Kritik zu Lommbock

© Wild Bunch

2017
Original-Titel: 
Lommbock
Filmstart in Deutschland: 
23.03.2017
A: 
V: 
L: 
144 Min
FSK: 
12

Christian Zübert kehrt sozusagen zu den Anfängen seiner Karriere zurück und dreht eine Fortsetzung seines Regiedebüts »Lammbock« (2001), wieder mit Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz in den Hauptrollen

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Eigentlich wollte Stefan (Lucas Gregorowicz), als er vor 15 Jahren der baye­rischen Provinz den Rücken kehrte, eine Strandbar in der Karibik eröffnen. Den Plan hat der vermeintlich arrivierte Anwalt nicht ganz aus den Augen verloren. Doch es hat ihn nach Dubai verschlagen, wo er nun kurz vor der Hochzeit mit der Geschäftsfrau Yasemin (Melanie Winiger) steht. Um die dazu nötigen Papiere zu besorgen, muss der notorische Loser aber noch einmal zurück nach Würzburg. Hier überredet sein alter Freund Kai (Moritz Bleibtreu) ihn dazu, das Wiedersehen nach vielen Jahren mit einem Joint zu feiern. Natürlich bleibt es nicht bei einer Tüte.

15 Jahre nach seinem Regiedebüt lässt Christian Zübert eine Fortsetzung seiner Kifferkomödie mit demselben Darstellerduo folgen. Anno 2001 betrieben Stefan und Kai einen schwunghaften Handel mit Marihuana, den sie als Pizzaservice tarnten. Dummerweise befielen Blattläuse ihre selbst angebauten Cannabis-Pflanzen, worauf die ehrgeizfreien Berufsjugendlichen zu einer gewissen Kulturarbeit gezwungen wurden. Die beiden Nichtsnutze sind an das notorische Versagerduo Randal und Dante aus Kevin Smiths »Clerks« angelehnt. Sogar für den von Smith selbst gespielten Stoiker »Silent Bob« gibt es eine Entsprechung. Im Gegensatz zu dieser originellen Slacker-Komödie über das Nicht-Erwachsenwerden schweben Züberts Charaktere so ziemlich im luftleeren Raum. Warum ist Gras das große Ding, und in welcher Szene wird es konsumiert? Das bleibt buchstäblich nebulös. Die Beobachtungen des Milieus bleiben unscharf, und die Bilder der Würzburger Provinz wirken wie aus einem Degeto-Film herauskopiert.

Über die Zeit rettet sich das harmlose Geplänkel allein dank Moritz Bleibtreu. Die unnachahmliche Vitalität, mit der er zerbröselnde Assoziationsketten über »Baywatch«-Darstellerinnen und ihre im Flugzeug detonierenden Silikonbrüste bis ins Endlose dehnt, belebt auch die Fortsetzung. Gaga-Monologe mit blubberndem Sprachwitz – das sind die Stärken des Drehbuchautors Zübert. Nett ist auch die Idee, Stefan und Kai im bekifften Zustand polnisch reden zu lassen: Wer selbst Erfahrungen mit dem Inhalieren von THC-haltigem Rauch hat, weiß, wie »fremd« man sich selbst und das eigene Sprechen dabei erleben kann.

Das war es auch schon. Wie im ersten Teil ist die Story nicht abendfüllend. Mit ihrem zugedröhnten Kopf glauben die beiden Haschischraucher, Kais Sohn sei in die Salafistenszene angedriftet. Der Versuch, die Emirate und die islamistische Bedrohung mit »coolen« Witzen zu verulken, wirkt so bemüht wie Kais pädagogische Anstrengung, den Jugendjargon seines Sohnes zu imitieren. Mit der Thematisierung aktueller Kommunikationsformen wie Skype und YouPorn biedert sich der Film einer jungen Zielgruppe an. Das wirkt aber alles wie aus zweiter Hand. Nach Christian Züberts Sterbedrama »Hin und weg« und »Ein Atem«, dem bemerkenswerten Doppelporträt zweier Frauen aus Athen und Frankfurt, ist »Lommbock« eher ein Beispiel für die Art von deutschem Kino, die man weniger braucht.

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