DVD-Tipp: »OSS 117«-Collection (1963-1968)

»OSS 117«-Collection (1963-1968). © Pidax

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Sein Name ist Bath. De La Bath

»OSS 117 – Der Spion, der sich liebte«, ein Film des Regisseurs Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2006, wurde oft als Parodie auf Ian Flemings James-Bond-Romane aufgefasst. Irrtümlich, denn der französische Romancier Jean Bruce warf seinen Hubert Bonisseur de La Bath, Dienstnummer OSS 117, bereits 1947 in den Kampf gegen kommunistische Maulwürfe und machtgeile Politdesperados. Bond folgte erst vier Jahre später, ebenfalls mit einer Sieben im Codenamen und weiteren verwandten Eigenschaften. Denkbar, dass Fleming die Bestseller des Kollegen kannte.

La Bath gelangte 1957 in Gestalt Ivan Desnys mit »OSS 117 – Männer, Frauen und Gefahren« noch vor Bond auf die Leinwand. Niemand Geringeres als Michel Piccoli wurde 1960 in »Die Spur führt nach Caracas« sein Nachfolger. Aus rechtlichen Gründen mit geändertem Rollennamen, aber es handelt sich um einen originalen OSS-117-Stoff.

Ab 1963 zeichnete der durch seine »Fantômas«-Adaptionen bekannte André Hunebelle als Produzent, teils als Regisseur und Koautor für eine OSS-117-Reihe verantwortlich. »OSS 117 greift ein«, jetzt mit Kerwin Mathews in Gefechtsposition, stand noch in der Tradition der Eddie-Constantine-Vehikel. Mit »Heiße Hölle Bangkok« (1964) näherte man sich dem Bond-Muster: illustre Schauplätze, namhafte Mitwirkende, Vollbeschäftigung für Cascadeure. Zusehends teurer, frivoler, zynischer. 007-Regisseur Terence Young leistete 1966 bei »OSS 117 – Teufelstanz in Tokio« sogar Schützenhilfe als bearbeitender Autor. Mitunter waren die Franzosen der britischen Konkurrenz gar einen Schritt voraus. So buchten sie Curd Jürgens 1968 als Paradeschurken, ehe der sich 1977 auch mit 007 anlegte.

Die fünf Hunebelle-Produktionen – »OSS 117 – Teufelstanz in Tokio« ließ er von Michel Boisrond inszenieren – sind bei der Firma Pidax als Fünfer-Box erschienen, erfreulicherweise inklusive »OSS 117 greift ein«. Der wurde untertitelt, weil die Synchronbänder verschollen sind. Wer Bond und Hunebelles »Fantômas«-Krimis mag, wird den Kapriolen des OSS 117 gerne folgen.




VÖ: 15. April 2022

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