Kritik zu Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

Teaser englisch © Warner Bros.

Der abschließende Teil der Hobbit-Trilogie bietet ein weiteres Mal ein Dauerfeuerwerk an Schlachten und Effekten – und den nahtlosen Anschluss an die Herr der Ringe-Trilogie. Willkommen in der Endlosschleife!

Bewertung: 3
Leserbewertung
2.666665
2.7 (Stimmen: 3)
Und dann ist es doch passiert. Man hat sich ja immer gefragt, woher der Elbe Legolas (Orlando Bloom) die unendlich vielen Pfeile herhat, die er permanent verschießt. Nun greift der treffsichere Bogenschütze in seinen Köcher – der überraschend leer ist. Ähnlich geht es auch Regisseur Peter Jackson, dem im finalen, dritten Teil der Hobbit-Trilogie das Pulver ausgeht. Er versucht die Stagnation mit quantitativen Mitteln zu kompensieren, die schon im Titel angekündigt werden. In Die Schlacht der fünf Heere gibt es noch mehr Kämpfe und Keilereien. Allmählich verliert man aber den Überblick, wer da gegen wen kämpft? Und warum überhaupt? 
 
Der zweite Teil begann noch mit einem gemütlichen Rückblick. Diesmal stolpert der Zuschauer ohne Vorwarnung hinein in eine Katastrophe. Man hat kaum Zeit, um sich zu erinnern, was überhaupt geschah: Der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), eigentlich kein Abenteurer, hat tatkräftig mitgeholfen, den sprechenden Drachen Smaug (Stimme: Benedict Cumberbatch) zu vertreiben, der das unterirdische Reich der Zwerge samt deren unermesslichen Reichtümern usurpiert hatte. Während die kleinwüchsigen Geldscheffler wieder auf ihren Goldschätzen sitzen, beginnt der dritte Teil nun damit, dass das wütende Ungetüm Seestadt heimsucht. Das ist beeindruckend inszeniert. Rasante Kamerafahrten, deren sogartige Dynamik durch den 3D-Effekt unterstrichen wird, katapultieren den Zuschauer mitten hinein in ein verwirrendes Labyrinth aus Kanälen und verwinkelten Holzhäusern, die so detailverliebt ausgestattet sind, dass man sich nicht satt sehen kann, zunächst.
 
 
Doch kaum ist das eigentlich unbesiegbare Ungetüm besiegt, tritt der Film auf der Stelle. Das mag an der überbordenden Fülle des Personals liegen. Mit der Elbin Galadriel (Cate Blanchett) und dem Zauberer Saruman (Christopher Lee) treten sogar Figuren aus der Ringe-Trilogie auf den Plan, die im Hobbit eigentlich nichts zu suchen haben. Klar, um Tolkiens schmales Kinderbuch zu strecken, haben Jackson und seine Buchautoren Füllmaterial eingebaut. Das hat einen eigenartigen Effekt.
 
Visuell vermag Die Schlacht der fünf Heere zu beeindrucken. Überzeugend sind einmal mehr die traumhaften Landschaftspanoramen, die mit einer sehr beweglichen Hubschrauberkamera fotografiert sind. Mit einer ganz eigenen Ästhetik schafft Peter Jackson die Anmutung einer vorzeitlichen, mythologischen Welt. Das ist großes Kino – doch mit der Dramaturgie hapert es, die erinnert mehr ans Fernsehen: ständig geschieht etwas, aber es geht nicht wirklich voran. Der Schwerpunkt liegt, wie sollte es anders sein, auf endlosen Schlachten. Es rollen wieder jede Menge Köpfe, vorwiegend die der Orks, serielle Unmenschen, die immer irgendwo herkommen. 
 
Im Gegensatz zum Mittelteil der Trilogie erscheint das atemlose Gemetzel aber nicht mehr ganz so blutrünstig (vielleicht hat man sich auch nur daran gewöhnt). Durch den steten Wechsel zwischen gigantischen Aufmärschen und halbnahen Kampfszenen versucht Jackson die Monotonie des Dauermeuchelns aufzubrechen – was nicht immer gelingt. Die nimmermüde Actionchoreographie ersinnt stets neue und noch skurrilere Situationen. Wenn Legolas der Schwerkraft trotzt und herabstürzende Steine als frei schwebende Treppe benutzt, dann entsteht – wie schon in Smaugs Einöde – der Eindruck eines Jump-and-run-Computerspiels. Inszeniert ist das virtuos. Irgendwann erstickt jedoch das Auge an dieser Opulenz. 
 
 
Die stärksten Momente sind die ruhigen, in denen Charaktere sich entfalten können. Diese Chance nutzt vor allem Richard Armitage als Zwergenkönig. Umgeben von Gold und Geschmeide so weit das Auge reicht, fällt Thorin Eichenschild allmählich in eine selbstsüchtige Umnachtung. Man nennt es das Drachenfieber, aber es geht darum, dass schon in Mittelerde Geld den Charakter verdirbt: Szenen wie diese machen den Unterschied. Schon im zweiten Teil der Ringe-Trilogie glänzte Bernhard Hill als schwermütiger König Théoden inmitten allzu glatter Figuren. Dank solch gebrochener Charaktere belebt Jackson die eskapistische Fantasywelt mit Charakteren aus Fleisch und Blut. Selbst wenn man diesmal bei der Nahaufnahme der Zwergen den Eindruck hat, als seien die Nasen und Bärte angeklebt. Das stört aber nicht wirklich, denn man hat diese knuffigen Gesellen mit ihren farbenfrohen Strickhandschuhen mittlerweile ins Herz geschlossen. Trotzdem ist es jetzt wirklich genug. Schluss mit Hobbit.

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