Berliner Schule
Filme der Berliner Schule sind auf der Berlinale gern gesehen – 3sat lässt ein paar dieser Arbeiten Revue passieren. Auf ergreifend einfache Weise erzählt die Regisseurin Valeska Grisebach im ersten Film Sehnsucht (2006; 13.2., 23 Uhr) davon, dass das Leben nicht planbar ist, und lässt ihren Protagonisten in eine tragische Dreiecksgeschichte schlittern. Außerdem laufen zwei Arbeiten von Thomas Arslan, Im Schatten (2010, 14.2., 20.15 Uhr, unser Bild) und Ferien (2007, 14.2., 21.35 Uhr), Angela Schanelecs wunderbarer Film Orly (D/F 2010, 14.2., 23.05 Uhr) überMenschen am Flughafen und Christian Petzolds Yella (2007, 15.2., 22.25 Uhr), der auf hochmetaphorische Weise das Elend des Kapitalismus beleuchtet.
Ashes of Time – Redux Hongkong, China, Taiwan 1994/2008, Wong Kar Wai
Der preisgekrönte Film von Wong Kar Wai, den 3sat in der vom Regisseur neu bearbeiteten Version zeigt, ist eine Verbeugung vor dem Martial-Arts-Kino und ein grandioser Bilderrausch. Ein zynischer, zurückgezogener Schwertkämpfer betreibt ein Wirtshaus in der Wüste. Der perfekte Treffpunkt, um Auftragsmorde zu vermitteln. Zwei aussichtslose Jobs stürzen ihn in einen Konflikt.
Sa 4.2., 3.40 Uhr, 3sat
Monga – Gangs of Taipeh Taiwan 2010, Doze Niu
Taipeh in den 80ern. Der 17-jährige Mosquito weiß, dass er nur überleben kann, wenn er sich gegen die Schikane seiner Mitschüler wehrt. Er verschafft sich Respekt bei einem Gangsterboss und wird Mitglied einer Gang. Es gibt kein Zurück mehr. Ein gefühlvoller, großartig choreographierter Gangsterfilm mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors. Kritik in epd Film 12/2010
So 5.2., 23.35 Uhr, ARD
Filmreihe François Truffaut
Von hinten aufgerollt: Den Anfang der Reihe macht ausgerechnet Truffauts letztes Werk Auf Liebe und Tod (1983, 6.2., 20.15 Uhr), eine Hommage an das Kriminalkino und den Film noir. Das Programm umfasst sechs Filme, darunter Geraubte Küsse (1968, 13.2., 22.10 Uhr) und Jules und Jim (1962, 22.2., 20.15 Uhr); den Abschluss macht die Dokumentation »François Truffaut – Eine Autobiografie«.
Spur der Steine DDR 1966, Frank Beyer
Frank Beyers Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Erik Neutsch. Hannes Balla ist Brigadier und Teil eines respektlosen Baustellentrupps. Doch der neue Parteisekretär Werner Horrath will die Zustände auf der Baustelle ändern. Anfänglicher Respekt zwischen Balla und Horrath schlägt um, als sich beide in die Ingenieurin Kati verlieben. Ein Film über die Doppelmoral des DDR-Systems – so entspannt und anarchisch, dass er kurz nach seiner Uraufführung für 23 Jahre im »Keller« verschwand.
Fr 10.2., 22.25 Uhr, 3sat
Der blaue Engel D 1930, Josef von Sternberg
Ein satirisch überspitzter Klassiker, der Kritik an der wilhelminischen Gesellschaft übt – und einen künftigen Star ans Licht befördert. Josef Sternberg setzt Marlene Dietrich hier schon so verführerisch in Szene, dass ihr der pedantische Gymnasialprofessor Immanuel Rath, gespielt von Emil Jannings, einfach verfallen muss.
Sa 11.2., 20.15 Uhr, 3sat
Alles über Elly Iran 2009, Asghar Farhadi
Bevor sein Drama Nader und Simin im Westen Furore machte, war der iranische Regisseur Asghar Farhadi mit Elly auf der Berlinale – und gewann den Silbernen Bären. Ahmad, der eine Scheidung hinter sich hat, kehrt in den Iran zurück. Das trifft sich, denn Sepideh will ihre Freundin Elly mit Ahmad bekanntmachen. Zusammen mit Freunden fahren die jungen Leute ans Kaspische Meer. Doch bei einem Zwischenfall verschwindet Elly. Farhadi gelingt das genaue Porträt einer Generation zwischen Tradition und Moderne. Kritik in epd Film 2/2011
Mi 15.2., 20.15 Uhr, arte
Die rote Traumfabrik D 2011, Alexander Schwarz
Die Dokumentation begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und entdeckt das legendäre deutsch-russische Filmstudio Meschrabpom-Film wieder, das Anfang der 20er und 30er Jahre als Anlaufstelle des sozial engagierten Films galt. Beginnend in den 20er Jahren, schlägt der Film einen Bogen zur aktuellen sowjetischen Filmproduktion. Faszinierende Doku, die die Retrospektive der diesjährigen Berliner Filmfestspiele flankiert (siehe auch in diesem Heft S. 14).
Mi 15.2., 22.10 Uhr, ZDF
The Good German USA 2006, Steven Soderbergh
In ihrer fünften Zusammenarbeit begeben sich George Clooney und Regisseur Steven Soderbergh auf einen historischen Exkurs ins Jahr 1945. Clooney spielt in diesem Film einen US-Kriegskorrespondenten, der nach Berlin zurückkehrt, um über die Potsdamer Konferenz zu berichten. Als er seiner früheren Geliebten Lena begegnet, gerät er auf die Spur einer alten Naziseilschaft. Soderberghs stilisierter Schwarz-Weiß-Film lässt in den Ruinen von Berlin Verbrechen und Korruption erblühen. Kritik in epd Film 3/2007
Do 16.2., 01.00 Uhr, ZDF
Fish Tank GB 2009, Andrea Arnold
Andrea Arnold (Kurzfilm-Oscar, Wuthering Heights) erzählt von der 15-jährigen Mia (großartig: Katie Jarvis), die am Rande der Gesellschaft lebt und von einem Konflikt in den nächsten taumelt. Nur beim Tanzen blüht sie auf. Als der neue Freund der Mutter auftaucht, spitzen sich die Probleme des Mädchens fatal zu.
So 26.2., 00.05 Uhr, ARD