RTL+: »Dark Winds«

»Dark Winds« (Staffel 1, 2022). © RTL / Michael Moriatis / AMC

© RTL / Michael Moriatis / AMC

Wo John Wayne nicht beliebt ist

Der bullige, verschwitzte Kerl wurde ertappt, als er Kultgegenstände der Navajo plünderte. Reservatssheriff Joe Leaphorn (Zahn McClarnon) zwingt ihn, die Artefakte wieder zu vergraben. Und warnt: Beim nächsten Mal werde der Strolch ein größeres Loch buddeln müssen… Die Ausbeutung der Kultur US-amerikanischer Urvölker ist durchgängig Thema im Sechsteiler »Dark Winds«, zumeist in Form kleiner, stets präziser Randnotizen. Auf dem Motel-Fernseher feuert John Wayne in Schwarz-weiß auf krakeelende »Rothäute«, ein folkloristisch erscheinender Steinkrug trägt den Aufkleber »Made in Taiwan«.

1971. Ein sensationeller Coup erschüttert Gallup in New Mexico. Ein Geldtransporter wurde von einem Hubschrauber gestoppt, von einem Handlanger in die Luft gejagt, die Besatzung erschossen. Das FBI möchte den Fall schnellstens klären. Joe Leaphorn, Chef der Navajo-Polizeistation, kümmert sich indes lieber um den Doppelmord an zwei Landsleuten. Er bekommt noch mehr zu tun. Es besteht der Verdacht, dass das Grundwasser vergiftet wurde. Unterstützt wird er von der Polizistin Bernadette Manuelito (Jessica Matten), und ein neuer Deputy tritt an, den er bald als Gewährsmann der dubiosen FBI-Leute entlarvt. Und für eigene Ziele einzuspannen weiß.

Es wird handfeste Polizeiarbeit auf dem Stand des Jahres 1971 betrieben. Es gilt aber auch, das weiß Bernadette Manuelito aus leidiger Erfahrung, sich gegen okkulte Mächte zu wappnen.

Die natürlichen Kulissen des Geschehens sind bekannt, aus Westernfilmen, aus Serien wie »Westworld«, »Breaking Bad«. Doch nicht allein die landschaftlichen Reize locken die Filmschaffenden in die Wüste. New Mexico bietet ein attraktives Steuermodell, um die Medienproduktion des Bundesstaates anzukurbeln. Davon profitiert auch das lokale Camel Rock Studio. Es gehört den Tesuque und ist damit laut US-Berichten die erste Herstellungsfirma in Besitz eines der Ureinwohnerstämme.

»Dark Winds«, von Camel Rock für den Abokanal AMC realisiert, basiert auf Romanen des verstorbenen Krimiautors Tony Hillerman und seiner Tochter Anne. Der von deutschen Vorfahren abstammende Hillerman war an der Seite von Kindern des Potawatomi-Stammes aufgewachsen und ein ausgewiesener Kenner indigener Kulturen. Die teils sehr freie Adaption seines Stoffes wird diesem Aspekt, den Riten, der Kleidung, der Mythologie, spürbar gerecht, und die Navajo bedienen sich ihrer eigenen Sprache (zumindest in der Originalfassung). Auch erinnert das Autorenteam an infame Verbrechen der Weißen wie die Zwangssterilisationen indigener Frauen.

Verwunderlich angesichts dieser sehr bewussten Gestaltung, dass für den Soundtrack primär Musik weißer Künstler ausgewählt wurde. Gerade um 1970 herum traten viele indigene Rockbands und Interpreten hervor wie die aus New Mexico stammende Band XIT oder die auch international bekannten Redbone und Buffy St. Marie. Vielleicht in der zweiten, bereits abgedrehten Staffel?

OV-Trailer

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt