Sky: »The White Lotus«

»The White Lotus« (Staffel 2, 2022). © HBO

»The White Lotus« (Staffel 2, 2022). © HBO

Die schönste Zeit

Geschichten fortzusetzen, die eigentlich als in sich geschlossen geplant waren, ist eine riskante Angelegenheit. Mike Whites »The White Lotus« war als einmaliger Sechsteiler ein Riesenerfolg der Pandemie. Die Transition zur Anthologie-Serie nun mit Staffel 2 kann da auf Anhieb nicht ganz so überzeugen.

Der Grundgedanke wirkt zunächst bezwingend: Das hawaiianische Luxusresort aus der ersten Staffel ist nur eines von mehreren, rund um den Globus verteilten Etablissements aus dem Hause »The White Lotus«. Dieses Mal geht es nun nach Sizilien, wo abermals wohlhabende, fast ausschließlich weiße Touristen aus den USA und Großbritannien ihre Alltagssorgen zu vergessen versuchen. Meist natürlich ohne allzu viel Erfolg.

Auch diese Staffel beginnt wieder mit der Erkenntnis, dass nicht jeder diese Urlaubswoche überleben wird, bevor die Handlung dann sieben Tage zur Ankunft der Gäste zurückspringt. Ethan (Will Sharpe) und Ehefrau Harper (Aubrey Plaza) haben sich noch nicht ganz an ihren durch den Verkauf seines Start-ups erlangten Reichtum gewöhnt, was allerdings nur ein Grund für ihre Anspannung ist, zumal im Umgang mit seinem aus reichem Hause stammenden College-Kumpel Cameron (Theo James) und Gattin Daphne (Meghann Fahy). Konfliktpotenzial haben auch die drei Generationen Di-Grasso-Männer im Gepäck, die ihren sizilianischen Wurzeln nachspüren: Großvater Bert (F. Murray Abraham), Typ: senil werdender Chauvi, Sohn Dominic (Michael Imperioli), der jüngst seine Ehe ruiniert hat, und Enkel Albie (Adam DiMarco), dem das Stanford-Studium gelehrt hat, dass es gewisse Männlichkeitsstrukturen heute zu hinterfragen gilt.

Auch Tanya McQuoid (Jennifer Coolidge) ist wieder unter den Gästen, mitsamt Nun- und Noch-Ehemann Greg (Jon Gries) sowie Assistentin Portia (Haley Lu Richardson); sie fügt dem Plot allerdings zunächst wenig Nennenswertes hinzu und erinnert deswegen vor allem permanent daran, dass die Qualitäten der ersten Staffel hier nie ganz erreicht werden. Wo es damals vor allem um Rassismus und Klassenunterschiede ging, liegt der thematische Schwerpunkt dieses Mal eher auf Sex und den Fallstricken von Paarbeziehungen. Auch deswegen spielt das Personal (abgesehen von Sabrina Impacciatore als Hotelmanagerin Valentina, deren unhöfliche Ehrlichkeit nicht nur eine Frage der Englischkenntnisse ist) kaum eine Rolle, während sich stattdessen die Gelegenheitssexarbeiterinnen Lucia (Simona Tabasco) und Mia (Beatrice Grannò) unter die Gäste mischen.

White, wieder alleiniger Autor und Regisseur, tappt dabei in einige Klischeefallen, derweil seine Satire ein wenig an Biss verloren hat. Auch die räumlichen Freiheiten, die der Wegfall von Covid-Restriktionen mitbringt (Staffel 1 durfte ausschließlich innerhalb des Resorts gedreht werden), erweisen sich weniger erzählerisch als visuell als Segen. Zu viel sollte man auf diesem hohen Niveau allerdings auch nicht jammern. Kurzweilige und manchmal auch hintersinnige Unterhaltung, dargeboten von einem tollen Ensemble, bietet »The White Lotus« auch dieses Mal.

OmU-Trailer

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