Kritik zu Jeder siebte Mensch

© Neue Visionen Filmverleih

2006
Original-Titel: 
Jeder siebte Mensch
Filmstart in Deutschland: 
31.07.2008
L: 
73 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Auf 6.712.080.198 Menschen wird die derzeitige Weltbevölkerung geschätzt. Jeder siebte davon, heißt es, lebe in einem chinesischen Dorf. Dokumentation zu einem Forschungsprojekt in China

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Zwei Drittel der Bevölkerung Chinas sind immer noch Bäuerinnen und Bauern, auch wenn industrielle Landnahme, materielle Not oder der Wunsch nach Verbesserung der Lebensbedingungen immer mehr von ihnen in die Städte und Sonderwirtschaftszonen treibt. Nach Jahrzehnten massiver Vernachlässigung hat mittlerweile auch die chinesische Staatsführung die Bedeutung der ländlichen Entwicklung für die Zukunft des Landes erkannt. Von 2002 bis 2005 hat ein europäisch-chinesisches Forschungsprojekt zur ländlichen Nachhaltigkeit sieben chinesische Dörfer sozialwissenschaftlich untersucht. Dabei waren Elke Groen und Ina Ivanceanu, die für ein begleitendes Filmprojekt einige der Dorfbewohner selbst kurze Videosequenzen über ihr Leben drehen ließen. Sechs davon sind jetzt auch in der Dokumentation der beiden Österreicherinnen enthalten, wo sie mit Interviews und visuellen Impressionen aus den Dörfern montiert wurden.

Beizusha ist eine sozialistische Modellkommune. Im Büro des Dorfvorsitzenden prangen Urkunden als »Dorf des kleinen Wohlstands« und auch die Familien werden durch Punkte für Hygiene und »frischen Wind« zum Wettbewerb angespornt. Dennoch ist für eine befragte Bauernfamilie das bequemere Leben in der Stadt für die Kinder das höchste Ziel. Die Vorsitzende des örtlichen Frauenkomitees hat ganz FDJ-mäßig einen Clip mit dem Titel »Tanzen und Singen für den Frieden« beigesteuert.

Das 500-Einwohner-Dorf San Yuan liegt in Yünnan und wird von der Minderheit der Naxi bewohnt. Die Arbeit ist hart und wird mit der Hand erledigt, doch die Familien helfen sich untereinander. Jetzt will ein Investor (im Einverständnis mit der Dorfgemeinschaft und unter strenger Berücksichtigung des Umweltschutzes, wie der Dorfvorsitzende versichert) einen touristischen Wildpark einrichten.

Jiangjiazhai liegt in Zentralchina und ist Teil eines geförderten Entwicklungsraums. Hier sind die Häuser der Neureichen mit Kacheln und Ziergittern ausgestattet. Woher dieser Wohlstand kommt, erzählt Pang Fang Nings Minifilm »Häusliches Glück«, in dem die Großmütter die Enkel ihrer Schwiegertöchter hüten, die in fernen Städten das Geld für die Familien verdienen. In einem anderen 47-Sekunden-Clip erklärt ein leer ausgegangener Bauer, dass die Förderdarlehen zum Milchvieherwerb nur an die gegangen seien, die sowieso schon Geld und Beziehungen auf ihrer Seite hatten.

Überraschend ist das nicht. Nachgefragt wird hier und anderswo nie, vielleicht auch wegen mangelnder Zeit und Chinesischkenntnissen der angereisten Filmemacherinnen. Und auch die urdokumentarische Methode, einen Sachverhalt zur Erhellung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, wird nie genutzt. So bleibt der Film mehr oder weniger tautologisch: impressionistische Bestandsaufnahme, bei der auch die eingesprengten Filmschnipsel eher dekoratives Beiwerk sind, viel zu kurz, um eigenständig Substanz zu gewinnen.

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