Nachruf: Hans Helmut Prinzler

23.09.1938 – 18.06.2023
Hans Helmut Prinzler. Foto: Helga Paris/hhprinzler.de

Hans Helmut Prinzler. Foto: Helga Paris/hhprinzler.de

Mit Hans Helmut Prinzler starb am Sonntag einer der wichtigsten deutschen Filmhistoriker, der langjährige Leiter der Berlinale-Retrospektive, der Stiftung Deutsche Kinemathek und des Filmmuseums Berlin am Potsdamer Platz, das ihm wichtige Ankäufe wie den der Marlene-Dietrich-Collection verdankt, für die Werner Sudendorf zuständig ist. Bis zuletzt, lange nach seinem Ruhestand, schrieb der gebürtiger Berliner eine Website über Filmbücher. Die letzte erschien nur Tage vor seinem Tod, sie enthielt eine Würdigung eines Katalogs über Volker Schlöndorff, der zu den deutschen Filmemachern gehörte, deren Arbeit er lebenslang unterstützt hatte.

Die Filmliteratur habe ihn »durch fast mein ganzes Leben begleitet«, schrieb Hans Helmut Prinzler einmal. Das Schreiben und Nachdenken über den Film förderte er als Leiter der Berlinale-Retrospektive, die er nachhaltig prägte. Vor ihm war dieser Zweig des Festivals nur von jeweils schmalen Broschüren begleitet worden. Als er 1979 deren Leitung übernahm, gewannen die Retrospektive-Publikationen inhaltlich und in ihrer Aufmachung an Format. In den nunmehr umfangreichen Katalogen ermöglichte er auch jungen Wissenschaftlern und Journalisten eingehende filmhistorische Erforschungen zu den Werken von Wegweisern wie Erich von Stroheim, Otto Preminger und Fritz Lang. Dazu kam die Hommage-Serie, die Stars wie Kim Novak, Robert De Niro und Catherine Deneuve feierte und ebenfalls von Büchern und Filmreihen begleitet wurden. 

Seine wichtigste Publikation über einen Regisseur war das Buch über Ernst Lubitsch  zur Retrospektive 1984. Prinzlers Großwerk, die »Chronik des Deutschen Films« gibt einen kalendarischen Aufriss zur Filmgeschichte von 1895 bis 1994, vom Kaiserreich bis hin zum Film in der Bundesrepublik und in der DDR, ein Kompendium, das vor ihm in seiner Art noch niemand in Angriff genommen hatte. Er mochte die Klarheit und Genauigkeit von Chroniken. Sie passten zu ihm. Die Filme, zu denen er sich besonders hingezogen fühlte, besaßen eine ähnliche Qualität: Fred Zinnemanns schnörkellose, zur einfachen Eleganz strebende Bildsprache, die an den Dokumentarfilm erinnerte und Ozus asketische Erzählweise, die dem Leben in kleinen Gesten nachspürte und die das große Drama nicht auf dem Höhepunkt, sondern im Nachbeben seiner Wirkungen zeigten. Auch John Ford, neben Ozu ein weiterer Lieblingsregisseur, war ein Meister des Weglassens. Hans Helmut Prinzlers Stil, im Schreiben, wie im persönlichen Auftreten, kennzeichneten niemals auftrumpfende Sachkenntnis und Autorität, sondern Behutsamkeit, Besonnenheit und Klarheit. Unmöglich ist es auch, an ihn zu denken, ohne sich an seinen leisen Humor zu erinnern.

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