Kritik zu Der Geschmack von Apfelkernen

© Concorde

2013
Original-Titel: 
Der Geschmack von Apfelkernen
Filmstart in Deutschland: 
26.09.2013
Musik: 
L: 
120 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Nach den Teenies in den Wilden Hühnern lässt Vivian Naefe in ihrer Adaption eines deutschen Romanbestsellers drei Frauengenerationen und ihre Geheimnisse Revue passieren

Bewertung: 2
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Acht Frauen aus drei Generationen plus die dazugehörigen Männer – das ist eine Menge Personal. Die Vorlage des zweistündigen Familienepos, ein Beststeller von Katharina Hagena, erstreckt sich auf immerhin 256 Seiten. Der Film vermittelt auch Nichtkennern des Romans, dass es sich um einen atmosphärischen Schmöker handeln muss – um ein Buch, das sich auf hohem literarischen Niveau entlang einer matriarchalischen Ahnenlinie mit dem Erinnern und Vergessen beschäftigt. Im Mittelpunkt steht ein schönes altes Haus, der Lebensmittelpunkt seiner Bewohnerinnen. Ihre Nerven scheinen sich bis in den idyllischen Bauerngarten zu vernetzen. So finden Liebe, Sex, Tod und all die kleinen Geheimnisse dazwischen in der Natur ihren Widerhall; der Apfelbaum trägt zweimal Früchte, rote Johannisbeeren werden plötzlich weiß… Eine Prise magisches Denken steht jedem Frauenfilm. Und warum sollte man das Geschäft immer angelsächsischen Regisseuren überlassen? Besonders die Nicholas-Sparks- Adaptionen indes haben Maßstäbe gesetzt, an denen sich Vivian Naefes Film, sei die Vorlage auch tiefgründiger, leider messen lassen muss. Und im Vergleich dazu mangelt es schlicht an Ideen, an »Mystery« und Esprit.

Als Icherzählerin, die sich durch die verschlungenen Pfade ihrer Erinnerung kämpft, fungiert Iris, die Lieblingsenkelin von Oma Bertha. Nach Berthas Tod erbt Iris – eine erstaunlich hölzerne Hannah Herzsprung – das Familienanwesen, in dem sie als Kind die Ferien verbracht hat. Obwohl Iris sich woanders ein Leben aufgebaut hat, will sie ein paar Tage in dem Haus verbringen, um sich darüber klar zu werden, ob sie es verkaufen soll. Nicht nur die Wiederbegegnung mit »Sandkastenfeind« Max und mit einem betagten Hausfreund führen sie in die Untiefen der Vergangenheit. In einem sich über zahllose Zeitebenen erstreckenden Rückblendenkarussell tastet sich Iris an ein verdrängtes Schuldgefühl heran.

Die Dramaturgie dieser Zeitschnipsel ist jedoch recht holprig – nicht nur, weil Iris’ Perspektive ständig von anderen Standpunkten abgelöst wird. Das Who’s who ist ohnehin verwirrend, denn bei acht Frauen kommt mit verschwiegenen Liebesabenteuern, Intrigen, illegitimen Töchtern und Männern erster und zweiter Wahl nun mal einiges zusammen. Kameramann Martin Langner zeigt romantische Bilder (gedreht wurde in der Holsteinischen Schweiz), doch manches wirkt unverbunden. Ein Sprung in die Frankfurter Hochhauskulisse zum Beispiel ist wohl einzig dazu da, den Filmförderrichtlinien Genüge zu tun. Auch das früh absehbare Happyend nimmt viel von der Spannung weg. Eindrücklich ist zwar die Interaktion der Teenies Iris, Mira und der dominanten Cousine Rosmarie. In diesen starken Momenten beflügeln sich das Verwunschene und das Verwünschte gegenseitig. Doch ansonsten schlägt die biedere Inszenierung, in der sich emotionale Höhepunkte durch penetrantes Klaviergeklimper ankündigen, nur selten Funken. Das heißt nicht, dass der Film missglückt ist. Doch er hinterlässt das dumme Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre.

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