Kritik zu In the Land of Blood and Honey

© Wild Bunch

2011
Original-Titel: 
In the Land of Blood and Honey
Filmstart in Deutschland: 
23.02.2012
Musik: 
A: 
V: 
L: 
127 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Das Drehbuch- und Regiedebüt von Angelina Jolie machte bislang von sich reden, weil sie dafür eine Nominierung in der Kategorie »Bester fremdsprachiger Film« bei den Golden Globes erhielt, verdient aber zweifellos mehr Respekt als Häme

Bewertung: 4
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Kaum größere Gegensätze sind denkbar als der »Larger-than-Life«-Glamour eines Megastars wie Angelina Jolie und die »Down-to- Earth-Cruelness« des Bosnienkrieges. Allerdings hat sich die Schauspielerin mit ihrem humanitären Engagement in internationalen Krisengebieten durchaus Respekt und Glaubwürdigkeit verdient. Leicht hat sie es sich mit ihrem Regiedebüt jedenfalls nicht gemacht, und am besten wäre es, könnte man einfach vergessen, wer diesen Film gedreht hat.

Getrieben vom Drang, die Zusammenhänge des Konflikts zu verstehen, und der Wut über die Unterlassungssünden der internationale Staatengemeinschaft hat sie zunächst genau recherchiert, hat – für eine amerikanische Produktion keineswegs selbstverständlich – in der Landessprache gedreht, mit weitgehend unbekannten Schauspielern aus der Region, die den Film mit ihren persönlichen Erfahrungen unterfüttern. Schließlich ist sie im Castingprozess anonym aufgetreten und hat ihr Drehbuch dann vor Ort einem kontinuierlichen Realitycheck unterzogen. Statt Stellung für eine Seite zu beziehen, breitet sie die Verflechtungen von Angst und Schuld, Hass und Terror aus, folgt der Spirale der Gewalt, in der die Opfer von gestern die rächenden Täter von morgen sind. Die Härten des Krieges schildert sie ungeschönt, rau und authentisch, dabei aber nie voyeuristisch und sensationslüstern.

Es fängt ganz klein und intim an: Boy meets girl. Danijel ist Polizist und christlicher Serbe, Ajla ist Malerin und muslimische Bosnierin, doch die zart zwischen ihnen keimenden Bande werden jäh von einem Bombenanschlag auf die Tanzbar zerrissen. Später wird Ajla ins Lager der serbischen Soldaten abtransportiert, in dem Danijel als Captain Befehlshabeist. Ajlas Schwester Leila wird zufällig verschont und kann sich später einer Untergrundwiderstandsgruppe anschließen. Im Lager kann Danijel, der sich nur widerwillig von seinem zornigen Vater (eindrucksvoll gespielt von dem aus Maria Schraders »Liebesleben« bekannten Rade Serbedzija) in die Kriegspflicht nehmen lässt, Ajla vor den täglichen Vergewaltigungen seiner Männer schützen. Im Verlauf des Krieges trennen und kreuzen sich die Wege der beiden immer wieder, wobei sich die fragile Balance zwischen Liebe und Hass, Loyalität und Verrat immer wieder aufs Neue verschiebt.

Auf den ersten Blick mag es riskant anmuten, sich dem Krieg mit den Mitteln der Liebe zu nähern. Andererseits kann die Regisseurin genau damit die absurden Mechanismen ethnischer Konflikte freilegen, in denen Menschen, die gerade noch Nachbarn, Freunde oder Liebende waren, unter dem Label ihrer Nationalität und Glaubenszugehörigkeit zu Todfeinden mutieren. Dabei ist es auch den unbekannten Schauspielern Zana Marjanovic und Goran Kostic zu verdanken, dass ihre brüchigen Gefühle in so vielen Nuancen aufschimmern. Wenn man bedenkt wie viel Mühe es für Angelina Jolie allein schon bedeutet, ihr glamouröses Image aus dem dreckigen Krieg herauszuhalten, kann man nicht anders, als ihr Respekt zu zollen.

 

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