen und Kurznachrichten verschicken konnte. Versendet wurden sie nicht über Telefonleitungen, sondern über Datenautobahnen. 

In »BlackBerry« rekapituliert der kanadische Regisseur und Schauspieler Matt Johnson die Geschichte des kometenhaften Aufstiegs des schwarzen Telefons mit Tasten für jeden Buchstaben des Alphabets bis zu dem Moment, in dem es durch Steve Jobs' iPhone-Konkurrenz vom Markt gefegt wurde. Dabei fängt Matt Johnson (der neben Jay Baruchels Mike Lazaridis auch Doug, einen der beiden findigen Tüftler spielt) die lebendig flirrende Aufbruchstimmung ein, die man so ähnlich schon von anderen irrwitzigen Start-up-Geschichten kennt, aus Filmen wie »The Social Network«, »Steve Jobs« oder der Miniserie »We Crashed« über die Workspace Firma WeWork.

In »BlackBerry« wird man ganz unmittelbar mitten hineingeworfen, in das kreative Biotop, einen riesigen, chaotischen Bürospielplatz für Tech-Nerds, eine Kreuzung aus Bastelgarage, Kinderzimmer und Partykeller. Überall stehen Kisten mit Elektronikteilen, Computern, Spielkonsolen, dazu Tischtennisplatte, Tischfußball und Filmleinwand und Berge von Pizzakartons und Pappbechern. Im Kontrast zu den verspielt chaotischen Tüftlern und Idealisten kommen dann irgendwann die Big-Business-Manager ins Spiel. Während sich diese sympathisch verspielten, aber auch recht naiven Jungs gegen den Ramsch-Ausverkauf ihrer Idee an chinesische Billigfirmen wehren, werden sie vom Kapital auf den Boden der harten Geschäftswelt geholt. In gewisser Weise spiegelt sich darin auch das Verhältnis zwischen dem kanadischen »Independent Spirit«, in dem der Film entstanden ist, und dem Geschäftssinn der US-amerikanischen Filmindustrie.

Der Film basiert auf dem 2015 erschienenen preisgekrönten Sachbuch »Losing the Signal«, in dem zwei Journalisten die Geschichte des BlackBerry erzählen. Immer wieder hat sich Matt Johnson in seinen Filmen und Serien auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Spielfilm, Mockumentary und Found Footage bewegt. Auch hier vermittelt er immer wieder den Eindruck, die Ereignisse eher zu dokumentieren als zu inszenieren, mit verwackelten und körnigen Bildern, ruppigen Schnitten und sich überlappenden und überschlagenden Dialogen, die mit ihren verspielten Kabbeleien ein bisschen an die Stand-up-Comedians in den Filmen von Judd Apatow erinnern. 

Das ist frech und spritzig, gespickt mit Filmzitaten, unter anderem aus »Indiana Jones, Jäger des verlorenen Schatzes«, »Wall Street« und »Star Wars« und mit funkiger Millenniumsmusik, unter anderem von Ed Sheeran, RAYE und Ariana Grande. Genauso war es natürlich nicht, aber man gewinnt den Eindruck, genau so könnte es gewesen sein.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt