Was Amerika an sich selbst nicht mag

Ben Affleck hat nicht einfach durch seine Rollenwahl den Achterbahn-Effekt in seiner Karriere erzeugt, der in allen Berichten über ihn spukt. Auch das Publikum scheint ihn nie gänzlich adoptiert zu haben. Und die Zeit, in die Häme am stärksten ausgeprägt war, war die Film- und Lebenspartnerschaft mit Jennifer Lopez. »Bennifer« waren das Negativ eines Traumpaars wie »Brangelina«. Was war da geschehen? Nicht einmal Kevin Smith konnte mit Jersey Girl (2004) Affleck zu dieser Zeit retten. Er schien etwas zu verkörpern, das Amerika gerade nicht besonders an sich mochte. Vermutlich waren es diese Selbstbezogenheit und das schiefe Grinsen zwischen Verlegenheit und Ironie. Das Zögern. Der Slow Burn.
 
Seine Rehabilitierung gelang Ben Affleck vielleicht nicht zufällig mit einer kinematografischen Demontage-Arbeit. Er spielte in Die Hollywood-Verschwörung (Hollywoodland, 2006) den unglücklichen George Reeves, der als TV-Superman berühmt wurde und darunter litt, als Künstler ohne Anerkennung zu bleiben. Der Film gehört eigentlich Adrien Brody als traurigem Schnüffler, aber Ben Affleck ist in der Rolle eines Menschen, der an seinen eigenen Limitierungen zugrunde geht, so überzeugend, dass er als Schauspieler wieder ernst genommen wurde.

Vielleicht war es ein cleverer Schachzug Afflecks, in den kommenden Jahren lieber prägnante Nebenrollen zu spielen als sich dem Star-Status zu unterwerfen. Diese solide Basis ermöglichte es ihm, seine Regiearbeit zu forcieren. Die Entführungsgeschichte Gone Baby Gone (2007) mit Casey Affleck in der Hauptrolle, und der Gangster-Cop-Thriller The Town, in dem er auch wieder selbst spielte, etablierten Ben Affleck als kompetenten Filmemacher mit einem Gespür für Atmosphäre und Charaktere. Für eine besondere Form von Intimität. Von Hitze. Als Regisseur zeigt Affleck genau die Leidenschaft, die ihm als Schauspieler abgesprochen worden ist. Und während sein Typus auf der Leinwand immer so eine eigenartige Distanz zum Geschehen hat (auch in dafür eigentlich nicht geeigneten Situationen), ist der Regisseur Affleck einer, der genau hinsehen kann und sich nicht abwendet.
 
Der Regisseur, von dem man sagt, dass er von Film zu Film besser wird, und der Schauspieler, der gelernt hat, in seiner Rollenwahl vorsichtiger zu sein und der nun lieber einmal aus der zweiten Reihe heraus agiert – ist das ein Happy End für eine Hollywood-Karriere, die irgendwie auch eine Geschichte der Versöhnung zwischen der Generation X und Amerika zu erzählen hat? Wer weiß.
 
Ben Affleck, das war eines von den Kids, die in eine Welt hineingeboren wurden, die sie eigentlich nicht gebrauchen konnte. Der lange suchen musste, um einen Platz in ihr zu finden. Jetzt erzählt er davon. Am Rande des Verschwindens in Argo, am Rande der Nacktheit wie in The Town. Die große amerikanische Erzählung. Von den verstoßenen Söhnen, die immer wieder zurückkehren. Wie Batman: in der Nacht.

 

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt