Bruce Dern als großartiger Don Quijote des Mittleren Westens. In melancholischen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Alexander Payne eine Vater-Sohn-Geschichte als tragikomisches Roadmovie über den Zusammenhang von Realität und Mythos. In diesem verkappten Western, der in verfallenden Kleinstädten nach dem anständigen Amerikaner sucht, brilliert neben Dern vor allem Stacey Keach als superber Bösewicht.
Bruno Dumonts Film ist eine grimmige Satire auf die Obszönität von Medienwelt und Berühmtheitskult. Mit der Sendung »Ein Blick auf die Welt« ist die Fernsehjournalistin France de Meurs (Léa Seydoux) zum Star und heiß begehrten Selfie-Objekt geworden. Nach einem Verkehrsunfall wird der Blick, den sie auf ihr Leben richtet, unversehens fragender. Der Regisseur schickt sie auf einen Kreuzweg, an dessen Ende keine Läuterung versprochen ist.
Margarethe von Trotta konzentriert sich in ihrem Biopic auf die Zeit rund um Arendts Schriften zum Eichmann-Prozess. Komplexes, sehenswertes Porträt einer Intellektuellen.
Devid Striesow und Aglaia Szyskowitz setzen Glanzlichter in dem Beziehungsfilm »Die Wunderübung«, der aber aufgrund der boulevardesken Vorlage von Daniel Glattauer nur anfangs überzeugt.
Die Geschichte um ein vernachlässigtes Mädchen, das während eines Sommeraufenthalts bei Verwandten ungeahnte Fürsorge erfährt, kommt einfach und unspektakulär daher und ist gerade deswegen berührend.
Justine Triet verwebt auf faszinierende Weise ein Beziehungsdrama mit einem philosophisch fundierten Prozess-Thriller. Sandra Hüller triumphiert schauspielerisch als Frau, die im Verdacht steht, ihren Mann ermordet zu haben.
Channing Tatum, Mathew McConaughey und Alex Pettyfer schlagen sich als Stripper durch harte Zeiten. Vielleicht der bislang beste Film zur ökonomischen Lage in den USA.
Kammerspiel um eine der wichtigsten Fragen des Lebens: Wie komme ich zu gutem Sex? Obwohl in diesem Film um eine pensionierte Lehrerin und einen Callboy mehr gesprochen als gekuschelt wird, ist er ungeheuer erregend.
Ein ästhetisch gewagter, kluger und sinnlicher Essayfilm von Angela Schanelec. Maren Eggert spielt in »Ich war zuhause, aber...« eine Mutter und Witwe, die an der Unmöglichkeit, das Leben zu kontrollieren, beinahe verzweifelt.
In seinem Ausflug ins Horrorgenre liebäugelt Scorsese mit Trash und Kolportage, bietet auf seiner Insel des Wahnsinns aber zugleich eine Auseinandersetzung mit Paranoia und Verschwörungstheorien. Trotz einiger Schwächen birgt »Shutter Island« eine spannende Fahrt in seelische Abgründe – und durch die Filmgeschichte.
Eine elektrisierende Darstellerin, ein sturer Esel und die Naturkulisse der Cevennen sind die unwiderstehlichen Zutaten dieser bittersüßen Wanderkomödie, in der eine liebeskranke Frau Heilung erfährt.
Zwei Männer, ein italoamerikanischer Rausschmeißer und ein schwarzer Klassik- und Jazzpianist kommen sich in den zwei Monaten einer Konzertour durch den amerikanischen Süden näher. Mit dem Buddy-Roadmovie »Green Book« ist Peter Farrelly, hier ohne seinen Bruder Bobby auf dem Regiestuhl, den Flegeljahren entwachsen, vor allem auch dank grandioser Darsteller.
Ein sympathisch unaufgeregtes Frauen- und Familiendrama über eine alleinerziehende Mutter und ihre fünf Kinder, die allmählich flügge werden und dabei auch bei der Familienmanagerin den Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung anstoßen: ist der Nachwuchs etwas klischeehaft überzeichnet, so überzeugt Camille Cottin als hingebungsvolle Mutter und Ex-Schlagersängerin auf neuen Wegen.
Blick in die dunklen Ecken einer militarisierten Welt: Zwischen knallharter Rekruten-Ausbildung und frivoler Frauenfeindlichkeit entsteht es eine heimliche homosexuelle Liebe.
Zwei ungleiche Brüder lernen sich unverhoffte kennen, als der eine an Leukämie erkrankt und auf die Knochenmarkspende des anderen angewiesen ist. Mit dem gefeierten Dirigenten und dem ruppigen Kantinenkoch treffen zugleich gegensätzliche Welten aufeinander. Emmanuel Courcol (»Ein Triumph«) und seine trefflichen Darsteller interessieren sich mehr für die die feinen Gemeinsamkeiten als für die Unterschiede.
Funkensprühende Dialoge, perfektes Timing, Penélope Cruz und Antonio Banderas in selbstironischer Höchstform – in dieser herrlich überdrehten Metakomödie über das Filmemachen stimmt einfach alles.
Ein junger Mann kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf zurück. Alain Guiraudies schwarzhumoriger Provinzthriller wird zur philosophisch verspielten Fantasie über unvorhersehbare Begierden und zum Plädoyer für barmherziges Miteinander.
Erzählt spannungsgeladen die true story des amerikanischen Kapitäns Richard Phillips, der vor der ostafrikanischen Küste von somalischen Piraten entführt wurde.
Die 24-jährige Christin (Saskia Rosendahl) versucht aus der bäuerlichen Einöde in Mecklenburg auszubrechen. Ein sperrig-spröder Anti-Heimatfilm mit präzisem Blick für zwischenmenschliche Spannungen und einer faszinierend widersprüchlichen Hauptfigur.
Aufwühlend erzählen die israelischen Filmemacher Doron und Yoav Paz nach wahren Begebenheiten von dem jüdischen Geheimbund Nakam, der sich mit dem Tod von sechs Millionen Deutschen rächen wollte. Filmisch eher konventionell, wirft das Drama einen neuen und wichtigen Blick auf die deutsche Nachkriegsgeschichte.
Ein früheres Ehepaar trifft sich nach Jahren am Grab des tragisch verunglückten Sohnes wieder und entwickelt einen Diskurs über die Vergangenheit und den Umgang mit Trauer. Atmosphärisch kann die Verfilmung eines Theaterstücks punkten, Drehbuch und Darstellung aber überzeugen nicht durchweg.
In ihrem autobiografischen Dokumentarfilmdebüt verarbeitet Daniela Magnani Hüller einen Mordversuch, den sie als 16-Jährige nur knapp überlebte. Mit einer empathischen Mischung aus Sachlichkeit und Offenheit gibt sie nicht nur Einblick in ihre persönliche Traumabewältigung, sondern zeigt gesellschaftliche und juristische Strukturen, die Femizide begünstigen.