Sascha Westphal

Filmkritiken von Sascha Westphal

Cédric Klapisch variiert die klassische Geschichte von der Heimkehr des verlorenen Sohns: unaufgeregt, mit einem untrüglichen Blick für die Schönheit des Burgunds. So wird aus einem etwas formelhaften Familiendrama »Der Wein und der Wind« eine wunderbare Hommage an eine Landschaft und ihre Winzer
Eine Krankenschwester, die den Niedergang der nordfranzösischen Industrieregion Pas-de-Calais täglich hautnah zu spüren bekommt, lässt sich von einer rechtspopulistischen Partei instrumentalisieren. In seinem neuen Spielfilm »Das ist unser Land!« zeichnet Lucas Belvaux das eindrückliche Porträt einer an den Front National angelehnten Partei und legt so die Mechanismen rechtsextremer Politik offen
Während einer fantastischen Flucht durch die Wälder verwandelt sich ein Ornithologe nach und nach in einen Wiedergänger des heiligen Antonius von Padua. João Pedro Rodrigues' fünfter Spielfilm »Der Ornithologe« ist das poetische Glaubensbekenntnis eines radikalen Künstlers, der die Welt nach seinen eigenen Vorstellungen formt
Vordergründig erzählt Angela Schanelec in »Der traumhafte Weg« von zwei Paaren, die auseinandergehen. Aber das ist nur die Folie für eine so irritierende wie grandiose Folge loser Szenen, die sich zu einem die Essenz des Lebens einfangenden Filmpoem zusammenfügen
Mit seiner Dokumentation »Gimme Danger« setzt Jim Jarmusch Iggy Pop und den Stooges ein glorioses Denkmal. Sein hemmungslos subjektives Bandporträt entwickelt dabei eine ästhetisch-politische Kraft, die den Alben der Stooges in nichts nachsteht
Natürlich ist Julien Rambaldis Film »Ein Dorf sieht schwarz« über einen aus Afrika stammenden Arzt, der 1975 eine Praxis in der französischen Provinz übernimmt, hochaktuell. Trotzdem erhebt Rambaldi nie den Zeigefinger. Sein Plädoyer für Toleranz besticht stattdessen durch eine heitere Leichtigkeit und eine feine Ironie
Bill Condon wagt sich mit seinem Realfilm-Remake des berühmten Disney-Musicals an eine feministische Re-Vision des berühmten Märchens von der Schönen und dem Biest. Allerdings bleibt Condon auf halber Strecke stehen. So wird sein Film zum Spiegel unserer politisch zerrissenen Gegenwart
Die Freundschaft zweier 13-jähriger Jungen wird durch die Konflikte ihrer Eltern auf eine harte Probe gestellt. Ira Sachs erzählt in »Little Men« diese vermeintlich kleine Geschichte mit so viel Gespür, dass sie zum Spiegel unserer Welt wird
Den politischen Diskurs kann Raoul Pecks Biopic »Der junge Karl Marx« durch seine ernsthafte, aber keineswegs hagiografische Auseinandersetzung mit Marx vielleicht befruchten. Ästhetisch kommt er aber nur in den wenigsten Szenen über biederes Kostümkino hinaus
Im zweiten Teil der Saga um den von Keanu Reeves gespielten Profikiller John Wick setzt Regisseur Chad Stahelski seine Ideen von einem Actionkino, das konsequent mit den heutigen Inszenierungskonventionen des Genres bricht, noch konsequenter um

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Wo sein Name draufsteht, steckt Krawall drin. Michael Bay, Regisseur von Blockbustern wie »Armageddon« und »Transformers«, ist der Angstgegner jedes ernsthaften Cineasten. ­Gelegentlich, etwa mit »Die Insel« oder »Pain & Gain«, hat er Abstecher ins erzählende Genre­kino unternommen. Aber meistens kann man bei ihm schon wegen der hektischen Montage nicht viel sehen. Oder? Sascha Westphal hat noch einmal hingeschaut
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Ihren endgültigen Durchbruch erlebte Viola Davis mit einer Serienrolle: In »How to Get Away with Murder« verkörpert sie eine weiblich-schwarze Spielart des Antihelden à la Walter White. Im Kino bislang auf die üblichen Nebenrollen reduziert, kommt sie derzeit in Denzel Washingtons Dramaverfilmung »Fences« groß raus
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Chloë Sevigny verkörperte einst als vieldeutiges weißes Blatt die Hoffnung auf ein anderes Kino jenseits des Mainstreams. Nun ist sie noch einmal in einem Whit-Stillman-Film zu sehen, »Love & Friendship«
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