Kritik zu Die Entdeckung der Unendlichkeit

© Universal Pictures

2014
Original-Titel: 
The Theory of Everything
Filmstart in Deutschland: 
25.12.2014
L: 
123 Min
FSK: 
Ohne Angabe

James Marsh erzählt die Lebensgeschichte des berühmten Astrophysikers Stephen Hawking mit einem hingebungsvollen Eddie Redmayne als gebrechlichem Helden

Bewertung: 3
Leserbewertung
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3.3 (Stimmen: 3)

Eine relativ unbeschwerte Jugend auf dem College, eine Amour fou zwischen einer schönen jungen Frau und einem linkisch scheuen jungen Mann mit dicker Brille, der unter Professoren und Studenten als Genie gilt. Doch dann fällt er eines Tages auf dem Campus unerklärlich hin, die anschließende Diagnose lautet ALS, eine degenerative Krankheit des motorischen Nervensystems, die Ärzte geben ihm nur noch zwei weitere Jahre Lebenszeit. Die Frau bleibt trotzdem bei ihm. Das ist nun bald fünfzig Jahre her, Stephen Hawking lebt immer noch, er mag im Rollstuhl sitzen und inzwischen mit nur einem einzigen Augenmuskel kommunizieren, doch er ist auch ein weltberühmter Astrophysiker, Verfasser des populärwissenschaftlichen Bestsellers »Eine kurze Geschichte der Zeit«, und gerade hat er sich als Bond-Bösewicht ins Spiel gebracht.

Der enorme Widerspruch zwischen dem hochfliegenden Geist und dem brüchigen Körper hat das Kino immer wieder inspiriert. Während sich Errol Morris 1991 in seiner Dokumentation A Brief History of Time auf den brillanten Geist konzentrierte, widmet sich James Marsh (bisher vor allem durch grandiose Dokumentationen wie Man on Wire und den beeindruckenden IRA-Thriller Shadow Dancer aufgefallen) jetzt in besonderer Weise den physischen Defiziten und hat für diese enorme Kraftanstrengung in Eddie Redmayne einen ganz erstaunlichen jungen Schauspieler gefunden. Marsh konzentriert sich jedoch so sehr auf die Gebrechlichkeit des Körpers, dass er keine Bilder für die Verführungskraft eines brillanten Verstandes findet. Das größte Manko aber ist, dass er die Amour fou nicht wirklich vermitteln kann, dass es zwischen Felicity Jones und Eddie Redmayne keine Funken gibt, die plausibel machen, was eine energische, charmante, sprühende junge Frau dazu bewegt, sich auf einen so gehemmten, versehrten Mann einzulassen.

So bleibt von diesem Film vor allem die beeindruckende Performance von Eddie Redmayne. In seiner rückhaltlosen Hingabe an die Darstellung physischer und psychischer Gebrechen hat Redmayne einigen Oscar-Buzz auf sich gezogen, ohne dass man den Eindruck bekommt, darum gehe es dem Schauspieler: Dafür spielt er viel zu fein und einfühlsam, lässt die Krankheit mit ihren Deformationen und Verrenkungen niemals zur Karikatur werden. Dafür hat er ausführlich recherchiert, viele ALS-Patienten getroffen, um die verschiedenen Verläufe der Krankheit kennenzulernen, und zahllose Jugendfotos von Hawking zusammen mit einem Spezialisten studiert, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie sich bei ihm entwickelt hat. Darüber hinaus hatte er in den ersten Wochen Hawkings erste Frau Jane als Coach, auf deren Memoiren der Film basiert. Und schließlich stellte der Physiker sogar seine eigene »Hawking-Stimme«, für die er das Copyright hat, zur Verfügung. Mit all diesen Komponenten gelingt es vielleicht zum ersten Mal, die Seele sichtbar zu machen, die im kaputten Körper gefangen ist, die zähe Willenskraft, den spitzbübischen Humor und den Anflug eines zauberhaften Lächelns.

Meinung zum Thema

Kommentare

"Das größte Manko aber ist, dass er die Amour fou nicht wirklich vermitteln kann, dass es zwischen Felicity Jones und Eddie Redmayne keine Funken gibt, die plausibel machen, was eine energische, charmante, sprühende junge Frau dazu bewegt, sich auf einen so gehemmten, versehrten Mann einzulassen."
Ja, in einer von Oberflächlichkeit geprägten Gesellschaft wirkt es wirklich etwas seltsam, dass sich eine junge, hübsche Frau auf so eine absehbare Mühsal einlässt. Aber zum Glück gibt es noch solche Frauen, denen die Fassade ziemlich egal ist, solange die Innendekoration stimmig ist.

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