Kritik zu Regeln spielen keine Rolle

© 20th Century Fox

Warren Beattys letzte Regiearbeit, die Komödie »Bulworth«, liegt 20 Jahre zurück. Mit seiner Zeitreise ins Hollywood der 50er Jahre und der Rolle des Howard Hughes erfüllt sich der 80-Jährige nun ein Herzensprojekt

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Natürlich hat sich Hollywood schon immer gerne mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit beschäftigt. Doch zuletzt scheint die Traumfabrik ganz besonders mit der Nostalgie infiziert zu sein, von der Musical-Hommage »La La Land« bis hin zu Woody Allens 30er-Jahre-Abstecher »Café Society«. Nun legt niemand Geringeres als Warren Beatty nach und erzählt mit »Regeln spielen keine Rolle« aus den späten 50er Jahren, einer Zeit also, die er selbst zu Beginn seiner Schauspielkarriere noch kennengelernt hat.

In seiner ersten Regiearbeit seit 1998 hat Beatty die Rolle des legendären Geschäftsmanns, Studiobosses und Flugzeugnarrs Howard Hughes übernommen, doch es dauert eine gute halbe Stunde, bevor er überhaupt auf der Leinwand zu sehen ist. Schon vorher allerdings dreht sich für die übrigen Protagonisten (und den Zuschauer) fast alles um ihn. Der junge Frank Forbes (Alden Ehrenreich), frisch aus der Provinz in Los Angeles eingetroffen, will Hughes davon überzeugen, in ein Bauprojekt zu investieren. Zu Gesicht bekommen hat er seinen neuen Boss allerdings noch nicht, sondern kutschiert als einer von dessen zahlreichen Chauffeuren junge Schauspielerinnen durch die Stadt, die bei Hughes für Filmprojekte und womöglich mehr unter Vertrag stehen.

Eine von ihnen ist Marla Mabery (Lily Collins), in jeder Hinsicht unschuldige Schönheitskönigin aus Virginia und noch christlicher als der vor jeder Mahlzeit betende Frank. Obwohl den Fahrern eigentlich der Kontakt zu den Frauen untersagt ist, verstehen die beiden sich prächtig. Während sie vergeblich darauf wartet, endlich bei Hughes für eine Rolle vorsprechen zu dürfen, fährt er sie täglich hinauf in die Hügel zur für sie gemieteten Villa mit Pool. Irgendwann sitzt sie auf dem Vordersitz, der erste Kuss lässt nicht lange auf sich warten. Aber dann tritt eben doch noch der ominöse Hughes ins Leben der beiden. Und danach ist nichts mehr wie vorher.

Ein Film über Hughes war, so hört man, lange schon Beattys Herzensangelegenheit, weswegen es umso erstaunlicher ist, dass er im selbstverfassten Drehbuch den jungen Verliebten solch großen Raum einräumt. Denn damit setzt sich »Regeln spielen keine Rolle« ein bisschen zwischen alle Stühle. Die interessantesten Aspekte dieser nicht zwingend wahren Geschichte (Hughes' immer stärker zutage tretende psychische Erkrankung, die Fallstricke des Showgeschäfts) bekommen nicht genug Raum, während die Romanze zu wenig packend ist.

Schauspielerisch läuft Beatty zu deutlich bezwingenderer Form auf als hinter der Kamera, außerdem umgibt er sich mit einem verschwenderisch hochkarätigen Ensemble, zu dem unter anderem Annette Bening, Alec Baldwin, Candice Bergen, Matthew Broderick, Martin Sheen und Ed Harris gehören. Gemeinsam mit Kameramann Caleb Deschanel und den Kostüm- und Ausstattungsteams holt er zudem das meiste aus dem Nostalgiefaktor heraus. Am Ende liegt's aber eher an den Einzelteilen als an deren Summe, dass »Regeln spielen keine Rolle« einigermaßen unterhaltsam ist.

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