Kritik zu Wem gehört die Stadt? – Bürger in Bewegung

© Film Kino Text

2014
Original-Titel: 
Wem gehört die Stadt? – Bürger in Bewegung
Filmstart in Deutschland: 
19.02.2015
L: 
87 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Anna Ditges’ Dokumentation beobachtet die institutionell moderierten Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, engagierten Bürgern und einer Investorengruppe auf einem ehemaligen Industriegelände in Köln-Ehrenfeld

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)

Die Re-Nutzung historischer Industriegebäude ist seit einigen Jahrzehnten großes Thema der Stadtentwicklung. Ein Kampfplatz dabei ist das Helios-Gelände in Köln-Ehrenfeld, wo 2009 sogenannte Projektentwickler ihr Auge auf das Areal einer ehemaligen Fabrik für Elektrotechnik geworfen hatten. Damals hatten sich in den Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert in kleinstädtisch anmutender kleinteiliger Idylle unter anderem eine Tischlerei, ein Feinkostgeschäft, eine Kebab-Bude, ein Club und ein Kiosk eingerichtet. Wo man also im Herzen des Veedels im Halbgrünen preiswert Kaffee oder Schnaps trinken konnte, sollte eine Shoppingmall in einem Umfeld von Büros und schicken Wohnungen entstehen. Doch wie anderswo hatte sich auch in Ehrenfeld schnell lokaler Druck entwickelt, um gegen die kommerzielle Verwertung des öffentlichen Bereichs anzutreten. Dabei stieß die BI Helios auch bei der Bezirksverwaltung um SPD-Bürgermeister Josef Wirges auf zumindest teilweise offene Ohren. Doch dann kam aus dem Schulamt überraschend ein ganz neuer Vorschlag aus der Schublade.

Anna Ditges, selbst Ehrenfelder Anwohnerin, beschloss schnell, die Proteste und den folgenden Prozess »frühzeitiger Bürgerbeteiligung« mit der Kamera zu begleiten. Zusätzlich stellt sie in dem entstandenen Dokumentarfilm einzelne Akteure von Investoren, Verwaltung und Bürgerinitiative kurz vor. Auch wenn der Ausgang noch offen ist (aktueller Stand auf der Website www.buergerinitiative-helios.de), sei doch verraten, dass sich bei dem Verfahren erst mal der gut situierte bürgerliche Mittelstand seine Pfründe zu sichern scheint, der genug Know-how und Ressourcen für solch zeitintensives Freizeitengagement mitbringt. Die Tischlerei jedenfalls ist schon nicht mehr da.

Ditges' Film zeigt das, kann aber als von einer Einzelperson fast im Alleingang realisierter Film kaum in die Hintergründe der komplizierten Gemengelage vordringen. Diesen Film bitte nicht verwechseln mit der gleichnamigen Berlin-Gentrifizierungsdoku von Kristian Kähler und Andreas Wilcke für die ARD letztes Jahr!

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns