Kritik zu Dieses bescheuerte Herz

© Constantin Film

2017
Original-Titel: 
Dieses bescheuerte Herz
Filmstart in Deutschland: 
21.12.2017
Musik: 
FSK: 
Ohne Angabe

Nach einer wahren Geschichte: Elyas M'Barek in einer ungewohnt ernsten Rolle als »großer Bruder« eines schwer herzkranken Jungen

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In den ersten Minuten von Marc Rothemunds »Dieses bescheuerte Herz« möchte man das Kino gleich wieder verlassen: Man sieht da einen launigen Münchner Szenetypen (Elyas M'Barek) namens Lenny, der es in der Nobeldisco ordentlich krachen lässt und seinen Sportwagen im Pool der elterlichen Villa versenkt – und weil man diese zur Schau gestellte Beschränktheit offenbar lässig und lustig finden soll, wähnt man sich schon in den Untiefen der internationalen Komödienklischees, nur eben auf deutsch.

Es kommt dann aber – erst mal – überraschend anders. Aus der Klamotte über einen verwöhnten Endzwanziger entwickelt sich sehr schnell eine (relativ) ernst erzählte Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft. Lenny wird nämlich von seinem Vater (Uwe Preuss) vor die Tür gesetzt und dazu verdonnert, sich um den 15-jährigen David (Newcomer Philip Noah Schwarz) zu kümmern. Der Teenager ist schwer herzkrank und hat keine allzu hohe Lebenserwartung. Lennys Vater hofft, dass sein nichtsnutziger Sohn durch diese Erfahrung endlich zur Besinnung kommt.

Das klingt nicht sonderlich originell, sondern eher nach einer Mischung aus »Ziemlich beste Freunde« und Marco Petrys unterschätztem »Heiter bis wolkig«. Tatsächlich basiert »Dieses bescheuerte Herz« auf einem Roman, dem wiederum die reale Freundschaft zwischen dem herzkranken Teenager Daniel Meyer und dem Autor Lars Amend zugrunde liegt. Trotzdem wird alles sehr kinokonfektionsgerecht aufbereitet: Nach anfänglichem Desinteresse entwickelt Lenny sehr schnell brüderliche Gefühle für den lebenshungrigen David. Der Junge hat eine Liste mit Dingen, die er noch erleben oder tun will, und Lenny gibt sich alle Mühe, ihm jeden einzelnen Wunsch zu erfüllen: vom ersten Kuss bis zur Fahrt im Sportwagen.

Damit ist auch schon das große Handicap des Film angedeutet, denn das Drehbuch von Maggie Peren und Andi Rogenhagen verschiebt die Gewichtung von den Sorgen und Hoffnungen des kranken David auf die guten Taten und die charakterliche Läuterung des smarten Frauentyps Lenny. Dazu gehören auch die obligatorischen Selbstzweifel und die ebenso obligatorische Versöhnlichkeit zum Schluss. Das ist nett anzusehen, macht die Geschichte aber wesentlich konventioneller, als sie sein müsste. Der »reale« Hintergrund kann daran nichts ändern, zumal Lenny nur wenig mit dem Vorbild Lars gemein zu haben scheint. Der steckte nach eigener Aussage nämlich in einer Depression, als er Kontakt zu Daniel aufnahm – wie viel komplexer hätte der Film mit dieser Ausgangssituation sein können. So wundert es nicht, dass speziell Lenny trotz Rothemunds angenehm nüchterner Inszenierung und M'Bareks gewinnender Verkörperung nie wie ein wahrhaftiger Charakter wirkt, sondern stets eine »Filmfigur« bleibt. Marc Rothemund hat schon oft und sehr gekonnt Filme nach realen Geschehnissen inszeniert. Aber an die Wucht von »Die Hoffnung stirbt zuletzt« und die emotionale Vielschichtigkeit von »Heute bin ich blond« reicht seine neue Arbeit bei weitem nicht heran.

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