TNT Comedy: »The Mopes«

»The Mopes« (Miniserie, 2021). © 2021 Turner Broadcasting System Europe Limited - a WarnerMedia Company / UFA FICTION GmbH / Foto: Oliver Vaccaro

© 2021 Turner Broadcasting System Europe Limited - a WarnerMedia Company / UFA FICTION GmbH / Foto: Oliver Vaccaro

Depression, wie sie sein soll

Psychische Krankheiten gehören eigentlich nicht zum typischen Themenrepertoire einer Comedy. Dabei leiden laut Statistik etwa fünf Millionen Deutsche an einer Depression. Höchste Zeit also, dieses Sujet auch komisch auszuleuchten. Die sechsteilige Serie »The Mopes«, frei übersetzt: »Trübsal blasen«, spielt eine originelle Grundidee durch. Nora Tschirner, die öffentlich über ihre Depression sprach, schlüpft dazu in die Rolle einer gewissen Monika. Sie arbeitet in einer »Agentur für psychische Krankheiten«. Ihr Büroname »F 32.1-2011-01« ist eine Anspielung auf die »Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme«. »F 32.1« ist ein Diagnoseschlüssel, unter dem man eine »mittelgradige depressive Episode« findet. Diese Form von Schwermut, die Menschen daran hindert, »ihre alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen«, versucht Monika bei ihrem Klienten nicht etwa zu heilen. Nein. In Gestalt einer nur für ihn sichtbaren Halluzination verwickelt sie den jungen Singer-Songwriter Mat (Roel Dirven) in zermürbende Streitgespräche, die sein Selbstwertgefühl aushöhlen. Dabei zerbricht seine Beziehung, eine lähmende Schaffenskrise zieht ihn runter.

»The Mopes« ist die vierte fiktionale Eigenproduktion des Bezahlsenders TNT Comedy. Ipek und Christian Zübert, die als Gespann bereits für die herausragende Charakterstudie »Ein Atem« verantwortlich zeichnen, versuchen sich nun mit dem Comedy-Format. Dabei wird das intime Innere einer seelischen Erkrankung buchstäblich nach außen gestülpt. Während der leidgeprüfte Musiker mit seiner spitzzüngigen bösen Fee debattiert, wird die Palette depressiver Symptome durchdekliniert. Von der mangelnden Körperhygiene über Libidoverlust, Schlaflosigkeit, Selbstzweifel bis hin zur völligen Abkapselung.

Die Serie punktet vor allem durch die Bebilderung der retrofuturistischen Bürokratie der Krankheitsverwaltung. Das Ziel der Organisation: Seelische Störungen haben, bitteschön, so zu verlaufen, wie sie in der Klassifikation niedergeschrieben sind. Abweichungen sind nicht erwünscht. In diesem Sinn trägt das Heer der Mitarbeiter farblose Uniformen, man benutzt Rechenmaschinen mit Lochkarten und kommuniziert mittels Rohrpost: Eine Anspielung auf den Mainstream der gegenwärtigen Therapeutik, die seelisches Leiden eher verwaltet als heilt.

In diesem durchorganisierten System unterläuft Monika, nun ja, ein Behandlungsfehler. Sie kommt ihrem Klienten zu nahe und stellt ihre Mission auf den Kopf. Vom bösen Geist wandelt sie sich zur Muse des Musikers. Mat bekommt seine Stimmungsschwankungen in den Griff. Leider überzeugt diese Wendung nicht so ganz. Zu unscharf gezeichnet ist die Figur des depressiven Sängers, der in einer Berliner WG vor sich hin sumpft. Im Gegensatz zu Nora Tschirner wirkt der niederländische Darsteller Roel Dirven etwas ungelenk. Der Serie fehlt es zuweilen an Tempo. Dennoch ist »The Mopes« ein originelles Comedy-Experiment.

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