Kritik zu Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band

© Neue Visionen

2026
Original-Titel: 
Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band
Filmstart in Deutschland: 
17.09.2026
L: 
90 Min
FSK: 
Ohne Angabe
Bewertung: 3
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Natürlich ist Dieter Thomas Kuhn eine Kunstfigur. Die übertriebene Föhnfrisur und die mit Pailletten besetzten Anzüge, die schmachtende Stimme im Sinne eines ungebrochenen Revivals des ehemals so erfolgreichen deutschen Schlagers und nicht zuletzt das Brusthaar-Toupet zeugen davon. Aber stimmt das tatsächlich? Es ist schließlich nur das schelmische Dieter, das Thomas Kuhn in Anlehnung an den Hitparaden-Moderator Dieter Thomas Heck seinem Vornamen voranstellte, ähnlich wie dieser dem Dieter, damals bei Radio Luxemburg, einen populären Thomas hinzugefügt hatte. Für die Bühne verwandelt sich Thomas Kuhn, aber, und das ist vielleicht die erstaunlichste Erkenntnis dieses Films, auch wenn er die Bühne wieder verlässt, bleibt sehr viel von dieser Figur bei ihm. Dieter Thomas Kuhn ist sein Leben, vielleicht mehr als es Thomas Kuhn je war. Und auch sein bester Freund Philipp Feldtkeller, der auf der Bühne zu seinem Gitarristen Howie wird, ist ein Teil von Dieter Thomas Kuhn. Aber mehr noch ist er, Howie, mit Leib und Seele dabei, aus dem ironischen Projekt eine wirkliche Show zu machen, die bis heute, trotz seiner Krebserkrankung, läuft. Denn nachdem sie sich 1999 von der Bühne verabschiedet hatten und mit einigen anderen Projekten gescheitert waren, merkten die beiden, dass DTK, so kurz wie abstrahierend, ihr Leben ist. Und damit werden sie zu einer Band wie jede andere.

Übertreibung hat schon immer zum Popgeschäft gehört und darin bilden DTK keine Ausnahme. Dass man ausschließlich mit Coverstücken erfolgreich werden kann, ist auch nicht so selten. Erstaunlich ist der Kult, eine Gefolgschaft im Alter zwischen 15 und 75 Jahren, beiderlei Geschlechter gleichermaßen, Fans, die mit der Band um die Welt reisen und zu jedem Konzert ein neues selbstgemachtes Kostüm tragen. Die Texte können ohnehin alle mitsingen.

Kuhn sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Gérard Depardieu und Dieter Hildebrandt und wirkt auch in den privaten Szenen im Rockeroutfit wie eine durchdachte Gestalt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, er weiß, wie man sich inszeniert. Warum aber geht man nicht richtig mit? Warum bleibt dieser Film trotz der Offenbarung von Howies Krebserkrankung so aseptisch und glatt? Es könnte daran liegen, dass die Regisseurin Juliane Sauter (geb. 1995) in Friedrichshafen am Bodensee aufgewachsen ist und nicht wie Produzent Carsten Schuffert, der die Idee zu diesem Film hatte, in Tübingen, wo Kuhn der local hero ist. Sauters Ansatz ist ein musikjournalistischer und keiner, der durch intime Kenntnis der Band in ihrer Zeit geprägt ist. Ein Jahr lang hat Sauter DTK begleitet und viele Stunden Archivmaterial gesichtet; im Mittelpunkt der Doku aber steht das große Jubiläumskonzert mit zahlreichen Fans – garniert von kleinen Ausflügen in die Bandgeschichte. So ist der Film vor allem etwas für die, die DTK ohnehin schon emotional verbunden sind. Aber auch für die könnte es ein getrübtes Vergnügen sein. Oder, um es mit den Worten von Howie alias Philipp Feldtkeller zu sagen: »Gönnt euch vorher einen Ramazzotti mit Eis und Zitrone. Oder einen Iacopo Spritz …«

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