Kritik zu Sex & Crime

© Camino

Krimikomödie mit Überraschungseffekten: In seinem Kinodebüt geht Paul Florian Müller über die verordnete Kompatibilität von Gewaltdarstellung hinweg und zeigt, wie »Sex and Crime« auch aussehen können

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Das Genre der schrägen Krimikomödie ist, zumindest in Deutschland, keinesfalls ausgereizt. Schon deshalb sollte man über Paul Florian Müllers Film »Sex & Crime« nicht achtlos hinweggehen. Er bietet zwar wenig Sex, dafür aber eine einzigartig verdrehte Mord-, Raub- und Erpressungsgeschichte, bei der Opfer und Täter ein fröhliches Wechselspiel feiern.

Eigentlich sind Valentin und Theo beste Freunde. Doch seit Val (wie sich der kleine Versicherungsvertreter gern selbst nennt) mit Theos Frau schläft, ist die Freundschaft eher ein Problem. Vollmundig plant er deshalb, den erfolgreichen, aber nach einem Herzinfarkt impotenten Autor von erotischen Krimis umzubringen und mit dessen Frau, vor allem aber mit dessen Geld, ein neues Leben anzufangen. Mordwaffe soll die attraktive Bedienung seiner Stammkneipe sein, Todesursache ein pilleninduzierter Herzinfarkt beim Sex. Doch es kommt ganz anders. Mit den überraschenden Wendungen gehen Wotan Wilke Möhring als Val und Fabian Busch als Theo ganz locker um, selbst wenn die Geschichte als solche nicht durchweg logisch erscheint.

»Logik, immer die Logik, es kommt doch auf ganz andere Dinge an, auf Stimmung, Dialoge, Subtext...«, so verteidigt Theo seine eher trivialen, aber äußerst erfolgreichen Krimis, und das gilt auch für den Film. Vieles darf man einfach nicht hinterfragen. In seinem Kinodebüt setzt Paul Florian Müller ganz auf situative Komik, auf drastische Gewaltszenen und charmante Darsteller. Die Ausstattung der wenigen Sets ist liebevoll atmosphärisch, allein die Galerie von Vorbildern in Theos Arbeitszimmer ist bemerkenswert. Leben und sterben geht in diesem Film so lässig vonstatten wie sonst nur bei Tarantino, und das mit einem Bruchteil des Budgets. Das Timing stimmt, gekonnt geht die Inszenierung mit verschiedenen Zeitebenen um, spult mal vor und mal zurück und setzt so ein kleines Mosaik der Krimimotive zusammen, das auch vor slapstickhaften Seitenblicken nicht haltmacht. Allein der nackte Superheld auf dem Kleiderschrank lohnt den Kinobesuch.

Und doch sieht man dem Film an, dass hier die Routine, vor allem aber das Geld fehlte. Vieles sieht nach spontaner Lösung in Heimarbeit aus, vor allem der Wechsel zwischen Außen- und Innenräumen hakt. Der finale Showdown in der Vorstadtsiedlung kommt über eine gewisse Schülertheaterästhetik kaum hinweg. Man sieht, dass man sich von netten szenischen Einfällen, die man liebgewonnen hatte, einfach nicht trennen wollte. Dabei ist der Film mit seinen knapp 80 Minuten keinesfalls zu lang.

»Sex & Crime« ist ein kleiner Film, der gerne größer aussehen möchte, als er ist. Dass er in dieser Schieflage überhaupt noch funktioniert, ohne jedes Ärgernis, liegt vor allem an den Darstellern. Und dann liegt die Rettung nicht in einem hochgerüsteten Drama à la Til Schweiger, sondern eher in der bewusst effektreduzierten überdrehten Variante des Kinos eines Michel Gondry.

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