Kritik zu Die Bestimmung – Insurgent

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Robert Schwentke übernimmt die Regie im zweiten Teil der feministisch angehauchten Young-Adult-Trilogie nach Veronica Roth und kämpft mit den Schwierigkeiten des Mittelteilsyndroms: keine Exposition, aber auch kein Finale

Bewertung: 3
Leserbewertung
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3.3 (Stimmen: 3)

Mit Die Bestimmung ging im letzten Jahr ein weiteres Kinofranchise ins Rennen um die jugendliche Zuschauergunst, das die pubertäre Sinnsuche in einem metaphorisch aufgeladenen, futuristischen Setting verhandelte. In dieser Welt werden die Menschen je nach charakterlicher Eignung in verschiedene Fraktionen eingeteilt, womit die Geschichte geschickt an jugendliche Bedürfnis- und Angststrukturen andockt. Denn natürlich möchte man als Teenager dazugehören, aber sicherlich nicht um den Preis einer lebenslangen Festlegung. Und so wird die Auflehnung gegen das Charakterkastensystem zur treibenden Kraft der Erzählung und Tris (Shailene Woodley) als »Unbestimmte« zur nicht-opportunistischen Heldin.

Im zweiten Teil will die Führerin Jeanine (Kate Winslet) nun in diktatorischer Tradition die Unbestimmten ausmerzen. Tris und ihr schmucker Freund Four (Theo James) flüchten sich zunächst zu den friedliebenden Amite, die vor der Stadt in hippie-ähnlichen Kolchosen leben. Aber die Atempause in der ländlichen Idylle währt nicht lange, Tris und Four fliehen zunächst zu den Fraktionslosen – den grimmigen Outlaws des Kastensystems – und dann zu den wahrheitsliebenden Candor.

Wie so oft im Trilogie-Geschäft leidet Insurgent unter dem Mittelteilsyndrom. Hatte der Pilotfilm alle Hände voll zu tun, die Funktionsweisen dieser Welt zu erklären, müssen sich im zweiten Teil Handlung und Figuren behaupten, ohne jedoch den Spannungsbogen auf ein Finale zuspitzen zu können. Insurgent besteht diese Bewährungsprobe nicht mit voller Punktzahl. Zu sehr verlässt sich der deutsche Hollywoodregisseur Robert Schwentke (Flightplan, R.E.D.) in der ersten Hälfte auf den Fluchtmodus, wo zwischen den Action-Szenen zu wenig Zeit zur Selbstbesinnung der Figuren bleibt. Spannender ist dann schon die Konfrontation zwischen Heldin und Herrscherin geraten, die Tris in sogenannten Simulationen mit traumatischen Erlebnissen konfrontiert. Hier darf Schwentke ganz tief in die 3D-Pixel-Kiste greifen und findet zu Bildern, die als radikale Action-Therapie durchaus im filmischen Gedächtnis bleiben.

Im zweiten Teil zeigen sich außerdem weiter die Qualitäten, mit denen sich Die Bestimmung von den Konkurrenzprodukten des Young-Adult-Marktes positiv absetzt. Zum einen wäre da die Reife der romantischen Beziehung zwischen Tris und Four, die sich stets auf Augenhöhe begegnen und ihre Liebe eher als gegenseitige Vertrauensbildung denn als hormonelle Zwangshandlung begreifen. Zum anderen zeigt sich die entspannte Herangehensweise an Gender-Angelegenheiten in der Selbstverständlichkeit, mit der die wichtigsten Machtpositionen der Zukunftsgesellschaft durch Frauen besetzt wurden. Kate Winslet, Naomi Watts und Octavia Spencer spielen diese schillernden Herrscherinnen, die hier genauso kaltblütig, cholerisch und weise wie ihre Kollegen aus dem Patriarchat agieren dürfen.

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