Irischer Western

Lance Dalys »Black 47« im Wettbewerb
»Black 47« (2018). © Fastnet Films

Die Handlung ist eigentlich banal und folgt dem altbekannten Racheschema. Ein Mann kehrt in die Heimat zurück und kann sie nicht mehr finden. Mutter und Bruder sind tot, das Haus verwüstet, die Schwägerin mit ihren Kindern verarmt und demTode geweiht. Fortan lebt er, der nichts mehr zu verlieren hat, allein für die Rache. Er bringt, einen nach dem anderen um, bis von denen die er unmittelbar für sein Schicksal verantwortlich macht, keiner mehr übrig ist. Das letzte Opfer ist, auch darin folgt der Film seinen vielen Vorbildern zwischen »Rob Roy« und »Braveheart«, natürlich er selbst.

Aber trotzdem ist »Black 47« von Lance Daly ein gelungener Film. Warum? Weil er mit diesen Typologien umgeht, um einen Topos zu bebildern, der zwar als Begriff, die irische Hungersnot, wohlgekannt ist, aber in der Filmgeschichte kaum eine Rolle spielt. Und im Mainstream schon gar nicht. Insofern ist »Black 47« eher eine indirekte Antwort auf »Ryans Doughter«, denn hier wird die unmenschliche Armut sichtbar, in der englische Adelige die irische Landbevölkerung Jahrhunderte gehalten haben. Sicher, die Kartoffelfäule war kein böswilliger Akt der Herrschenden, aber das Prinzip, sich nicht in die Mechanismen des Marktes einzumischen, brutaler als jeder Neoliberalismus. Daly mischt also wohlgekannte Western-Mythen in seinen Film, inszeniert ihn mit klaren Anspielungen, bleibt dabei aber seinem Thema treu. Und wenn am Schluß offen bleibt, welcher Weg genommen wird, der ins amerikanische Exil oder der in den Kampf auf Leben und Tod, dann entspricht auch das der Geschichte.

Eine Million Menschen starben in den Jahren 1845 - 52, ihren Höhepunkt hatte die Hungersnot 1847/48 und unzählige Familien wanderten aus, nach England, Amerika oder Australien um dort starke irische Gemeinden zu gründen, die bis heute bestehen. Nach Hause zurück kehrte kaum einer. 

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