Kritik zu Free at Heart

© Salzgeber

Zwischen sommerlicher Idylle und familiären Geheimnissen entwickelt sich in Max Hegewalds Regiedebüt die Liebesgeschichte zweier Halbbrüder.

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Schon der Titel ist trügerisch, wirklich frei im Herzen wirkt hier niemand, nur ein bisschen vielleicht, ganz am Anfang, als der 16-jährige Sebastian (Linus Moog) allein am sommerlichen See im Gras liegt, träumt, angelt und anschließend auf dem Rad schwerelos durch die Landschaft gleitet. Doch bald stellt sich heraus, dass die Idylle des ländlichen Kleinstadtlebens höchst fragil ist: der familiäre Zusammenhalt, die Freundschaften in der Schule, die noch flüchtige erste Liebe zu Sarah, die Chorgemeinschaft der Mutter in der Kirche, der Lehrerverbund des Vaters in der Schule, alles zerfällt. Ein einziger Anruf genügt, um die Blase platzen zu lassen. Der Vater verstummt und erstarrt, kurz darauf eröffnet er seiner Familie, dass eine ehemalige Freundin jäh verstorben sei und man ihren Sohn nun in der Familie aufnehmen müsse, zumindest fürs Erste. Was er verschweigt, ist, dass Kolja sein eigener Sohn ist, das Ergebnis einer verheimlichten Schwangerschaft. Vor allem Sebastian reagiert verhalten und misstrauisch, lauernd, fast schon feindselig auf die Ankunft des etwa gleichaltrigen Kolja (Aurel Klug), der im Kontrast dazu entwaffnend offen und charmant auftritt.

Eine Coming-of-Age-Geschichte ist ein klassischer Debütstoff, doch statt sich auf die feinen Schwingungen fragiler Teenager-Gefühle in einer inzestuösen Liebesgeschichte zu konzentrieren, überlädt der Schauspieler Max Hegewald (»Weissensee«, »SOKO Leipzig«) sein Autorenfilmdebüt mit Problemen und Krisen und torpediert die keimende Liebe der beiden Jungs mit schweren Geschützen plakativer Anfeindungen. Damit überfordert er auch die Schauspieler, die immer wieder linkisch und unsicher wirken. Wiederkehrende Bilder von trübem Seewasser und luftigen Wolkengebilden fungieren als sinnliche Metapher für die Unsicherheiten fluider Gefühle, werden aber auf Dauer auch etwas überstrapaziert. Wehmütig denkt man an eine andere große, queere Sommerliebe in Luca Guadagninos »Call Me by Your Name«, zugegebenermaßen ein nicht ganz fairer Vergleich.

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