Kritik zu Super-Hypochonder

© Prokino

2014
Original-Titel: 
Supercondriaque
Filmstart in Deutschland: 
10.04.2014
R: 
B: 
V: 
L: 
107 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Bitte desinfizieren: Als eingebildeter Kranker bietet Dany Boon wenig Auffälliges – mal abgesehen von dem überraschend haarsträubenden Plot

Bewertung: 2
Leserbewertung
1.333335
1.3 (Stimmen: 3)

Wie zeigt man in einer Liebeskomödie, dass ein Paar füreinander bestimmt ist? Man lässt es mal so richtig lachen. Zum Beispiel so: Romain (Dany Boon), ein wahrhaft erbärmliches Exemplar der Spezies eingebildeter Kranker, schlüpft in die Rolle eines legendären Widerstandskämpfers und unterhält ein Kaffeekränzchen schwer beeindruckter Frauen mit seiner Lebensgeschichte. Als eine Nachzüglerin samt Schoßhündchen auftaucht, bricht die Macho-Attitüde zusammen. Panisch nimmt Romain Reißaus vor dem winzigen Vierbeiner – eine Hundephobie hat er nämlich auch noch. Aber Anna (Alice Pol) kommen keine Zweifel an seiner Identität. So eine kleine Schwäche, findet sie, macht den Mann doch erst zum Mann. Und dann lachen beide: herzlich, schallend, ohne Ende.

Die Szene steht stellvertretend für den ganzen Irrwitz des Films, für das absurde Ineinander von grotesker Situationskomik, übertriebener Albernheit und kruder Räuberpistole. Dany Boon, hier als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller praktisch in der Alleinverantwortung, erweist sich mit dem Super-Hypochonder mehr denn je als Komiker der lauten Töne. Er grimassiert, was das Zeug hält, schustert eine bescheuerte Story zusammen, schreckt vor keinem noch so boulevardesken Klischee zurück – und schafft es irgendwie trotzdem, sympathisch daherzukommen.

Vor das Abenteuer stellt Boon das Psychogramm eines Hypochonders, wie ihn das Kino selten gesehen hat. Romain sehnt sich zwar nach Liebe, meidet aber jedweden physischen Kontakt, erliegt einer Pseudo-Attacke nach der anderen und badet praktisch im Desinfektionsmittel. Wo andere Bücher im Regal stehen haben, verwahrt er eine Hausapotheke. Sein bester, weil einziger Freund ist, logisch, sein Arzt Dimitri (Kad Merad), wobei das mit der Freundschaft nach 18 Jahren wehleidiger Patientendramatik eine eher einseitige Angelegenheit ist. Als Romain dann endlich beschließt, etwas gegen seine gesammelten Neurosen zu unternehmen und gemeinsam mit Dimitri Flüchtlinge aus der fiktiven Unruherepublik Tscherkistan ehrenamtlich zu unterstützen (ein höchst unerwartetes Drehbuchmanöver), wird er prompt für den flüchtigen Rebellen Anton Miroslav (Jean-Yves Berteloot) gehalten und in eine zunehmend wirre Verwechslungskomödie katapultiert, deren Beliebigkeit nur durch ihre bizarren, am Ende gar blutigen Kapriolen getoppt wird.

Super-Hypochonder hätte eine Art Neuauflage von Pierre Richards 70er-Jahre- Späßen sein können, doch Boon, der seit Jahren erfolglos an die Sch’tis anzuknüpfen versucht, hat weder Zeit für Charme noch für Exzentrik. Er geht vermeintlich auf Nummer sicher, wenn er von Anfang an ein enormes Tempo vorlegt, dann aber doch nur vertraute Gags und Muster abspult. So scheitert er gleich doppelt: Sein Entwurf ist zu großspurig und geht übers Ziel hinaus, und im Detail ist er viel zu bieder und konservativ, um wirklich komisch zu sein.

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