Kritik zu Vier gegen die Bank

© Warner Bros.

Ein trauriges Comeback: Mit seiner plumpen Heist-Komödie kann Wolfgang Petersen trotz (oder gerade wegen) der versammelten deutschen Starpower nicht punkten

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Sechzehn Jahre ist es her, seit Guy Ritchie seine Figuren in »Snatch« mit einer sensationellen Schnittfolge einführte. Der Brite, selbst ein Eklektiker vor dem Herrn, kombinierte dabei Elemente aus »Wild Bunch« und »Mean Streets«: Jeder Charakter wird kurz im Bild eingefroren und sein Rollenname dazu eingeblendet. Vermutlich wäre es eine nette Aufgabe fürs Filmseminar, mal die ungezählten seither entstandenen Ko­pien aufzulisten. Sonderlich frisch fühlt es sich jedenfalls nicht an, wenn Wolfgang Petersen seinen ersten Film nach »Poseidon« (2006) mit genau dieser Methode beginnt. Zumal der einstige deutsche Regiestar weit entfernt ist von der Rasanz und Raffinesse eines »Snatch«: Sein Intro gerät eher simpel und laut, es ist ein Potpourri aus Klischee, Übertreibung und hölzernen Gags, das nicht viel Gutes erwarten lässt von dieser Gaunerkomödie.

Vorgestellt werden immerhin vier der größten Stars des hiesigen Gegenwartskinos. Til Schweiger mimt einen in die Jahre gekommenen Boxer, Matthias Schweighöfer einen cholerischen Werbefuzzi, Jan-Josef Liefers einen abgehalfterten Schauspieler und Bully Herbig einen verklemmten Banker. Vereint werden sie nicht nur von der Montage, sondern auch vom gemeinsamen Bedürfnis nach Rache an der Bank, die ihre gesamten Ersparnisse bei einem dubiosen Finanzdeal pulverisiert hat. So tut sich das ungleiche Quartett nach einigen anfänglichen Widerständen und Missverständnissen schließlich zusammen, um sich die Kohle mit Gewalt zurückzuholen.

Die Grundzüge der Story stammen aus dem gleichnamigen TV-Film, den Petersen 1976 mit Harald Leipnitz, Herbert Bötticher, Walter Kohut und Günther Neutze drehte. Das war bislang ein Unikum im von Thrillern und Epen dominierten Œuvre des 75-Jährigen (Petersen sprach von einer »Boulevard-Komödie«), und wohl mit gutem Grund. Einen Sinn fürs Komische kann Petersen in seiner Neuauflage jedenfalls kaum nachweisen, der Film funktioniert nicht als Caper-Movie, weil er sich nicht die Bohne für Logistik interessiert, nicht als Farce, weil er viel zu behäbig daherkommt, und auch nicht als Satire, weil der Plot kaum je an der heutigen Zeit andockt. Stattdessen wirken die dummdreisten Panzerknacker mit ihren Aktionen genauso gestrig wie der seltsame Schenkelklopfhumor, der immer nur auf Überzeichnung und knallige Comicakzente setzt, ohne einen Hauch von Esprit hinzuzufügen. Der Film ist wie ein »Ocean's Twelve« ohne den Stil, wie ein »Kingsman« ohne den Drive, wie ein »Austin Powers« ohne die Ironie.

Erstaunlich ist, wie gleichgültig »Vier gegen die Bank« seinen eigenen Prämissen gegenübersteht. Der von Herbig gespielte schüchtern-neurotische Sachbearbeiter betont anfangs vehement, welch große Ängste er mit dem Thema Nacktheit verbindet. Dieser Mann, deutet der Film da an, wird sich unter keinen Umständen freimachen, und wenn doch, dann ist mit größter Gegenwehr zu rechnen. Und was macht er später, ohne mit der Wimper zu zucken? Er geht ins Olympiastadion, um vor 50 000 Menschen, darunter der Papst im Papamobil, durch die Arena zu flitzen – splitternackt, versteht sich.

Meinung zum Thema

Kommentare

Sie fasst alles zusammen an was der Film krankt. Aber das allergrößte Manko sind die 4 Hauptdarsteller. Und Darsteller passt treffend auf diese 4 Herren. Denn ein richtiger Schauspieler ist keiner von denen. Die alle wollen etwas darstellen, und scheitern immer. Warum sollte sich das ändern wenn Petersen Regie führt ?? Genau...nähmlich überhaupt nichts. Ich glaube mit jedem unbekannten Schauspieler wäre das Ergebnis tausend mal besser geworden als mit diesen 4 selbstverliebten Herren.

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