Kritik zu Schrotten!

© Port au Prince

In der grundsympathischen Prollkomödie geht es um zwei Brüder, die einen Schrottplatz erben. Ein schweres Geschäft ist das heutzutage

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Wer jemals auf einem Schrottplatz war, weiß um die Magie dieses Ortes. Alles ist dort – buchstäblich – hingestellt wie nicht abgeholt, jedes Teil hat seine Geschichte, und alles kann wiederverwendet werden. Die Typen, die diese Plätze betreiben, waren meist von der Sorte raue Schale/weicher Kern. Aber es ist ein untergehendes Gewerbe, gegen das sowohl die Rentabilität als auch, mitunter, der Umweltschutz spricht. Und in moderne Autos kann in Zeiten, in denen Alteisen »Wertstoff« heißt, sowieso kein normaler Mensch mehr irgendwelche gebrauchten Ersatzteile einbauen. Der Platz in »Schrotten!« ist aber weniger für Autos denn für klassisches Altmetall. Liebevoll haben ihn die Ausstatter des Films dekoriert mit viel herumliegendem Zeugs, ein idealer Spielplatz für die Kinder der Familie. Und das Büro ist, wie es sich gehört, im ersten Stock eines provisorischen Gebäudes – damit man den Platz gut überblicken kann.

Eigentlich hat Mirko (Lucas Gregorowicz) mit dieser Szene gebrochen und arbeitet nun in einer Versicherung mit eher windigen Geschäftsmethoden. Im Anzug. Auch wenn es bei ihm gerade nicht gut läuft – er ist doch überrascht, als plötzlich zwei Typen aus seiner Vergangenheit in seinem Büro stehen und ihn nachdrücklich mit nach Hause nehmen. Mirkos Vater ist gestorben und hat ihm, zusammen mit seinem Bruder Letscho, den Schrottplatz vererbt. Mirko und Letscho, das sind Namen ähnlich paradigmatisch wie Manni in »Lola rennt«. Letscho wird dargestellt von Frederick Lau mit Bomberjacke, eher tiefbegabt, um einmal mit Rico aus den Büchern von Andreas Steinhöfel zu sprechen, aber ein Familienmensch mit großem Herz. Ein »Vollblut-Schrotti«. Die Brüder mögen sich nicht besonders, und Mirko ist bereit, den Platz an den lokalen Altmetallkönig Kercher (Jan-Gregor Kemp), der schon alle kleinen Schrottplätze in der Umgebung aufgekauft hat, zu verhökern.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn kreuzt sich mit der von den beiden ungleichen Brüdern –  das sind natürlich Stereotype. Aber Max Zähle, der das Drehbuch für seinen ersten Langfilm zusammen mit Oliver Keidl und Johanna Pfaff schrieb, kann seine Figuren mit Leben füllen. Neben seinen beiden Hauptdarstellern helfen ihm noch der in diesem Film eher bodenständig denn abgedreht eingestellte Lars Rudolph und Mumblecore-Shootingstar ­Heiko Pinkowski in prägnanten Nebenrollen. Beim Max Ophüls Preis in diesem Jahr hat er dafür den Publikumspreis gewonnen.

Unter den teutonischen Werken der letzten Jahre, die für ein großes Publikum gedacht sind, ist »Schrotten!« eine löbliche Ausnahme. Keine Peinlichkeiten, keine Zoten, nichts Ordinäres. Man muss die grundsympathische Prollkomödie in eine Reihe stellen mit Peter Thorwarths »Bang Boom Bang«. Und wer noch höher hinauswill, könnte sich bei der Zugentführung an den Überfall auf den »Gold Coast Flyer« in »Archie und Harry« erinnert fühlen.

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