Serien-Tipp: »Lovesick«

»Lovesick« Staffel 3 (2017). © Netflix

»Lovesick« Staffel 3 (2017). © Netflix

Jede Episode eine Ex

»Lovesick« hatte bei seiner Entstehung für den britischen Channel 4 einen zwar falschtönenden Titel (Scrotal Recall), aber auch einen ausgefeilten Erzählplan. Es beginnt mit einem jungen Mann, der nach einer Chlamydien-Diagnose den Auftrag erhält, seine Geschlechtspartnerinnen zu benachrichtigen. »Alle?«, fragt Dylan (Johnny Flynn) entsetzt. »Nein, nur die, die Sie mögen«, hält die Ärztin ihm mit britischem Sarkasmus entgegen. Nach dem Erstellen der Liste berät Dylan sich mit Freund Luke (Daniel Ings) über die Reihenfolge des »Abarbeitens «. Er entscheidet sich für alphabetisch, um nicht die chronologisch erste, eine Frau namens Tasha kontaktieren zu müssen. Der Name Tasha bringt auch Freund Luke zum Schütteln. Was es damit auf sich hat, erfährt man allerdings erst 20 Episoden später, am Ende der Ende Dezember gestarteten dritten Staffel.

Jede Episode eine Ex? Das klingt nach einem schnell ausleiernden Muster. Aber Dylans Liste bildet nur den Vorwand, um in unregelmäßigen Zeitsprüngen – »drei Jahre zuvor«, »vor fünf Monaten« – aus dem Leben dreier Freunde zu erzählen: Dylan, Luke und Evie (Antonia Thomas), die sich aus Uni-Zeiten kennen.

Evie und Dylan verbindet eine jener »will they – won't they«-Beziehung, wie man sie aus »Friends« kennt; das Erzählen in Zeitsprüngen hat »How I Met Your Mother« vorgemacht. Aber schon die schottische Stadtkulisse lässt alles in neuem Licht erscheinen, hinzu kommt der eigensinnige britische Humor. Anders als noch in »How I Met Your Mother« sind die Zeitsprünge weniger Gimmick als tatsächliche Charaktervertiefung. Wobei ausgerechnet Luke, den man als oberflächlichen Schürzenjäger abgeschrieben hat, zu einer interessanten, zwiespältigen Figur mit überraschender Einsichten ins eigene Zwangsverhalten wird.

OV-Trailer

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