Kritik zu Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes

© Concorde

2014
Original-Titel: 
The Woman in Black 2: Angel of Death
Filmstart in Deutschland: 
19.02.2015
R: 
L: 
98 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Tom Harper siedelt sein Sequel zu James Watkins' Verfilmung von Susan Hills moderner Gothic Novel etwa 40 Jahre später im Zweiten Weltkrieg an

Bewertung: 2
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Zwei Welten fließen unmerklich ineinander, zwei Gesichter des Schreckens werden eins. Zunächst ist da dieses seltsame Rumoren, das so charakteristisch ist für das düstere Eel Marsh House: ein unerklärliches Schlagen und Pochen. Geräusche aus einer Welt der Schatten und der Schwärze, die schließlich in die Einschläge deutscher Bomben übergehen.

London im Blitzkrieg 1941. Nacht für Nacht suchen die Menschen in den Schächten der U-Bahn Schutz vor den Bombenangriffen. Eine der vielen, die nicht wissen, ob sie am nächsten Morgen noch ein Zuhause haben werden, ist die junge Lehrerin Eve Parkins (Phoebe Fox). Aber das scheint an ihr abzuprallen. Mit einem bezaubernden Lächeln versucht sie, den Menschen um sich herum Trost zu spenden. Später, da ist sie schon mit ihren Schülern im Eel Marsh House untergebracht, wird sie sagen, Lächeln sei ihre Art, mit Furcht und Gefahr umzugehen.

Tom Harper verknüpft in seinem etwa 40 Jahre später spielenden Sequel zu James Watkins' Die Frau in Schwarz den Horror des Zweiten Weltkrieges und den klassischer Geistererzählungen zu einem extrem engmaschigen Netz. Die Bedrohung durch die Frau in Schwarz, diese rachsüchtige Furie, in deren Fängen sich schon zahlreiche Kinder tödlich verstrickt haben, ist wie ein Echo der Bomben und des Krieges, die Eve und ihre Schüler bis ans Meer verfolgen.

Schon die Zugfahrt aus London in die Provinz hat trotz der malerischen Landschaft etwas Verstörendes. Der Zug, der in einem Tunnel verschwindet, die Nacht, die sich langsam über Wälder und Felder legt, Eves Gesicht durch das Fenster eines Zugabteils betrachtet. Die Bilder verschmelzen zu einer ahnungsvollen Stimmungsaufnahme. Etwas Dunkles reist mit in diesem Zug, und darüber können weder Eves Lächeln noch das schneidige Auftreten des Piloten Harry Burnstow (Jeremy Irvine) hinwegtäuschen.

Mit atmosphärisch extrem präzisen kleinen Szenen deutet Tom Harper vielfältige Tragödien und Traumata an. Da ist etwas, das an all seinen Figuren nagt, nicht nur an dem kleinen Edward, der gerade bei einem Bombenangriff seine Eltern verloren hat. So wird die Wirklichkeit des Zweiten Weltkriegs durchlässig für das Fantastische, für Geisterkinder und mörderische Frauen in Schwarz. Nur belässt Harper es nicht bei diesen leichten und doch ungeheuer wirksamen Strichen. Nach der Ankunft im Eel Marsh House trägt er zunehmend dicker auf.

Anders als Watkins, der das alte Herrenhaus zum Zentrum seines Films gemacht hat, besitzt Harper kein Gespür für dieses einmalige Setting. Was er zu Beginn in London geschickt heraufbeschworen hat, den Schrecken einer Welt, in der überall Tod und Einsamkeit lauern, will er schließlich erzwingen. Alles wird nun ausgesprochen. Die Gespenster der Vergangenheit, die Eve und Harry von Anfang an mit sich herumgetragen haben, werden an die Oberfläche belehrender Dialoge und banaler Symbole gezerrt. Am Ende passt dann alles perfekt zusammen. So treibt Harper seiner Geschichte auch noch den letzten Rest an Ambivalenz aus.

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