Kritik zu Barakah Meets Barakah

Trailer OmeU © TIFF

2016
Original-Titel: 
Barakah Yoqabil Barakah
Filmstart in Deutschland: 
09.03.2017
L: 
88 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Erst der zweite saudiarabische Film nach »Wadjda« (2012), der in unsere Kinos findet. Eine »romantische Komödie«, in der zwei Liebende nicht zueinander finden können, weil es keinen öffentlichen Raum für sie gibt

Bewertung: 4
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Bibi (Fatima AlBanawi) ist ein »It-Girl« mit Instagram-Account, Tausenden von Followern und einer Vorliebe für fair gehandelte Kaffeebohnen. Sie wird umworben von Vertretern, die möchten, dass sie in ihren Selfies ihre Marken anpreist. Barakah (Hisham Fageeh) dagegen hat es im Leben noch nicht besonders weit gebracht. Er lebt in dem einfachen Viertel, in dem er aufgewachsen ist, mit lauten Nachbarn, die ihn nerven und die sich ungefragt in sein Leben einmischen. Seinem Beruf als Ordnungshelfer geht er eher lustlos nach; unter seiner »Uniform« verbirgt er einen Schopf von langen, geradezu hippiesken Locken. In jedem westlichen Land wären sie das Traumpaar einer »romantic comedy« – eine verwöhnte reiche Erbin und ein ungelenker Träumer, die übereinander stolpern und sich bald perfekt ergänzen. »Barakah Meets Barakah« aber spielt in Saudi-Arabien, und dort machen die strengen gesellschaftlich-religiösen Regeln es geradezu unmöglich, dass die beiden sich überhaupt kennenlernen, geschweige denn wirklich näherkommen.

Damit ist die Handlung dieses kleinen Films, erst der zweite Spielfilm aus Saudi-Arabien, der nach »Wadjda« von 2012 überhaupt in unsere Kinos findet, auch schon beschrieben: »Barakah Meets Barakah« erzählt von dem, was alles nicht möglich ist im Land der Geschlechtersegregation: Es gibt keine Kinos und keine Theater, nur wenige Restaurants haben »Familienzonen«, in der Öffentlichkeit wird jeder allzu enge Kontakt zwischen unverheirateten Männern und Frauen geahndet. In der Laientheatertruppe, in der Barakah mitmacht, müssen Männer auch die Frauenrollen übernehmen. Er selbst übt deshalb gegenwärtig die Rolle der Ophelia in »Hamlet«. Bibi zeigt in ihren Selfies niemals ihr Gesicht. »Wenn Sie Pixel sehen im folgenden Film«, so verkündet eine Schrifttafel zu Beginn, »ist das normal. Es ist kein Kommentar zur Zensur. Wir wiederholen: Es ist kein Kommentar zur Zensur«. Sehr viel Verpixeltes findet man im Film übrigens nicht, hier ein Glas Alkohol, dort ein Bauchnabel – Zensur sieht doch eigentlich anders aus.

Mahmoud Sabbagh, der in New York Dokumentarfilm und Journalismus studiert hat, mixt in seinem Spielfilmdebüt absichtsvoll das Konventionelle mit dem Launigen. Nach außen hin ist sein Film so brav wie das Auftreten seiner beiden Hauptfiguren, die trotz all ihrer Schrägheiten nie über die Stränge schlagen und sich den Regeln letztlich beugen. Aber es sind die kleinen Fluchten und Ausbrüche, die hintersinnige Ironie, das Spiel mit dem Absurden, die dem Film seinen beträchtlichen Charme verleihen und die Konventionen gegen den Strich bürsten. Als Ophelia erlebt Barakah einen Reinfall, aber Bibi gelingt einmal mit Schnurrbart der erfolgreiche Ausbruch bis hinters Steuer eines flotten Sportwagens.

An zwei Stellen wird Sabbagh dann doch deutlich: Er lässt Barakah alte Fotos betrachten, die das Land in den 50er und 60er Jahren zeigen. Was waren das für Zeiten, als Männer und Frauen noch zusammen ins Theater gehen konnten!

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