Kritik zu Kundschafter des Friedens

© 20th Century Fox/Majestic

2017
Original-Titel: 
Kundschafter des Friedens
Filmstart in Deutschland: 
26.01.2017
L: 
90 Min
FSK: 
12

Sie arbeiten analog: In der Komödie von Robert Thalheimer (»Am Ende kommen Touristen«) holt der BND ein paar DDR-Spione aus dem Ruhestand, um sie auf Mission in ein Fantasieland auf dem Gebiet der einstigen Sowjetunion zu schicken

Bewertung: 4
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Würde der bundesdeutsche Geheimdienst, wenn eine Mission auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion zu scheitern droht, tatsächlich einen ehemaligen DDR-Agenten mit Ortserfahrung um Hilfe bitten? Das ist zumindest die Idee, aus der Regisseur Robert Thalheim eine Agentenkomödie gezimmert hat, deren Titel erklärungsbedürftig ist. »Kundschafter des Friedens« war die offizielle DDR-Bezeichnung für eigene Agenten im Auslandseinsatz. Der bekannteste von ihnen: Günter Guillaume, der es bekanntlich bis zum persönlichen Referenten von Willy Brandt brachte.

Die Medien der DDR haben das Ihre dazu beigetragen, dem Berufsstand ein Denkmal zu setzen. Der Defa-Spielfilm »For eyes only – Streng geheim« (1963), jahrzehntelang zum Jahrestag des Mauerbaus im Fernsehprogramm wiederholt, erfreute sich ebenso großer Beliebtheit wie die Fernsehserie »Das unsichtbare Visier« (1973–79). Ihr zollt der Film durch Verwendung ihres fetzigen Titelthemas Tribut – wie auch mit seinem Vorspann samt Splitscreen und treibender, bläserdominierter Musik.

»Wir waren besser!« Das ist die feste Überzeugung von Jochen (Henry Hübchen), der den Herren, die ihn gerade unsanft in Gewahrsam genommen haben, einen Rüffel erteilt, wie unprofessionell sie dabei vorgegangen sind. Genauso besteht er aber auch darauf, dass sein Einkaufsnetz nicht an dem Kiosk zurückbleibt, an dem er gerade sein Bier trank. Jochen ist Rentner, hat aber die alten Tricks seines Gewerbes noch drauf, deshalb sein selbstbewusstes Auftreten. Dass er den Auftrag annimmt, hat nicht zuletzt persönliche Gründe: die Abrechnung mit jenem BND-Agenten, der ihn einst enttarnte – nicht die einzige persönliche Verstrickung, die im Lauf der Geschichte zum Vorschein kommt.

Soll Jochen also den politischen Hoffnungsträger, der das Land Katschekistan einen soll, aus den Händen ehemaliger KGB-Agenten befreien, dann nur im Team mit alten Kollegen. Während Jacky (Michael Gwisdek), der seine technischen Fähigkeiten derzeit in einer kleinen Reparaturwerkstatt für Haushaltsgeräte praktiziert, noch auf den Sieg der Weltrevolution hofft, hat Locke (Thomas Thieme) seine damaligen Kenntnisse zu Geld gemacht, dieses aber mit windigen Investmentgeschäften mittlerweile wieder verspielt. Vor Ort gesellt sich dann noch Harry (Winfried Glatzeder) zu ihnen, der als »Romeo« auf das Anwerben von weiblichen Informantinnen spezialisiert war.

Seine Komik entwickelt der Film aus dem Selbstbewusstsein der »Oldtimer« (höchst spielfreudig von ehemaligen DDR-Bürgern verkörpert) und deren Organisationstalent (»Wir arbeiten analog!«), aber manchmal auch daraus, dass eben nicht alles so funktioniert, wie sie es zuvor geplant haben. Bei aller Liebe zum Handwerk (die auch den Film auszeichnet) schwingen im Hintergrund doch auch die Schwierigkeiten mit, sich in der neuen Gesellschaftsordnung zurechtzufinden, auch noch 27 Jahre nach dem Ende der DDR.

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