Kritik zu John Wick: Kapitel 2

© Concorde Filmverleih

2017
Original-Titel: 
John Wick: Chapter 2
Filmstart in Deutschland: 
16.02.2017
L: 
118 Min
FSK: 
18

Ein letzter Auftrag, mal wieder: Im Sequel zum Überraschungserfolg vor gut zwei Jahren setzt Regisseur Chad Stahelski seine Ideen von einem Actionkino, das konsequent mit den Konventionen des Genres bricht, noch konsequenter um

Bewertung: 5
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Einer dieser klassischen amerikanischen Sportwagen, die nicht zufällig muscle cars genannt werden, verfolgt ein Motorrad durch die nächtlichen Straßen von Manhattan. Eigentlich müsste der Gejagte im dichten New Yorker Verkehrstreiben im Vorteil sein. Dennoch hat er nicht die geringste Chance gegen den Mann in dem schwarzen Wagen. Sein Verfolger ist nicht einfach nur ein weiterer Gangster, sondern ein Mann, von dem selbst die mächtigsten Bosse voller Furcht und Respekt sprechen: John Wick.

Schon im ersten Teil der Action-Saga hatte der von Keanu Reeves verkörperte Profikiller John Wick beinahe etwas Übernatürliches an sich. Sein Rachefeldzug gegen den Mörder seines Hundes ließ jedes Maß, auch das der Ironie, weit hinter sich. In »Kapitel 2« gehen Regisseur Chad Stahelski und sein Drehbuchautor Derek Kolstad jedoch noch einen Schritt weiter. Diesmal treibt Wick keine Emotion an. Er empfindet weder Wut noch Trauer. Nur die Gesetze der Unterwelt – und des Films – verpflichten ihn dazu, noch einmal einen Auftrag anzunehmen. Und den führt er ohne jegliche menschliche Regung aus.

Stahelski und sein Star verwirklichen gewissermaßen den Traum, an dem John McTiernan vor beinahe 25 Jahren mit »Last Action Hero« gescheitert ist. »Kapitel 2« ist das Siebte Siegel des Actionkinos: ein nicht endender Totentanz, also eine durch und durch barocke Fantasie von einer Welt, in der Schönheit aus Vergänglichkeit erwächst. Entsprechend inszeniert Stahelski auch die zahlreichen Actionsequenzen. Die Kamera wahrt in der Regel eine deutliche Distanz zum Geschehen, zieht die Totale immer wieder der Detailaufnahme vor. Selbst wenn Keanu Reeves und seine Gegner kämpfend und schießend durch U-Bahn-Stationen und Museen, römische Katakomben und Straßen rennen, verzichtet Stahelski, wenn möglich, auf Schnitte. Die Kamera geht mit und hält den Abstand aufrecht. Das befreit den Blick. Die Wahrnehmung hetzt nicht den Ereignissen hinterher, sondern nimmt sie auf. Der Betrachter kann das Geschehen in Gänze erfassen und sich doch auf Details konzentrieren.

Was sich schon im ersten Teil andeutete, wird damit offensichtlich. Stahelski, der zuvor als Action-Choreograph und Stunt-Koordinator gearbeitet hat, schwebt eine andere Ästhetik vor. Asiatische Genrefilme haben zwar ebenso wie die amerikanischen Actionfantasien der 80er und frühen 90er Jahre ihre Spuren in »John Wick: Kapitel 2« hinterlassen. Mit einem grandiosen von unzähligen Spiegeln dominierten »Set ­Piece« verbeugt er sich sogar ganz offen vor dem Bruce-Lee-Klassiker »Der Mann mit der Todeskralle«. In einem entscheidenden Punkt weicht dieses außergewöhnliche Sequel jedoch von all seinen Vorbildern ab: Stahelskis Actionszenen sind keine choreographierten Todesballette mehr. Sie ähneln eher klassischen Schlachtengemälden. Die bildende Kunst tritt an die Stelle des Tanzes. Und das verändert alles. Der Zuschauer ist eingeladen, analytisch zu schauen. Jeder Kampf und jeder Schusswechsel werden kenntlich als Ausdruck einer Welt, in der alle fortwährend auf Leben und Tod kämpfen.

... Interview mit Regisseur Chad Stahelski

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