Kritik zu Kings of Hollywood

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Im Remake von Harry Hurwitz »The Comeback Trail« von 1982 dürfen erneut alte Stars wie Robert De Niro und Tommy Lee Jones alte Stars spielen und dabei sichtlich viel Spaß haben

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»Die Geschmacklosigkeit dieses Streifens wird nur noch von seiner armseligen, unbeholfenen Umsetzung übertroffen. Tatsächlich ist das einzig Gute an diesem Film, dass er nach 90 Minuten vorbei ist.« So urteilen die Kritiker über »Killer-Nonnen«, das jüngste Werk aus dem Hause Miracle Motion Pictures. »Was willst du«, führt Produzent Max Barker (Robert De Niro) an, »sie loben das Ende!« 

Die besten Geschichten Hollywoods sind die, die die Traumfabrik über sich selbst erzählt. Und wenn dem Film dann noch ein anderer Film zugrunde liegt, die Satire »The Comeback Trail« aus dem Jahr 1982, erst recht. George Gallo geht mit »Kings of Hollywood« in diese Zeit zurück, in der Video erstmals als Konkurrent zum Film auftrat und plötzlich unglaublich viel Material vorhanden war, so dass man Szene um Szene wiederholen konnte. Doch bevor sich die Filmindustrie tatsächlich demokratisiert, dreht Max Barker noch ein Ding, getarnt als Westerninszenierung unter dem unmöglichen Titel »Der älteste Colt im Westen«. Und zwar auf gutem altem Zelluloid. Für schräge Titel und erfolglose Filme ist der Produzent bekannt. Stammen doch Filme wie »Kühe aus dem Jenseits« oder »Bigfoot war mein Liebhaber« aus seinem Haus. Für seinen neuesten Coup holt er den selbstmordgefährdeten Altstar Duke Montana (Tommy Lee Jones) aus dem Altersheim, nicht, um ihn einem Comeback zuzuführen, sondern um ihn am Set umzubringen und die Versicherungssumme zu kassieren. Aber, so ist das im satirischen Hollywood, wenn man gar keinen Film machen will, gelingt einem ein Meisterwerk. Am Schluss sehen wir alle Protagonisten bei der Oscarverleihung wieder.

Robert De Niro hatte immer mal wieder ein Faible für schwache Drehbücher. Mit Schrecken erinnert man sich an »Immer Ärger mit Grandpa«. Auch Tommy Lee Jones und Morgan Freemann, der hier einen cineastischen Mafiaboss spielt, haben mit »Das ist erst der Anfang« kein gutes Händchen bei der Rollenwahl bewiesen. Jetzt haben sie die Chance, das alles als unerkannte Ironie zu offenbaren. Bis in den Abspann hinein fragt man sich, ob irgendetwas ernst gemeint ist in diesem Film. Das fängt bei dem grauen Walross-Schnurrbart von Robert De Niro an, geht über die Regisseurin des fiktiven Films, Megan Albert, die wie Daniela Katzenberger aussieht und von Kate Katzman gespielt wird, bis hin zu der Reihe der Produzenten am Schluss, die die Zahl der Darsteller nur deshalb nicht übersteigt, weil auch der letzte Komparse noch aufgenommen wurde. Aber wer jetzt denkt, »Kings of Hollywood« sei ein peinlicher, knallkomischer Film über das Filmemachen, der irrt. Tatsächlich ist das Anspielungsniveau treffsicher und sind die Pointen nie übertrieben oder schematisch. Auch der sonst so beliebte Fäkalhumor bleibt hier aus. Gallo setzt sich mit dem auseinander, was Film einmal war. Ein Ort, an dem alte Stars alte Stars spielen konnten und dabei ungeheuer viel Spaß hatten. Und wenn am Schluss noch ein kurzer Ausschnitt aus »Killer-Nonnen« gezeigt wird, einem echten Exploitation-Movie, möchte man noch etwas mehr.

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