Kritik zu 5 Zimmer Küche Sarg

© Weltkino

Die Neuseeländer Taika Waititi und Jemaine Clement, Erfinder der Serie Flight of the Conchords, spielen in ihrem sozialbewussten Mockumentary über eine Vampir-WG mit der klassischen Vampirmythologie

Bewertung: 4
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Die Frage, auf welchen verschlungenen Pfaden es eine Gruppe Vampire aus Transsilvanien bis nach Neuseeland verschlagen hat, wäre an sich schon eine Geschichte für einen interessanten Film. 5 Zimmer, Küche, Sarg des neuseeländischen Komikerduos Taika Waititi und Jemaine Clement dient diese Prämisse lediglich als Grundlage für eine Sozialstudie über das Gruppenverhalten von Vampiren. Der einzelgängerische Vampir steht – im Gegensatz zu Zombies oder Werwölfen – ja nicht unbedingt in dem Ruf, über eine hohe Sozialkompetenz zu verfügen. Auf dieser spekulativen Idee beruht der ganze Witz, den Waititi und Clement auf jede nur erdenkliche Weise, von todernst bis hochgradig absurd, durchspielen. Rühmte sich die deutsche Komödie Wir sind die Neuen kürzlich noch mit der ältesten Wohngemeinschaft der Filmgeschichte, verweist 5 Zimmer, Küche, Sarg die Alt-68er locker auf die Plätze. Allein der 8000 Jahre alte Petyr, dem äußeren Erscheinungsbild nach ein entfernter Verwandter von Mur­naus Nosferatu, hebt den Altersdurchschnitt beträchtlich. Weil er in seiner Lebenszeit schon so ziemlich alles mitgemacht hat, ist er von banalen Aktivitäten wie der wöchentlichen WG-Besprechung befreit.

5 Zimmer, Küche, Sarg stellt im Mockumentary-Stil empirische Untersuchungen über das Leben von vier Vampiren an. Die Frage nach ihrer Alltagstauglichkeit schwingt dabei immer im Hintergrund mit. Der Film orientiert sich an bekannten Fernsehformaten. Waititi und Clement sind mit der HBO-Comedyserie Flight of the Conchords bekannt geworden, und 5 Zimmer, Küche, Sarg funktioniert wie eine Mischung aus The Office und The Big Bang Theory. Es geht immer um Vorführeffekte: zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung und von vermeintlich selbstverständlichen sozialen Praktiken. Meistens geht das natürlich fürchterlich in die Hose.

Die Probleme beginnen schon mit der Frage, wie man sich für einen Clubabend zurechtmacht, wenn man kein Spiegelbild wirft. Ein freundliches Dinner endet buchstäblich in einem Blutbad, weil Viago, der Dandy der Truppe (in der deutschen Synchro spricht er mit Wiener Schmäh), aus Versehen die Halsschlagader seines weiblichen Opfers trifft. Die Eigenarten des vampirischen Alltags erhalten durch die Ankunft des etwas beschränkten Hipsters Nick einen sanften Stoß in Richtung Informationszeitalter. Die Internetverbindung ist in der alten Villa zwar etwas langsam, dafür kommen die Vampire auf Youtube erstmals in den Genuss eines Sonnenaufgangs.

Waititi und Clement variieren das Sitcom-Format der WG-Comedy immer auf der Basis eines gesicherten Wissens über Vampirmythologie. Die dokumentarische Form dient dabei eher als Vorwand, weil die vierte Wand nie durchbrochen wird. 5 Zimmer, Küche, Sarg ist gewissermaßen eine »Comedy of manners«. Der Klassendünkel der Vampire zeigt sich in ihrer despektierlichen Haltung gegenüber einer Gruppe sozialbewusster Werwölfe, die in einer schönen True Blood-Reminiszenz schließlich noch auf ihre Kosten kommen.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns