Kritik zu Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

© 20th Century Fox

Theodore Melfi erzählt von den »Computern« der ersten Stunde: den schwarzen ­Mathematikerinnen, die am US-Raumfahrtprogramm mitgewirkt haben

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Zu Beginn sieht man drei farbige Frauen, die eine Autopanne auf einer Landstraße zu einem unfreiwilligen Halt zwingt. Ihre Stimmung wechselt zwischen humorvollem Schlagabtausch und Unsicherheit, als ein Polizeiauto herangefahren kommt. Die drei sind zwar hochgebildet und dazu noch Mitarbeiterinnen der Raumfahrtbehörde NASA, aber für farbige Frauen im Virginia der 50er Jahre, so macht der Film an dieser Stelle klar, bedeutet jede Begegnung mit der Polizei immer auch eine Bedrohung.

»Hidden Figures« erzählt die »wahre Geschichte« der drei Mathematikerinnen ­Katherine Johnson (Taraji P. Henson), ­Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe), die jede auf ihre Weise dazu beigetragen haben, dass mit John Glenn endlich auch die USA ihren ersten Mann ins All schicken und damit im »space race« gegen die Sowjetunion und Juri Gagarin aufholen konnten. Die drei gehören zu einer Gruppe von farbigen Frauen – Segregation wird auch bei der NASA praktiziert –, die noch mit Papier und Bleistift die essenziellen Rechenarbeiten für die Ingenieure ausführen. Der Raum, in dem IBM den ersten Computer installieren soll, steht noch leer.

Als Katherine Johnson die Chance bekommt, direkt am Raketenprogramm mitzurechnen, ist sie plötzlich die einzige Schwarze im Raum – was unter anderem bedeutet, dass sie zu »ihren« Toiletten, den für »colored ladies« ausgewiesenen, einen weiten Weg zurücklegen muss, denn die liegen eine halbe Meile entfernt in einem anderen Gebäudekomplex. Mehrfach zeigt der Film die erniedrigende Prozedur, wenn sie in höchster Not und Zeitnot über das Gelände rennt. Als das der ihr wohlgesonnene, von Kevin Costner gespielte Vorgesetzte schließlich mitbekommt, demoliert er eigenhändig das diskriminierende Schild an den Toiletten der Abteilung.

Auf derlei emotional wirksame Momente setzt Regisseur Theodore Melfi immer wieder, dazu gehört auch jener, in dem die Gruppe der farbigen Frauen durch den Gang zu ihren neuen Arbeitsplätzen schreitet. In Zeitlupe und mit emphatischer Musik unterlegt, ist diese Inszenierung durchaus eine Replik an jene Szene in Philip Kaufmans »Der Stoff, aus dem die Helden sind«, in der die Astronauten ähnlich gezeigt wurden. Es ist die Stärke des Films, große Worte in ihrer konkreten Anwendbarkeit zu zeigen. So schlägt sich John F. Kennedys Forderung »Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst« im taktischen Geschick wieder, mit dem Mary Jackson sich schließlich die Fortbildungskurse an einer »weißen« Schule erkämpft: Sie »ködert« den Richter damit, dass er mit einem Urteil zu ihren Gunsten Geschichte schreiben könnte.

Nach »Marie Curie« ist »Hidden Figures« ein weiterer Film, der sich den bislang wenig beleuchteten Leistungen von Wissenschaftlerinnen an den zentralen Errungenschaften unserer Zeit widmet. Katherine Johnson immerhin wurde für ihre Leistungen mit der »Presidential Medal of Freedom« ausgezeichnet, allerdings erst unter Präsident Obama.

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