DVD-Tipp: »Irréversible – The Straight Cut«

»Irréversible – The Straight Cut« (2002/2020). © Studiocanal

»Irréversible – The Straight Cut« (2002/2020). © Studiocanal

Geradlinig

Nicht umkehrbar! Oder doch? 2002 verstörte Gaspar Noé mit einem Film, der eine Zumutung war, gleichermaßen erschütternd und tief berührend. Ein Trip aus der finstersten Gewalthölle in die paradiesische Intimität eines Liebespaares in der eigenen Wohnung. Ein Film über eine Liebe, eine Vergewaltigung und einen Rachemord in einer Pariser Nacht. Und darüber, wie leichtfertig, unnötig und ahnungslos das Glück verspielt werden kann.

Nach der Premiere beim Festival von Cannes warfen Zuschauer und Kritiker dem jungen Regisseur Gaspar Noé vor, dass es nur ein billiger Trick sei, die Geschichte von ihrem Ende her zu erzählen. Dabei war es faszinierend zu erleben, wie die Bedeutung jeder Szene durch die nächste verändert und verschoben wurde. Mit jedem Schritt, mit dem sich die Geschichte tiefer in die Vergangenheit schraubte, eröffneten sich immer neue Facetten. Und Vincent Cassel und Monica Bellucci reicherten die fiktive Erzählung mit ihrer eigenen, intensiven Liebesgeschichte an, hoben sie durch ihren Starappeal aus der Schmuddelecke, in der so ein hartes Stück Kino leicht hätte landen können. Der Film handle von der Monstrosität des Menschen, aber auch von seiner Schönheit, erklärt Monica Bellucci im Rückblick auf die Entstehung des Films, die in einem einstündigen Making-of ausführlich rekapituliert wird. Warum Noé 18 Jahre nach dem Original einen Straight Cut seines Meisterstücks vorlegt, der in dieser DVD-Edition zum Vergleich einlädt, wird dabei nicht thematisiert.

Während man als Zuschauer in der ersten Version immer schon vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ohne die Ursachen zu kennen, entfaltet sich die Geschichte jetzt chronologisch in eine ungewisse Zukunft. Das ist ein durchaus interessantes Experiment, aber der wuchtigere, intensivere Film ist immer noch das Original. Lange bevor der Begriff geprägt wurde, wird der Gewaltausbruch aus heutiger Perspektive zum Exempel toxischer Männlichkeit: »Hättest du dich mit derselben Energie um Alex gekümmert, wäre das nicht passiert!«, wirft Pièrre seinem Freund Marcus vor, dessen Wut die Enge des Autos zu sprengen droht.

 

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